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Greifswald Unbekannte Einblicke zu Familie Warnekros
Vorpommern Greifswald Unbekannte Einblicke zu Familie Warnekros
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09:10 29.03.2019
Kustos Thilo Habel zeigt Porträts von David Wilhelm Warnekros (r.) und seiner Gattin Hedwig Eleonore (gest. 1787). Die Gemälde stammen aus dem Nachlass der Familie. Die Uni kaufte einen Teil vor Kurzem auf. Quelle: Christopher Gottschalk
Greifswald

Der neueste Fund von Thilo Habel, Chef der Greifswalder Kustodie, wirft ein Schlaglicht auf bisher unbekannte Stadt- und Unigeschichte. Ein Konvolut aus Ölgemälden und Handschriften der Familie Warnekros geben Auskunft über das gesellschaftliche und familiäre Leben einer Professorenfamilie in Greifswald im ausgehenden 18. Jahrhundert. Diese Zeit ist bisher im Archiv und der Kustodie unterbeleuchtet. „Diese Sammlung füllt eine Lücke bei uns“, sagt Dirk Alvermann, Chef des Uni-Archivs.

Porträt von Greifswalder Professor Warnekros

Also Grund zur Freude: „Das Auspacken ist wie Weihnachten“, sagt der 56-jährige Thilo Habel. Er jagt Uni-Geschichte auf Auktionen, stöbert in Katalogen, ruft Antiquare an. Ein Fund wie der Nachlass der Familie Warnekros ist selten, bestätigt Chef-Archivar Alvermann (56). Hervorzuheben seien vor allem die Gemälde. „Das ist die erste mir bekannte bildliche Darstellung des David Wilhelm Warnekros“, sagt er über ein Ölgemälde des Juristen Warnekros (1743 – 1809), der 1796 Rektor der Universität war. Als Syndikus, also Rechtsbeistand der Universität, „trug er die Rechtsstreitigkeiten der Universität aus“, sagt Alvermann. Einblick in die Arbeit des Juristen geben seine handschriftlichen Notizen zu seinen geführten Prozessen, die Imbreviaturen. Absoluten Seltenheitswert hat das Porträt seiner Gattin Hedwig Ulrika Warnekros (gest. 1787), die aus der Professorenfamilie Overkamp stammt. Es ist das erste Porträt einer Professorengattin in der akademischen Kunstsammlung.

Archiv der Universität füllt Sammlung

Die Familie Warnekros war Kaufmanns- und Handwerkerfamilie aus Stralsund, die erst mit David Wilhelm Warnekros den Sprung in die akademische Welt schaffte. Der Nachlass gibt nun Aufschluss darüber, welche Verwandtschafts- und Freundschaftsverhältnisse in Greifswald herrschten und wie das alltägliche Leben der Familie hier aussah. Das Stammbuch des Sohnes von David Wilhelm Warnekros, der 1802 früh verstorben ist, enthält Sprüche, Grüße, Referenzen. „Das ist wie ein Freundschaftsalbum, das damals praktisch jeder Student bei sich führte“, sagt Dirk Alvermann über das Büchlein. Eine wichtige historische Persönlichkeit schrieb Warnekros diesen Spruch auf die Seite: „Dich bald im Vaterlande zu umarmen, wünscht dein Freund“, schrieb der aus Wismar stammende Professor Friedrich Christoph Dahlmann (1785 bis 1860), der 1837 zu den Göttinger Sieben gehörte. Ein so gut erhaltenes Stammbuch sei eine Rarität, so Alvermann. Im Uni-Archiv lägen bisher rund 18 Stück, manche nur als Fragmente erhalten. Die Sammlung Warnekros hingegen mit insgesamt sechs gebundenen Handschriften und siebzehn ungebundenen Handschriften ist gut erhalten. Die Echtheit der Stücke stehe außer Frage. Auch Gedichtsammlungen finden sich.

Sehen Sie hier Eindrücke aus dem Nachlass der Familie Warnekros

Kunsthistorische Detektivarbeit

„Jetzt haben wir Ehrenfried Warnekros in Farbe“, sagt Alvermann über ein kleines Ölgemälde, das den Bruder von David Wilhelm Warnekros zeigt. Heinrich Ehrenfried Warnekros (1752 bis 1807) machte sich einen Namen als Verfasser von „Entwurf der hebräischen Alterthümer“ (1782), in dem das Gemälde als Kupferstich zu sehen ist. Der Bruder von David Wilhelm Warnekros, Philologe, prägte als Reformator die Stadtschule, die unter seiner Leitung zu einer Bürgerschule wurde und 1799 ein neues Schulgebäude auf dem Grundriss des grauen Klosters bezog (heute Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums).

Nun beginne die „kunsthistorische Detektivarbeit“, sagt Thilo Habel. Wer die restaurierungsbedürftigen Bilder gemalt hat, ist noch unbekannt. Alles Material werde nun sortiert, gesichtet und anschließend würden die wertvollsten Stücke der Öffentlichkeit auch in digitaler Form zugänglich gemacht, sagt Dirk Alvermann. Noch 2019 werde voraussichtlich das gesamte Material sortiert sein. Alvermann und Habel sind gespannt auf weitere Erkenntnisse.

Die Uni hat den „Teilnachlass aus der Greifswalder Gelehrtenfamilie Warnekros“ aufgekauft für 4500 Euro.

*In einer früheren Version des Artikels lautete der zweite Name der Gattin von David Wilhelm Warnekros Eleonora. Korrekt ist Ulrika. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Christopher Gottschalk

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