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Greifswald Universität Greifswald setzt auf das Gender*
Vorpommern Greifswald Universität Greifswald setzt auf das Gender*
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12:09 22.05.2019
Auch wenn es die Zahnmedizinstudentinnen nicht betrifft, begrüßen die 18-jährige Maxi (l.) und Vera (19) die gendergerechte Sprache der Uni. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Gendern – für die einen Unfug, den niemand braucht, für andere unabdingbar für die tatsächliche Gleichberechtigung der Geschlechter. Der Verein für deutsche Sprache spricht von Gender-Unfug und bestreitet, dass damit kein „Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft“ geleistet wird. An den Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns ist das anders. Das Gender* ist auf dem Vormarsch und das generische Maskulinum in der Defensive. Nur Studenten und Professoren ist an deutschen Hochschulen schon lange Geschichte, aber auch die Verwendung der Begriffe Sudierende und Dozierende hat ihre Tücken.

Mit Mehrheit hat darum der zuständige Akademische Senat der Universität Greifswald einen gemeinsamen Wunsch der Satzungs-und Studienkommission abgesegnet. Sofern es keine geschlechtsneutralen Formulierungen wie Studierende und Dozierende gibt, hat künftig das Gender* den Vorrang. Diese Variante bringe „im Vergleich zu Alternativen vom Arbeitsaufwand und der Verständlichkeit her die geringsten Probleme mit sich bringt. Zugleich wirft sie mit Blick auf das dritte Geschlecht keine Fragen auf.“ So soll es künftig beispielsweise der*die Studierende, kein*e Studierende*r und der*die Prüfende heißen. Der Übergang zum Gender* soll aber nicht in einem Zug erfolgen, um Kosten und Aufwand zu sparen.

Kritik kommt von der Jungen Union

Kritik kommt von der Jungen Union. Der Beschluss sei „weltfremd und zeugt einmal mehr davon, dass sich das Gremium von der Realität entfernt hat“, sagt der Kreisvorsitzende Florian Stahlkopf. „Statt sich mit der Studentenschaft und den Mitarbeitern wichtigen Dingen wie der Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen zu befassen, sitzt der Senat im universitären Elfenbeinturm und agiert an der Wirklichkeit vorbei.“ Ansonsten hält sich die Aufregung über die Neuregelung an der Uni in Grenzen.

Bisher war es an der Hochschule üblich, das generische Maskulinum zu verwenden und in einer Fußnote darauf hinzuweisen, dass die Bestimmungen in Satzungen und Ordnungen für alle gelten. Geschlechtsneutrale Formulierungen haben bereits Vorrang und behalten den auch. Die Initiative für das Gender* ging von der Gleichstellungskommision aus. Dass Gremium hatte sich auf Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule, Ruth Terodde, einstimmig für das Ende des generischen Maskulinums in Satzungen ausgesprochen. Bei der folgenden Abstimmung in der Satzungs- und Studienkommission gab es vier Ja- und keine Nein-Stimmen, aber vier Enthaltungen. Für die Fakultäten ist die Verwendung des Gender* nur eine Empfehlung. Terodde sicherte zu, ein Glossar zur Verfügung zu stellen. Es soll bei der Erstellung von neuen Satzungen helfen.

Vorreiter in MV ist die Stralsunder Hochschule

Vorreiter beim Gender* ist Stralsund. „Unser Rektorat beschloss 2017, dass im Grundsatz das Gender* verwendet werden soll“, informiert Anke Weisbrich von der Hochschulkommunikation. Wenn das nicht unbedingt die „ideale Ansprache“ sei, werde man in diesen Fällen die direkte Ansprache verwenden. „Greifswald möchte das jetzt offenbar ebenfalls so handhaben“, schätzt Weisbrich ein. Wismar setzt seit 2015 auf das nebeneinander der klassischen Geschlechter, so Öffentlichkeitsarbeiter Jan Putensen. „In entsprechenden Bedarfsfällen wird der Unterstrich, zum Beispiel Mitarbeiter_innen verwendet, um letztlich auch das dritte Geschlecht einzuschließen.“ In Neubrandenburg werde die Verwendung des Gender* gerade diskutiert, informiert Sprecherin Christine Manthe. „Wir gehen davon aus, dass sich unser Senat noch im Sommersemester 2019 positioniert.“

Uni Rostock gegen allgemeine Festlegung

„Einen universitätsweiten Beschluss zu einer einheitlichen Sprachregelung gibt es nicht“, informiert hingegen Michael Vogt, der Sprecher der Uni Rostock. „Den unterschiedlichen Fachkulturen bleibt es überlassen, wie diese die Geschlechtergerechtigkeit auch in der Sprache berücksichtigen.“

Gendergerechte Sprache weitet sich auch auf Unternehmen in der Hansestadt aus. Bei öffentlichen Stellenausschreibungen berücksichtigt die Wohnungsbau und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) das dritte Geschlecht: „Soweit es hier möglich ist, wird nicht mehr auf Personen mit unterschiedlicher Geschlechterbezeichnung abgestellt“, erklärt Jana Pohl, Pressesprecherin. Vielmehr würde nun die Bezeichnung der Stelle an sich favorisiert. Als Beispiel: „Leitung (m/w/d)“ oder „Sachbearbeitung (m/w/d)“.

„Momentan ist das ein sehr politisches Thema“

Auch die Stadtwerke und die Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald (WGG) beschäftigen sich mit gendergerechter Sprache. Doch eine passende Version sei bei beiden Unternehmen noch nicht zustande gekommen. „Über die verschiedenen Varianten gibt es viel Diskussion. Wir möchten eine Lösung finden, die einheitlich akzeptiert und angenommen wird“, so Steffi Borkmann, Pressesprecherin der Stadtwerke.

Juliane Boutalha von der WGG drückt es konkreter aus: „Bislang ist es noch nicht angedacht diese einzuführen. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die derzeit gängigen Schreibweisen wenig elegant und lesefreundlich sind.“

Doch wie kommt das Vorhaben der Uni bei Studierenden an? Die beiden Zahnmedizinstudentinnen Vera (18) und Maxi (19) begrüßen die Regelung. „Momentan ist es ein sehr politisches Thema“, sagt Vera. Auch wenn es sie persönlich nicht betrifft, zeige es Toleranz und Akzeptanz für das dritte Geschlecht, sagt Maxi.

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