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Greifswald Uni Greifswald will mehr Personal für Lehrerbildung
Vorpommern Greifswald Uni Greifswald will mehr Personal für Lehrerbildung
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14:21 12.04.2019
Das Hauptgebäude der Universität am Rubenowplatz. Quelle: Ingolf Wegener
Greifswald

Die Universität will die Lehrerbildung stärken. Sie wünscht sich mehr Professuren und deutlich mehr Mitarbeiter vor allem in den Fachdidaktiken. Zum Teil gibt es aktuell pro Fach nur eine Didaktik-Stelle. Der Wunsch nach Stärkung der Lehrerbildung – zu DDR-Zeiten das Greifswalder Markenzeichen Greifswalds - geht aus dem umfangreichen Entwurf der Zuarbeit der Hochschule zu den Eckwerten der Entwicklungsplanung der Hochschule hervor. Die Uni Greifswald hat inklusive Medizin derzeit rund 10.000 Studenten und 6.000 Mitarbeiter. Über den Entwurf will der Senat in der kommenden Woche in zweiter Lesung befinden. Die Eckwerte sollen im Herbst vom Landtag beschlossen werden. Sie sind Grundlage der nächsten Zielvereinbarung der Uni mit Schwerin.

Die in der DDR prägende und von vielen Professoren Mitarbeitern getragene Lehrerbildung war Mitte der 2000er Jahre drastisch zusammengekürzt worden. Stellen wurden reduziert und viele Lehramtsstudiengänge wie Sport und Französisch gestrichen. In den Naturwissenschaften werden nur noch Geographie und seit 2016 wieder Mathematik angeboten. In vielen Didaktiken gibt nur eine feste Stelle. Ohne das große Engagement der Mitarbeiter und die vom Bund über den sogenannten Hochschulpakt finanzierten befristeten Kollegen würde es schlecht aussehen. Der 2004 beschlossene Abbau geht es bis heute weiter, weil immer noch Wissenschaftler in Rente gehen, deren Stellen gestrichen wurden. Einen Nachfolger des 2023 ausscheidenden Professors für Allgemeine Pädagogik gibt der Plan gegenwärtig beispielsweise nicht her.

Uni braucht Didaktik-Professuren

Besonders kritisch: Derzeit existieren nur in Germanistik und Evangelischer Religion Didaktik-Professuren. Der Wunsch der Uni Greifswald: Professuren für Allgemeine Didaktik und empirische Bildungsforschung sowie eine für Didaktik moderner Fremdsprachen mit je einem Mitarbeiter und eine für Medienpädagogik. Die ist derzeit wie viele Stellen befristet. Alles in allem stehen rund 20 neue halbe oder ganze Mitarbeiterstellen auf der Wunschliste. Also zusätzliches Fach soll Physik hinzukommen. Die wiederbelebte Mathelehrerausbildung ist gefragt.

Begründet werden die Wünsche mit dem Lehrermangel nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern und der angestrebten Verbesserung der Qualität der Lehre, um die gewachsenen Anforderungen an den Pädagogenberuf zu erfüllen. „Sowohl von den Studierenden als auch von der schulischen Praxis wird seit Langem eine stärkere Praxisorientierung im Studium dringend gefordert“, heißt es in dem Papier. Die Universität Greifswald habe mehrere geeignete Modelle zur Erhöhung der Praxiserfahrungen erprobt, darunter den Aufbau eines Netzwerks von Campusschulen. Auf Dauer benötige Greifswald zusätzliches Personal.

Hoffnung auf den Bund

Die Erfüllung dieses Straußes von nachvollziehbaren Wünschen durch Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) gilt in der Hochschulleitung als unwahrscheinlich. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf dem Bund, der seine Hochschulpaktmittel verstärkt für die Verstetigung von Dauerstellen einsetzen möchte. Bund und Land verhandeln gegenwärtig. Wegen des Pädagogenmangels gilt eine Verstärkung des Lehrerbildungsbereichs als wahrscheinlich.

Die Universität will auch den Forschungs- und Wissenstransfers in die Praxis und die bessere Verbindung mit regionalen Bedarfen erreichen. Ansatzpunkte werden beispielsweise in der Biotechnologie, der Gesundheitsversorgung, der Pharmazie, der Plasmaphysik und den Geowissenschaften gesehen. Ferner besteht der Wunsch nach Ansiedlung einer unbefristeten Genderprofessur mit fachlicher Ausrichtung an der Anglistik/Amerikanistik. Denn sonst gebe es künftig keine solche Professur mehr in MV, heißt es. Für Greifswald spreche die bereits vorhandene Kompetenz. Gender Studies hätten eine hohe wissenschaftliche Relevanz und seien bei den Studenten stark nachgefragt.

Die Universität will auch erreichen, dass mehr junge Leute ihr Studium beenden, und zwar besonders dort, wo es viele Abbrecher gibt. Das betreffe vor allem Lehrämter, Rechtswissenschaft, Physik und Mathematik. Zu den Mitteln dagegen gehören bessere Beratung, Angebote am Studienbeginn und verbesserte Studien- und Prüfungsstrukturen.

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