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Greifswald Uni gibt historische Gewächshäuser auf
Vorpommern Greifswald Uni gibt historische Gewächshäuser auf
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02:28 19.05.2014
Martin Schnittler, hier mit Mitarbeiterin Ingrid Handt, weist auf die historischen Gewächshäuser. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Am 6. Juni werden die historischen Gewächshäuser an der Münterstraße geschlossen, informiert Unipressesprecher Jan Meßerschmidt auf OZ-Nachfrage. Weder Mitarbeiter, noch Studenten oder Besucher dürfen die Gebäude dann noch betreten. Die Standsicherheit sei laut Gutachten nicht mehr gegeben, für eine Sanierung kein Geld da.

Die Ende des 19. Jahrhunderts gebauten Gebäude prägen das Bild des Gartens. In der Mitte steht das 12 Meter hohe Palmenhaus, rechts und links befinden sich zwei weitere Gebäude von 1887. In einem befindet sich der Eingang zur Gesamtanlage. Wegen der unter dem norddeutschen Gewächshäusern einmaligen Stahlkonstruktion stehen die Häuser unter Denkmalschutz. Nun droht der „feuchte Abriss“ wegen fehlender Instandhaltung. Nach Schätzungen würde eine Sanierung etwa 2,5 Millionen Euro kosten.

„Die Leitung des Botanischen Gartens wurde beauftragt, die Unterbringung der Pflanzen in den Gewächshäusern an anderen Orten zu planen und zur realisieren“, so Meßerschmidt zum Vorgehen.

„Wir haben praktisch keine Möglichkeit die großen Pflanzen des Palmenhauses woanders unterzubringen“, kommentiert Prof. Martin Schnittler, Direktor des Botanischen Gartens. „Auch das Ausgraben lässt sich in zwei Wochen mit dem vorhandenen Personal wohl nicht bewältigen.“ Die drei Gewächshäuser beherbergten zwar nur 14 Prozent des Gesamtbestandes, aber es seien überwiegend die repräsentativen Pflanzen. Hier gedeiht Bambus, der vor 1900 gepflanzt wurde, als Julius Münter den Botanischen Garten in die Grimmer Straße verlegte. Ein Prunkstück ist eine Cycadee (Palmfarn). Die weibliche Pflanze wurde 1931 aus Saigon eingeführt. „Für eine männliche haben wir schon jetzt keinen Platz“, sagt Schnittler.

Laut Meßerschmidt will die Uni aus den Mitteln ihres Körperschaftshaushaltes schnellstmöglich einen Zweckbau zur Sicherung von Forschung und Lehre als Ersatz bauen. Das ist Geld, das die Uni aus ihrem Wald, Forst und Immobilienbesitz einnimmt. Für Schnittler kein Trost: Die denkmalgeschützten Häuser würden verfallen und der Zweckbau auch noch die Außenanlagen in ihrer Wirkung stark beeinträchtigen. „Schnellstmöglich heißt nach Aussage der Verwaltung etwa sechs Jahre“, so der Direktor weiter. „Für die Rettung der Pflanzenbestände bringt das nichts.“

Schnittler kritisiert, dass die Universitätsleitung statt der historischen Gewächshäuser die Sanierung der leer stehenden alten Physik für ein Universitätsmuseum favorisiere. „Das ist zweifellos ein schönes Projekt“, sagt der Botanikprofessor. „Aber müssen wir deshalb die über lange Jahre angelegte Sammlung des Botanischen Gartens dem Verfall preisgeben?“ Schnittler erinnert daran, dass die Pflanzen für die Kernaufgaben der Universität, für Forschung und Lehre, wichtiger seien als ein Schauhaus. Zudem sei der Botanische Garten gerade wegen der drei historischen Gewächshäuser bei den Greifswaldern und ihren zahlreichen Gästen sehr beliebt. Die Hochschule habe eine Verantwortung für die Region.

Rektoratssprecher Meßerschmidt bestätigt, dass die Unileitung die Sanierung der Alten Physik plane. „Aber auch hier ist die Hochschule derzeit nicht in der Lage, das aus eigener Kraft zu schaffen.“ Schnittler will nicht aufgeben. Er wolle alles versuchen, um über Stiftungen, Institutionen und Spenden Geld für die Rekonstruktion zu bekommen.

Die Denkmale
Die historischen Gewächshäuser wurde mit genieteten Eisenkonstruktion gebaut. Das war Ende des 19. Jahrhunderts häufiger der Fall. Das vielleicht berühmteste Beispiel ist der Pariser Eiffelturm. Im Greifswalder Fall sind sogar noch historische Heizkörper vorhanden.
Die Universität hat sich in der jüngeren Vergangenheit schon von mehreren ihrer historisch wertvollen Gebäuden durch Verkauf oder Erbbaurechtsvergabe getrennt, weil sie sich nicht zum Erhalt in der Lage sah. Dazu gehören das frühere Gesellschaftshaus „Zum Greif“, Stralsunder Straße 10, der frühere Sitz des Allgemeinen Studierendenausschusses, Domstraße 12, und die ehemalige Schule, Wollweberstraße 4.



Eckhard Oberdörfer

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