Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Handwerk und Gastronomie suchen Personal
Vorpommern Greifswald Handwerk und Gastronomie suchen Personal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:18 31.01.2019
Viele Unternehmen suchen Arbeitskräfte, Mangel herrscht bereits in vielen Hotels und Gastronomiebetrieben. Auf der Jobbex im Januar berichtete das Berufsbildungswerk Greifswald über Ausbildungsmöglichkeiten. Quelle: Christin Lachmann
Anzeige
Vorpommern-Greifswald

Jede Medaille hat zwei Seiten: Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist im Januar um 1247 Personen gestiegen. Keine gute Nachricht. Für die kalte Jahreszeit aber normal. Den positiven Trend sieht Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur Greifswald, dennoch nicht gefährdet. Ganz im Gegenteil: „Im Vergleich zum Januar 2018 ist die Arbeitslosigkeit um 1217 Personen gesunken. Die Richtung stimmt also“, sagt er.

Aktuell seien 11908 Menschen auf der Suche nach einer bezahlten Beschäftigung. Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht die Entwicklung: 2013 waren in Vorpommern-Greifswald noch über 20000 Menschen ohne Job. Die Erwerbslosenquote liege aktuell bei 10,3 Prozent, vor einem Jahr waren es 11,2. „Weitaus ehrlicher ist es allerdings, sich die Unterbeschäftigung in der Statistik anzuschauen, denn sie erfasst mit insgesamt 16620 Personen neben den Arbeitslosen auch Ein-Euro-Jobber und Menschen in Weiterbildungsmaßnahmen“, verdeutlicht Miraß. Die Unterbeschäftigungsquote betrage 13,1 Prozent. Doch auch hier stimme der Trend: im Januar 2018 habe sie mit 14,2 Prozent deutlich höher gelegen.

Fachkräftemangel bald in den Verwaltungen

Viele Zahlen, nur was steckt dahinter? „Wir registrieren im Agenturbezirk, dass die Unternehmen weniger Leute entlassen, sie halten ihre Arbeitnehmer länger. Kurzzeitige Beschäftigungsverhältnisse werden seltener. Es herrscht mehr Stabilität auf dem Markt“, sagt Miraß. Denn wer den Fachkräftemangel bislang noch nicht spürte, bekomme langsam eine Ahnung davon: „Handwerk, Handel, Gastronomie und Pflege sind die Branchen, in denen heute schon viele Arbeitskräfte fehlen. Doch es kommen weitere Bereiche hinzu“, blickt der Agenturchef voraus. Allein die öffentliche Verwaltung werde in den nächsten zehn Jahren ein Drittel bis die Hälfte der Mitarbeiter verlieren, weil sie in den Ruhestand eintreten. „In der Landkreisverwaltung betrifft das etwa 450 Leute, in der Hansestadt Greifswald 300“, sagt Miraß. Auch die Arbeitsagentur und die beiden Jobcenter bekämen diese Entwicklung zu spüren. „Wobei wir das in unserem Haus mit den Azubis und Studierenden kompensieren können“, ist Miraß überzeugt. Heißt: Ob Kommunalverwaltungen, Krankenkassen, Rentenversicherer ... alle seien gefordert, jungen Leuten attraktive Ausbildungsmöglichkeiten zu offerieren.

Über 2000 offene Arbeitsstellen

Aktuell gebe es in Vorpommern-Greifswald laut Statistik 2062 offene Stellen. „Die tatsächliche Zahl liegt jedoch höher“, so Miraß, „denn viele Firmen melden sich schon gar nicht mehr. Allein in der Altenpflege gibt es einen unglaublichen Bedarf, der in den letzten vier Jahren um jeweils fünf Prozent gestiegen ist. In der Summe also um 20 Prozent“, rechnet der Diplomvolkswirt vor. So plane ein Unternehmen zum Beispiel im Sommer die Eröffnung einer Intensivpflege in Eggesin und wolle 50 Mitarbeiter einstellen.

Darüber hinaus suchten aber auch viele andere Branchen nach guten Leuten. „Die Eisengießerei in Torgelow etwa braucht für ihren neuen Großauftrag über Rotornarben zehn bis 20 Mitarbeiter für die Produktion“, berichtet Heiko Miraß. Eine Holzbaufirma habe sich in Pasewalk angesiedelt, halte deshalb nach Tischlern und weiteren Fachkräften Ausschau. Von Handelsunternehmen, Gaststätten und Hotellerie ganz zu schweigen. Laut Januar-Report gibt es allein in diesem Segment 425 offene Stellen.

„Der Arbeitsmarkt in Anklam hat sich gut entwickelt. Die rote Laterne hat mit einer Erwerbslosenquote von 13,4 Prozent Pasewalk übernommen.“ Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur Greifswald Quelle: Petra Hase

„Deshalb sind Handwerk, Handel und Gastronomie sowie der Pflegebereich auch unsere Schwerpunkte in der beruflichen Weiterbildung“, erklärt der Agenturchef. Die Maßnahmen zeigten: Wer bereit sei, sich nochmal auf die Schulbank zu setzen, habe mittel- und langfristig bessere Karten und letztlich mehr Geld im Portmonee. Die Quote derer, die nach einer Bildungsmaßnahme einen Job bekamen, liege bei über 70 Prozent. Im vorigen Jahr stellten sich im Landkreis immerhin 780 Menschen dieser Herausforderung. „Für die Fortbildung haben wir insgesamt 3,88 Millionen Euro ausgegeben“, bemerkt Miraß. Damit liege der Agenturbezirk nahezu im Plan und stehe weitaus besser da als im bundesweiten Vergleich, wo Mittel nicht abgerufen worden seien.

Anklam gibt rote Laterne ab

Besonders freut Heiko Miraß, welche Entwicklung Anklam nehme. Mit 12,7 Prozent sei die Arbeitslosenquote in der Lilienthalstadt zwar vergleichsweise hoch; die Hansestadt Greifswald liege aktuell bei 8,4, Wolgast bei 10,8 Prozent. „Doch mit Blick auf den Vorjahresmonat hat Anklam am meisten Arbeitslose abgebaut. Die rote Laterne hat mit einer Quote von 13,4 Prozent Pasewalk übernommen.“ Woran das liege, sei schwer zu sagen. „Das Callcenter läuft gut, die Ansiedlung des Reifenherstellers Continental wirkt sich positiv aus. Aber am Ende sind es viele kleine Bausteine, die dazu führten“, sagt der Agenturchef.

Petra Hase

Die Hansestadt will mehrere hunderttausend Euro von der Wohnungsgenossenschaft Greifswald. Der Fall hat eine historische Dimension. Er ist Teil des Baubecon-Skandals, der die Stadt ab 2010 erschütterte.

31.01.2019

Ein großes Fischsterben beschäftigt Polizei und Verwaltungsbehörden in Wolgast. Am Mittwochabend wurden erste Kadaver im Stadthafen gesichtet. Am Donnerstag schwammen dann Tausende Fische kieloben.

31.01.2019

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Vorpommern-Greifswald beträgt derzeit 10,3 Prozent. Auf der Insel Usedom gibt es die größten Schwanken zwischen Sommer und Winter.

31.01.2019