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Greifswald Von New York nach Greifswald: So kamen die Feininger in die alte Heimat
Vorpommern Greifswald Von New York nach Greifswald: So kamen die Feininger in die alte Heimat
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16:19 25.10.2019
Birte Frenssen, Kunsthistorikerin des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald, zeigt eine Bleistiftzeichnung von Lyonel Feininger mit dem Titel „Rostocker Tor in Ribnitz“ (1905). Quelle: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
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Greifswald

Der Maler Lyonel Feininger würde sagen: „Das ist ein Match!“ – Birte Frenssen, Kuratorin im Pommerschen Landesmuseum ist überzeugt, dass sich der 1956 in New York verstorbene Künstler über diesen Kunsttransfer gefreut hätte: Mehr als einhundert Jahre nach ihrer Entstehung kehrten 30 Zeichnungen des weltbekannten deutsch-amerikanischen Malers nach Pommern und somit an den Herkunftsort zurück.

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung erwarb für das Pommersche Landesmuseum in Greifswald die Arbeiten mit Ostseeküstenmotiven von der New Yorker Galerie Moeller Fine Art, die nicht nur Kunstwerke verkauft, sondern auch den Nachlass Feiningers (1871-1956) verwaltet.

Bestand sollte Konvolut bleiben

„Das ist eine Sternstunde für jedes Museum. Wir können damit unseren Bestand an Feininger-Werken um 100 Prozent erhöhen“, freut sich Museumsdirektor Uwe Schröder am Freitag bei der Vorstellung der Arbeiten. Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, führte höchstpersönlich in New York die Verhandlungen mit Achim Moeller, Gründer und Direktor von Moeller Fine Art und des Lyonel Feininger Project.

Moeller sei es wichtig gewesen, dass das Konvolut nicht auseinandergerissen werde, so Rauch. Der Einzelverkauf jeder Zeichnung hätte der Galerie wesentlich mehr Geld gebracht als der Verkauf in einem Konvolut. Über den Kaufpreis, den die Sparkassenstiftung zahlte, schweigt Rauch. Das Museum erhält die Werke als Dauerleihgabe.

Nun finden die Arbeiten, die die Benzer Kirche auf der Insel Usedom oder auch eines seiner Schlüsselmotive, „Das Rostocker Tor“ in Ribnitz zeigen, in der alten Heimat ein neues würdiges Zuhause. „Mal ganz kindlich, mal kubistisch, mal ganz nahe an der Natur“ beschreibt die Kunstexpertin Frenssen die Handschrift der Zeichnungen.

„Vor der Natur zu malen, brachte Feininger nicht weiter. Er war ein Maler, der den Abstand von der Natur brauchte, um gestalten zu können.“ Feininger machte Notizen, in denen er Stimmungen festgehalten habe. Dann habe er aber den Erinnerungsabstand benötigt, um malen zu können. Frenssen macht einen kleinen gedanklichen Schlenker zum aus Greifswald stammenden Caspar David Friedrich (1774-1840), der ähnlich wie Feininger im Atelier seine Naturlandschaften erschuf und man erahnt, dass hier schon ein neues großes Ausstellungsprojekt gedanklich vorbereitet wird.

Perfekte Erweiterung des Feininger-Bestandes

Feininger, der 1871 in New York geboren wurde, und als 16-jähriger nach Deutschland kam, besuchte 1892 erstmals die Insel Rügen und damit die Ostseeküste. Im Jahr 1905 lernte er in Graal (Graal-Müritz) seine spätere Frau Julia lieben. In jenem Jahr entstand auch die nun in Greifswald beheimatete Bleistiftzeichnung vom Rostocker Tor in Ribnitz, das sich als Motiv „The Gate“ durch das spätere Werk Feiningers zieht. „Für ihn und seine Frau Julia bleibt Ribnitz für immer die Märchenstadt“, sagt Frenssen.

Für das Pommersche Landesmuseum stellt die Dauerleihgabe nicht nur eine Verdopplung, sondern auch eine perfekte Ergänzung des Feininger-Bestandes dar. Bislang hütet das Museum 32 Feininger-Zeichnungen mit Motiven aus Hinterpommern. „Jetzt kommen Werke mit Motiven aus Heringsdorf, Benz und Ribnitz dazu. Das ist eine Breite, die wir bislang nicht darstellen konnten“, sagt Frenssen. Dass die Werke im Bauhaus-Jahr 2019 nach Greifswald kamen, ist eine weitere Fügung. Vor 100 Jahren war Feininger als einer der ersten Meister ins Bauhaus in Weimar berufen worden.

Pommern als Sehnsuchtsort

Pommern als Raum für künstlerische Inspiration: Das Pommersche Landesmuseum richtete mit seinen jüngsten Ausstellungen zu den Romantikern im Norden und zu den Expressionisten am Meer den Fokus auf diese Region als Sehnsuchtsort, die mit ihrem Licht und ihrer Weite Quelle unterschiedlichen künstlerischen Schaffens wurde. Auch Feininger inspirierte die Landschaft, auf die er sich nach seiner Emigration aus Deutschland im Jahr 1937 immer wieder bezog und deren Landschaft er zutiefst verinnerlicht hatte.

Für Friedrich-Wilhelm von Rauch tragen die Werke dazu bei, die Kenntlichkeit Pommerns in der Kunstlandschaft zu erhöhen. „Die Zeichnungen sind ein Spiegel Mecklenburg-Vorpommerns im Werk eines Künstlers von Weltrang.“

Feininger-Ausstellung im April 2020

Feininger in Pommern“ – Das Pommersche Landesmuseum will ab April 2020 seinen gesamten Bestand an Feininger-Werken sowie ergänzende Leihgaben in einer Sonderausstellung präsentieren. Wegen der Lichtempfindlichkeit der Zeichnungen wird die Ausstellung auf drei Monate begrenzt. Die Werke sollen im Erdgeschoss der Gemäldegalerie gezeigt werden und schließen sich damit der erfolgreichen Ausstellung mit Fotografien von Peter Binder an, die bislang von etwa 3300 Gästen besucht wurde.

Die Erweiterung der Gemäldegalerie zur „Galerie der Romantik“ könnte dann frühestens im Herbst des kommenden Jahres beginnen. Museumsdirektor Uwe Schröder zeigte sich zuversichtlich, dass bis Januar die Nachfinanzierung für den geplanten Umbau gesichert ist. Der Bund sicherte im Jahr 2016 fünf Millionen Euro für die Galerie der Romantik zu, mit der vor allem der in Greifswald geborene Maler Caspar David Friedrich (1774-1840) in den Fokus gerückt werden soll. Seit der Finanzierungszusage ist der Baupreisindex jährlich um etwa sechs Prozent gestiegen.

 

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