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Greifswald Von der Idee zum Film: Der Mann hinter der Kamera
Vorpommern Greifswald Von der Idee zum Film: Der Mann hinter der Kamera
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16:32 28.08.2019
Die Kamera wird bereit gemacht für Zeitrafferaufnahmen auf dem Gelände Quelle: Stefanie Ploch
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Greifswald

Ein letzter Blick in den vollen Kofferraum: „Alles da“, stellt der Mann mit den langen Haaren zufrieden fest. Als es dunkel wird, macht sich der Greifswalder auf den Weg zu einer Party nach Tessin – aber nicht, um zur Musik der 90er Jahre zu tanzen. Sein Auto ist voll beladen mit Kameras, Stativen und einer Drohne für Flugaufnahmen. Marten Kählert hat einen anderen Blick auf die Veranstaltung: Einen Blick durch die Linse. Er ist der Mann hinter der Videokamera und begleitet die Party für einen Imagefilm. „Privat höre ich eher selten solche Musik“, sagt er lachend.

Das Gelände ist fast menschenleer, als Kählert am Drehort ankommt. Aus den Boxen beim Soundcheck dröhnt „Heute Abend hab ich Kopfweh“ von Ireen Sheer, als der Veranstalter noch letzte Wünsche äußert. Marten Kählert packt sein Equipment aus, der Himmel klart nach einem Regenschauer wieder auf. „Das ist das perfekte Wetter für Aufnahmen“, sagt Kählert. „Die Lichtverhältnisse sind bei einer Wolkendecke optimal – keine starken Schatten oder Gegenlicht durch die Sonne.“ Schnurstracks macht er seine Drohne startklar, die grün blinkend in die Lüfte abhebt. Mit dem Smartphone steuert er die fliegende Kamera.

Auf einer Höhe von 71 Metern und knappen 200 Metern Entfernung drückt er den Aufnahmeknopf am Telefon und lässt die Drohne in Richtung Bühne fliegen, aus dessen Richtung „Wannabe“ von den Spice Girls läuft. „Aus dieser Perspektive kann man das Gelände gut sehen – dass die Party an einem See im Grünen stattfindet beispielsweise“, erklärt er. Nach einigen Aufnahmen und 20 Minuten später landet die Drohne wieder sicher auf dem Boden. „Das ist schon meine zweite Drohne“, erklärt Kählert. „Die vorherige ist im Wasser gelandet und war dann kaputt. Es ist schon eine Kunst, damit richtig umgehen zu können.“

Marten Kählert hat sich Anfang des Jahres selbstständig gemacht und dreht seitdem Hochzeitsvideos, Musikvideos oder Werbung für Produkte. Zum Filmen kam der 31-Jährige durch seinen YouTube-Kanal. YouTube ist eine Videoplattform im Internet. „Nachdem sich meine Band aufgelöst hat, suchte ich ein neues Hobby“, erklärt er. „Ich habe mir den Umgang mit den Kameras und das Bearbeiten der Videos selbst beigebracht.“

Sein Anspruch an die produzierten Filme: die Momente in ihrer Einzigartigkeit abbilden. „Ich habe einen eher amerikanischen, modernen Stil. Meine Videos sollen aussehen wie ein Kinofilm und nicht wie bei GZSZ.“ Das funktioniere bei Hochzeitsvideos besser als bei Partyaufnahmen. Bei YouTube könne er sich neue Sachen beibringen und experimentieren, um sie dann auch beim Kunden sicher anwenden zu können. „Bei Aufträgen muss alles sitzen. Oft habe ich nur eine Aufnahme, die muss perfekt sein. Das Ring anstecken auf einer Hochzeit beispielsweise soll ja nicht geschauspielert werden“, sagt er. Dafür stelle er dann mehrere Kameras in verschiedenen Ecken des Raumes auf.

Mit dem Regen heißt es warten

Die Flugkamera wird mit dem Smartphone gesteuert. Auf dem Handybildschirm sieht Marten Kählert, wie die Aufnahme aussehen wird. Quelle: Stefanie Ploch

Auch in Tessin kommen mehrere Kameras zum Einsatz. Nachdem die Drohnenaufnahmen im Kasten sind, stellt er eine Kamera in die andere Ecke des Geländes auf – für eine Zeitrafferaufnahme, wie sich die Tanzfläche füllt. Eine Gruppe Jugendlicher setzt sich kurze Zeit später auf eine Bank vor der Kamera. Ein prüfender Blick des Kameramannes gleitet über die Wiese. Zielstrebig geht er zum Aufnahmegerät und stellt es in die andere Ecke. „So kann ich sicher sein, dass ich den Zeitraffer dann auch wirklich nutzen kann“, sagt er.

Nach weiteren Aufnahmen der Bühne und des Logos der Veranstalter fängt es an zu regnen. „Aber nun heißt es ohnehin warten, dass die Leute in Tanzstimmung kommen“, sagt Kählert und steigt ins trockene Auto, während „Rhythm Is A Dancer“ von Snap! von der Bühne schallt.

Das Schneiden des Videos nehme anschließend viel Zeit in Anspruch. Zunächst sucht sich der Greifswalder die Musik. Passend darauf schneidet er dann die Szenen zusammen. „Und danach müssen die Farben des Videos so angepasst werden, dass alles einheitlich aussieht“, erklärt er. Da er mit mehreren Kameras arbeitet, sehen die Ergebnisse unterschiedlich aus.

Auch, wenn sich das Licht verändert und es dunkel wird – es muss aussehen, als gäbe es keinen großen Unterschied. „Mit der Farbgestaltung könnte ich mich tagelang beschäftigen“, sagt Kählert. „Der Schnitt der Videos dauert zwischen fünf Stunden und einer Woche, je nach Wunsch des Kunden und wie umfangreich mein Material ist.“ Die entstandenen Videos sind dann zwischen zwei und sieben Minuten lang.

Auch das Video von der 90er-Party wird etwas mehr als zwei Minuten lang werden. Es ist inzwischen 23 Uhr, die Tessiner tanzen ausgelassen bei Regen zu „Verdammt, ich lieb´dich“. Die Zeitrafferaufnahmen sind fertig. „Zum Glück ist die Kamera wasserdicht“, schmunzelt der Kameramann, der noch im trockenen Auto sitzt.

Doch nun muss er auch ins kühle Nass – die Aufnahmen müssen gemacht werden. Hinter der Bühne baut er ein Stativ auf, in dem die Kamera baumelt. Mit beiden Händen hält der die Kamera in die Höhe, stattliche zehn Kilo wiegt die Apparatur. Zunächst filmt er den DJ auf der Bühne, stellt sich vor ihm, um die Feiernden zu filmen und macht Nahaufnahmen vom DJ-Pult. Ein Blick aufs Regenradar verrät, dass sich Marten Kählert gleich vor die Bühne wagen kann.

„Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?“

Die Tanzenden werfen sich vor die Kamera. „Perfekt, so brauche ich das“, sagt der Kameramann. Quelle: Stefanie Ploch

Etwa zehn Minuten später mischt er sich unter die Tanzwütigen, die sich Macarena-tanzend vor die Kamera werfen und Grimassen ziehen. „Das ist super, so brauche ich das“, freut sich der junge Mann hinter der Kamera. Und auch der DJ spielt ihm laut grölend zu: „Seht ihr die Kamera? Zeigt ihm mal, wie gut ihr drauf seid! Wo sind eure Hände?“

Die Feiernden rasten zu Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ aus, Kählerts Blick ist jedoch stets auf die Kamera gerichtet. Konzentriert sucht er die nächsten Szenen, die besten Spots zum Filmen. Noch einmal ein Kamerawechsel, das Stativ ist auf Dauer zu schwer. „Nun muss alles schnell gehen“, ruft er und läuft noch einmal in die Menschenmenge, die zu „Cotten Eye Joe“ tanzt.

Plötzlich geht er hinter die Bühne und sagt: „Das war´s. Die Leute werden langsam zu betrunken.“ Die Feiernden sehen müde aus, der Boden ist voller Plastikbecher, das möchte man in einem solchen Videoclip nicht sehen, erklärt er. „Ich war selbst zehn Jahre in der Veranstaltungsbranche tätig. Ich weiß, was die Leute sehen wollen.“

Gegen zwei Uhr in der Nacht packt er schließlich seine Kameras, Stative und Objektive wieder zusammen und fährt nach Hause. „Morgen muss ich dann meine Objektive und Kameras putzen und die Daten auf dem PC und auf Servern sichern, bevor es an das Schneiden geht“, erklärt er das weitere Vorgehen. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit – Zeit zum Schlafen und den Ohrwurm von Britney Spears los zu werden.

Von Stefanie Ploch

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