Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Vorpommern-Greifswald: Feiert die „Mütterberatung“ ein Comeback im Landkreis?
Vorpommern Greifswald Vorpommern-Greifswald: Feiert die „Mütterberatung“ ein Comeback im Landkreis?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:17 25.08.2019
Die erste Zeit ist für junge Familien mit vielen Fragen verbunden. Die Familien-Krankenschwester kann helfen. Quelle: dpa
Anzeige
Greifswald

Bislang ist Sybille Wilhelm als Familien-Krankenschwester noch als Einzelkämpferin im östlichen Vorpommern unterwegs. Geht es nach dem Willen des Jugendhilfeausschusses des Kreises, soll sich das aber künftig ändern. Gemeinsam mit der lange diskutierten Jugendhilfeplanung des Kreises (Hilfen zur Erziehung) ist vom Ausschuss auch die Anstellung weiterer Familienkrankenschwestern gefordert worden.

Beratung, Hilfe und Übersicht

Doch was macht eine Familien-Krankenschwester? „Eigentlich kann man das mit der früheren Mütterberatung in der DDR vergleichen“, erzählt die gelernte Kinderkrankenschwester Sybille Wilhelm. „Es handelt sich hierbei um ein Angebot für frischgebackene Eltern. Ich komme zu den Menschen nach Hause und schaue, ob eventuell Hilfe benötigt wird.“ Das Angebot werde ausgesprochen gut angenommen, die Berührungsängste seien gering. „Es ist eben doch etwas ganz anderes, wenn eine Krankenschwester vor der Tür steht als ein Sozialarbeiter“, beschreibt die 53-Jährige. „Dazu sind die Gespräche vertraulich. Ich bin dazu da, Hilfe anzubieten.“

Familienkrankenschwester Sibylle Wilhelm Quelle: Archiv

Fragen vom Babybrei bis zum Schreikind

Die Probleme und Fragen, mit denen Sibylle Wilhelm konfrontiert wird, sind enorm vielfältig und reichen vom richtig temperierten Babybrei, über die Reaktion des Geschwisterkindes bis hin zum Antrag auf Elterngeld. „Ich könnte Bücher schreiben“, sagt sie. „Was allerdings sehr häufig vorkommt, sind die Themen Schlafen, Ernährung und Schreien.“ Als Konkurrenz zu den Hebammen sieht sie sich nicht, eher als Ergänzung. Die Frage nach einer Patentlösung fürs problemlose Durchschlafen des Kleinkindes muss Wilhelm übrigens verneinen. „Geduld hilft oft weiter“, sagt die Mutter von fünf Kindern. „Ansonsten muss man individuell schauen und natürlich erstmal klären: Warum schreit das Kind? Hat es Hunger, sucht es Kontakt?“

In schweren Fällen muss das Jugendamt ran

Der Besuch bei den jungen Familien hat aber auch den Sinn, zu schauen, ob „alles in Ordnung ist“. „Wenn ich sehe, da stimmt etwas nicht bei der Familie, kann ich intervenieren und Hilfe anbieten“, so Sibylle Wilhelm. „Das ist gute Prävention. Bei Überforderung soll nicht erst etwas passieren müssen, damit man aufmerksam wird.“ Es gibt aber auch Fälle, bei denen es mit Hilfsangeboten nicht mehr getan ist. „Kindeswohlgefährdung“ ist hier das Stichwort. „Solche Fälle sehe ich – ein Glück – eher selten“, beschreibt Wilhelm. „Aber es gibt sie. Dann schalte ich das Jugendamt ein.“

Im Landkreis sind die Zahlen der Meldungen von Kindeswohlverstößen (zum Beispiel von Angehörigen oder Nachbarn) in den vergangenen Jahren rapide angestiegen. Waren es 2016 noch 637 Meldungen, waren es 2018 bereits 966 Fälle und in diesem August sei man bereits bei 728 Meldungen für das laufende Jahr. Zwar hätten sich laut der Statistik nur acht Prozent der angezeigten Fälle als wirkliche Kindeswohlgefährdung herausgestellt, in immerhin rund zehn Prozent der Fälle handelte es sich um latente Kindeswohlgefährdung, in 45 Prozent der Fälle zeigte sich zwar keine Gefährdung, aber ein Hilfebedarf.

Ein Besuch für jede Familie wäre ideal

„Ich würde mir wünschen, dass wir jede Familie im Landkreis, die ein Kind bekommen hat, einmal besuchen können“, sagt Wilhelm. „Das könnte viele Probleme lösen.“ Personell kann Sibylle Wilhelm davon nur träumen, sie ist für gerade einmal 10 Stunden in der Woche als Familien-Kinderkrankenschwester beschäftigt, die restlichen 30 Stunden ihrer Stelle arbeitet sie im amtsärztlichen Bereich. „80 Prozent der Klientel kommen mittlerweile über Empfehlungen und Anfragen“, erzählt Sibylle Wilhelm. „Also wenn mich zum Beispiel eine Frauenärztin bittet, bei einer Familie mal nachzusehen. Dann schreibe ich die Familie an und komme vorbei.“ Dabei sind den Besuchen aber klare Grenzen gesetzt. Bislang gibt es nur im Bereich Altkreis Ostvorpommern (vor allem Anklam, Anklam-Land, Usedom, Wolgast), die Möglichkeit, sich von der Familien-Kinderkrankenschwester besuchen zu lassen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Verstärkung bekommen würde“, so Wilhelm. Es sei ein schöner Beruf. „Vorhin war ich bei einer jungen Familie, bei der ich einfach nur gedacht habe: Wow. Was für eine tolle Mutter, was für ein tolles Kind.“

Drei Stellen im Landkreis gefordert

Wie es jetzt mit der möglichen Unterstützung durch weitere Familienkrankenschwestern weitergeht, liegt in den Händen der Kreistagsmitglieder. Die Kreisverwaltung soll beauftragt werden, zu prüfen, ob die notwendigen Voraussetzungen für die Stellen vorhanden sind. „Vorgeschlagen wird je eine Stelle pro Landkreisstandort, also eine in Anklam, eine in Pasewalk und eine in Greifswald“, sagt Mandy Rambow, Jugendhilfeplanerin des Landkreises. „Angedacht sind 30-Stunden-Stellen, die im Gesundheitsamt angesiedelt werden.“ Die nächste Sitzung des Kreistags findet am 9. September statt.

Familien-Krankenschwester

Familien-Krankenschwestern betreuen Mütter und Väter in schwierigen sozialen und psychosozialen Lebenssituationen mit dem Ziel, frühzeitig Hilfe anzubieten. Die Betreuung der jungen Familien und der Säuglinge findet im Rahmen von Hausbesuchen der Familien statt. Die Schwestern stehen den Eltern mit Rat und Tat zur Seite, etwa bei den Themen Ernährung und Pflege des Säuglings, Belastungssituationen und Formularen. Bislang ist die Krankenschwester des Kreises nur im Raum Anklam und Anklam-Land unterwegs. Die Kontaktaufnahme durch die Familien-Kinderkrankenschwester Vorpommern geschieht im Krankenhaus. Junge Eltern können sich natürlich auch von sich aus an die Kinderkrankenschwester wenden. Anfrage unter: 0 38 34 / 87 60 24 71 oder Sibylle.wilhelm@kreis-vg.de. Auch eine telefonische Beratung ist möglich.

Lesen Sie weiter:

Treffpunkt Babycafé

Von Anne Ziebarth

Bei „Wasted in Jarmen“ geht mit der Politpunkband „Feine Sahne Fischfilet“ am kommenden Wochenende wieder die Post ab. Mittendrin die Fischer aus Greifswald-Wieck.

24.08.2019

Eine weitere Hürde zum Umbau des Hanserings ist genommen. Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) übergab am Freitag einen millionenschweren Zustimmungsbescheid für den Neubau der Spundwand an der Altstadtseite des Museumshafens.

24.08.2019

Grund zum Feiern in der neuen Kita Zwergenland des kommunalen Eigenbetriebs „Hanse-Kinder“: Der Rohbau steht. Bis zum April nächsten Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Kinder sollen dann nach einem anderen Konzept betreut werden.

24.08.2019