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Greifswald Vorpommern-Greifswald: Will die CDU Dirk Scheer entmachten?
Vorpommern Greifswald Vorpommern-Greifswald: Will die CDU Dirk Scheer entmachten?
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08:35 27.06.2019
Landrat Michael Sack (CDU) und der parteilose Sozialdezernent Dirk Scheer. Quelle: Peter Binder
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Vorpommern-Greifswald

Acht Monate vor dem Ende der regulären Amtszeit von Dirk Scheer, parteiloser Sozialdezernent in Vorpommern-Greifswald und einer von drei Beigeordneten des Landrats Michael Sack (CDU), hat der Kreistag grünes Licht für eine neue Struktur der Kreisverwaltung gegeben. Sie soll bereits ab Juli gelten. Klingt harmlos. Hat aber zumindest für Bündnis 90/Die Grünen Geschmäckle. „Denn hier sollen noch kurz vor der Neuwahl des Beigeordneten prestige- und öffentlichkeitswirksame Arbeitsbereiche in andere, CDU-geführte Dezernate verschoben werden“, wettert Fraktionschefin Ulrike Berger.

Was im Dezernat 2 bleibe, dem derzeitigen Verantwortungsbereich von Scheer, „bietet wenig eigenen Gestaltungsspielraum für einen Dezernenten, ist stattdessen mit intensiver Arbeit verbunden“, urteilt sie. Und schon munkelt man in Politikerkreisen hinter vorgehaltener Hand, dass Dirk Scheer – im vorigen Jahr unterlegener Mitbewerber im Landratswahlkampf – wohl wenig Chancen auf eine Verlängerung seiner Amtszeit habe. Alle anderen Spitzenpositionen liegen schon jetzt in der Hand von CDU-Leuten: Neben Sack agiert Jörg Hasselmann als erster Vizelandrat. Er leitet das Dezernat 3 mit den Themen Kreisentwicklung, Bauen und Umwelt bereits in dritter Amtsperiode, mittlerweile über 15 Jahre, und wurde erst im April 2018 wiedergewählt. Auch der zweite Vizelandrat Dietger Wille, der das Dezernat 1 mit den Zentralen Diensten, Finanzen und Bildung führt, gehört der CDU an. Er wechselte 2016 von der Greifswalder Stadtverwaltung zum Kreis. Und erneut nehmen die Christdemokraten in der neuen Legislatur ebenso das höchste Amt im Kreistag ein: Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih, mit großer Mehrheit auf der konstituierenden Sitzung zur Präsidentin gewählt, tritt die Nachfolge von CDU-Mann Arno Karp an. Das funktionierte nur, weil sie im Mai in die Partei eintrat.

Bewerbungsfrist fürBeigeordneten-Wahl Ende Juli

Scheer ohne Parteibuch bildet somit die rühmliche Ausnahme. Seine Amtszeit endet zwar erst am 29. Februar 2020, doch Interessenten für seinen Stuhl müssen sich sputen: Die Bewerbungsfrist endet am 26. Juli. Auf der Kreistagssitzung mit der Frage konfrontiert, ob er es denn noch einmal versuchen wolle, antwortete er wohlformuliert: „Nach jetzigem Stand werde ich mich wieder bewerben.“

Für Ulrike Berger klang das wenig überzeugend. Und in der Tat scheint Scheer zumindest nicht gerade glücklich über den Entzug von Verantwortung in seinem Dezernat. Aber nichts anderes hat die von Michael Sack initiierte Strukturveränderung erst einmal zur Folge. Fakt ist: Das Ordnungsamt mit der Ausländerbehörde und dem Brand- und Katastrophenschutz sowie der Eigenbetrieb Rettungsdienst mit der integrierten Leitstelle, bislang Scheer unterstellt, wandert in den Verantwortungsbereich von Dietger Wille. Dasselbe betrifft den Bereich Sport, der zum Amt für Kultur, Bildung und Schulverwaltung wechselt, das bereits bei Wille verankert war. Eine der weiteren Änderungen, die auch durchaus für hilfesuchende Bürger relevant ist: Jugend- und Sozialamt werden wieder getrennt und bilden künftig zwei eigenständige Ämter in Scheers Bereich. Die Stelle des Sozialamtsleiters wurde bereits intern ausgeschrieben. Es gab zwei Bewerber. Das Rennen machte Kathrin Potratz-Scheiba, bislang Leader-Regionalmanagerin für die „Flusslandschaft Peenetal“. Der Kreistag hat sie am Montagabend in nichtöffentlicher Sitzung zur Amtsleiterin bestellt und damit weitere Fakten geschaffen.

Zehn Prozent des Personals wechselt Dezernat

Landrat Michael Sack begründete diese und andere Veränderungen damit, die Einheiten künftig gleichmäßiger unter den Führungskräften aufzuteilen. Das Sozialdezernat habe schon jetzt ein erhebliches Aufgabenspektrum. „Mit dem Bundesteilhabegesetz wird ab Januar 2020 noch ein großer Zuwachs an Aufgaben erfolgen“, argumentiert er. Auch die Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdung seien stetig ansteigend, erforderten ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Kraft. Mit der neuen Aufgabenverteilung würden mehr als zehn Prozent der rund 900 Dienstposten das Dezernat wechseln. Die Personalstellen, aber auch die Haushaltsmittel seien künftig gleichmäßiger verteilt, so Sack.

Landrat Michael Sack und Dezernent Dietger Wille (beide CDU) in trauter Einigkeit beim jüngsten Feuerwehr-Kreisausscheid von Vorpommern-Greifswald. Quelle: Christopher Niemann

Der SPD im Kreistag ging die Änderung zu schnell. Günter Jikeli beantragte daher für seine Fraktion, die Strukturveränderung zu vertagen und sie gemeinsam mit einem neuen, von der Verwaltung erarbeiteten Personalentwicklungskonzept zu beraten. „Denn bis 2028 gehen immerhin 400 Mitarbeiter der Kreisverwaltung in den Ruhestand“, gab er zu bedenken. Eine Mehrheit gab es dafür nicht, der Antrag wurde abgelehnt, der Verwaltungsvorschlag hingegen beschlossen.

Dirk Scheer wollte die Verkleinerung seines Dezernats auf OZ-Anfrage nicht kommentieren. Nur so viel: „Ich habe mich immer sehr gern um die Bereiche Rettungsdienst, Brandschutz oder Katastrophenschutz gekümmert. Wir haben vieles gemeinsam auf den Weg gebracht.“

Petra Hase

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