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Greifswald Vorpommern: Innovationen aus der Box
Vorpommern Greifswald Vorpommern: Innovationen aus der Box
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07:15 10.07.2019
Wolfgang Blank (Witeno) vor der zum kleinen Büro umgebauten Telefonzelle "Match.Box." Mit der Telefonzelle geht es im Sommer auf Tour, um auf die neuen Projekte zwischen Kreativwirtschaft und Technologie aufmerksam zu machen. Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

 Noch steht die leuchtend grüne Telefonzelle im Foyer des Technologiezentrums Vorpommern in Greifswald, bald jedoch geht sie als eine Art Infomobil auf Reisen durch die Vorpommerschen Lande. Denn der zunächst etwas altertümlich anmutende Kasten ist nur äußerlich eine schnöde Telefonzelle, durch die Ausstattung wird er zum wohl kleinsten Co-Working Büro Deutschlands. Zwei Monitore, verstellbare Innenbeleuchtung, Anschlüsse für Computer sowie eine mit Moos verkleidete Decke für gutes Raumklima bieten gute Bedingungen für schallgeschütztes Arbeiten – wo auch immer.

Kreativwirtschaft plus Technologie ergibt Innovation

Die Telefonzelle geht gleichsam als Symbol auf Tour, als praktisches Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit aus der Kreativwirtschaft und Technologie. Genau darum geht es in „Match.Box“, einem Projekt von Wolfgang Blank vom Wissenschafts- und Technologiepark Nordost (Witeno), Textildesignerin Esther Holsten-Stühmer (Stühmer/Scholz Designbüro) und Martin Horst, der die Kreativagentur 13 Grad in Neubrandenburg leitet. „Anlass war ein Ideenwettbewerb des Landes. Wir wollten ein neues Format entwickeln, in dem wir im Zusammenhang mit Digitalisierung völlig neue Kombinationen der Zusammenarbeit von Branchen austesten“, beschreibt Wolfgang Blank. Passender kann der Projektname nicht gewählt sein: Match steht im englischen für „Paar“ oder „passender Treffer“, Box ist der Raum, in dem neue Projekte entstehen.

Dusche per Fingerstrich, Textilien sorgen für Licht

Kreative und Technologen, Handwerk und Digitalisierung – geht das praktisch zusammen? Und wie, ist Wolfgang Blank überzeugt. „Wir haben uns zunächst vier Branchen als Basis ausgesucht, bei denen wir ansetzen wollten. Das sind Handwerk, Gesundheit und Pflege, Verwaltung und Stadtentwicklung sowie Lebensmittel“, so Blank. „Dann haben wir überlegt, welche kreativen Partner dazu passen würden und haben vermittelt.“ In Workshops mit rund fünf bis acht Teilnehmern wurden gemeinsame Ideen entwickelt, verrückt, wild und –besonders wichtig - innovativ. „Ich glaube, das interdisziplinäre Prinzip ist zukunftsweisend“, sagt Esther Holsten-Stühmer. „Nichts ist zielführender und erfolgreicher bei der Entwicklung neuer Produkte, als wenn man alle mit im Boot hat.“ Holsten-Stühmer nennt ein Beispiel. „Ein Wecker für Senioren mit großen digitalen Ziffern ist eine gute Idee. Wenn aber ein Experte aus dem Bereich Pflege mit am Tisch sitzt und sagt, demente Menschen können sich besser an Uhrzeigern orientieren, muss man umdenken.“

Sensoren eröffnen neue Möglichkeiten

Die Chancen, die sich über Elemente wie Sensorik und Interaktivität für das Handwerk böten, seien riesig. „Es gibt bereits Duschen, die mithilfe von integrierten kleinen Mosaiksteinchen in der Wand gesteuert werden“, erzählt sie. „Vielleicht ja sogar Sofadecken, die je nach Ausbreitung und Bewegung die Beleuchtung des Raumes steuern und auf gemütliches Licht dimmen.“ Klingt verrückt? Wie erfolgreich solche Projekte sein können, zeigt das Hamburger Unternehmen Carpetlight, das textile Beleuchtungen für Filmproduktionen produziert. Das Designbüro Holsten-Stühmer war an der Entwicklung der „Leuchtmatten“ beteiligt, die Produkte waren unter anderem in den Serien „Babylon Berlin“ und „ Charité“ im Einsatz. „Es geht darum Vorbehalte abzubauen“, sagt sie. „Unser erstes Match mit der Hochschule Wismar und Handwerksbetrieben zum Thema Oberflächen und Sensoren startet nach den Semesterferien.“

Strandkorb per App freischalten

„Ob jetzt alles aus Match.Box zur Marktreife kommt und in einem eigenen StartUp-Unternehmen mündet, wird man sehen. Es geht ja erstmal um die Weiterentwicklung der Ideen“, so Blank bescheiden. „Ohne die Unterstützung des Landes wäre Match.Box nicht möglich gewesen.“ Dabei sind schon Projekte durch Match.Box initialisiert worden, die das Potenzial haben, richtig groß rauszukommen. Zum Beispiel die Idee „digitaler Strandkorb“ in Kooperation mit dem Hersteller Korbwerk auf Usedom. Gäste sollen künftig die Möglichkeit haben, „ihren“ Korb am Strand auszusuchen und dann per App auf dem Smartphone freizuschalten, ähnlich wie das bereits bei Leihfahrrädern funktioniert.

Computerspiel soll Verständnis wecken

Auch ein anderes Projekt klingt interessant. „Wie schenke ich meiner Stadt einen Baum?“ , ist ein Computerspiel, das für mehr Verständnis zwischen Verwaltung und Einwohnern sorgen soll. „Gemeinsam mit Mitarbeitern der Verwaltung Neubrandenburg, Stadtplanern und Spieleentwicklen haben wir uns überlegt, wie man die Situation verbessern kann“, so Martin Horst. „Oft hängt es an der Kommunikation und Aufklärung. Den Einwohnern ist gar nicht klar, wie komplex einzelne Vorgänge sind, die Verwaltung ärgert sich über Ungeduld.“ Der vermeintlich einfache Akt seiner Stadt einen Baum zu schenken, dauert zwischen einem halben und einem Jahr. Den langen Weg vom Antrag über die diversen Ämter und Prüfungen bis zum gepflanzten Baum kann man künftig über das Spiel nachvollziehen, dass es vielleicht sogar in einer analogen Variante geben wird. „Wir planen die Fertigstellung noch 2019“, so Horst.

Match.Box ist ein Schwergewicht

Über dieses und weitere Match.Box -Projekte kann man sich bei der geplanten Tour im Spätsommer informieren. Das genaue Routenprogramm steht noch nicht fest, zunächst steht für das Match.Box Team die Regionalkonferenz Digitalisierung im August an (Infokasten). Noch zeigt sich das grüne Maskottchen etwas sperrig. „Die Telefonzelle ist ein Relikt der Firma Hansecom und wiegt rund 300 Kilo“, erzählt Blank. „Der Transport wird wahrscheinlich nicht ganz einfach. Aber da fällt uns noch etwas ein.“ Nicht ausgeschlossen übrigens, dass es auch die Telefonzelle Match.box auf den Weg in die Marktreife schafft. „Man könnte sie ja mit ganz unterschiedlichen Modulen ausstatten“, überlegt Blank. „Vielleicht auch als mobile Arbeitsstation für den ländlichen Raum nutzen.“

Projekt Match.Box

Das Projekt Match.Box (MBX) wurde bereits 2018 beim Ideenwettbewerb der Kultur und Kreativwirtschaft ausgezeichnet, für 2019 gab es noch einmal eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 70 000 Euro vom Land.

Am 13. August findet in der Alten Mensa in Greifswald ab 15 Uhr die Regionalkonferenz „Digitale Impulse in der Region setzen“ statt. Zu Gast ist nicht nur Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD), sondern auch Mareike Donath von der Stabsstelle Digitalisierung, Landrat Michael Sack (CDU) und Wolfgang Blank (Witeno und Präsident IHK Neubrandenburg). Die Veranstaltung soll auch eine Plattform für den Ideenaustausch von Kreativen werden, die sich von der Digitalisierung angesprochen fühlen, aber noch keine konkreten Vorstellungen haben. Weitere Infos hier.

Anne Ziebarth

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