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Greifswald Vorpommern versinkt in Baumschulden
Vorpommern Greifswald Vorpommern versinkt in Baumschulden
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17:11 30.07.2019
Das Alter der Lindenallee bei Krummin auf der Insel Usedom wird auf rund hundert Jahre geschätzt. Quelle: Tilo Wallrodt
Greifswald

Ob zwischen Kasnevitz und Garz auf Rügen oder der B 111 und Krummin auf Usedom – beide Landkreise haben traumhafte Alleen, die sich bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen großer Beliebtheit erfreuen. Bei den Nachpflanzungen an den Kreisstraßen jedoch gibt es himmelweite Unterschiede: Während Vorpommern-Rügen 2018 eine positive Bilanz aufweisen kann, verliert der Nachbarkreis den Anschluss.

Keine Nachpflanzungen im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Nicht eine Nachpflanzung an Kreisstraßen gab es 2018, muss Anke Radloff, Kreissprecherin des Landkreises, vermelden. „Aus Krankheits- oder Sicherheitsgründen wurden allerdings 160 Alleebäume an Kreisstraßen gefällt.“ Gezählt wurden jeweils die Maßnahmen im Rahmen der Straßenunterhaltung, also die Fällung von Bäumen, welche die Verkehrssicherheit beeinflussen oder krank sind. Fällungen und Pflanzungen im Rahmen des Straßenausbaus sind nicht berücksichtigt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Alleenschutzbund und der Naturschutzbund Greifswald (Nabu) hatten den Landkreis Vorpommern-Greifswald 2017 in einem offenen Brief scharf kritisiert und ihn ermahnt, seiner Pflichtaufgabe der Nachpflanzungen besser nachzukommen. Vor zwei Jahren bestand ein Pflanzdefizit von mehr als 3500 Bäumen, die Situation hat sich seitdem weiter verschlechtert. „Im nördlichen Teil des Landkreises besteht eine Baumschuld von 3500 Bäumen. Im südlichen Landkreis sind es 1210 Bäume, so dass sich für den gesamten Landkreis eine Zahl von 4700 Bäumen ergibt, die an Kreisstraßen zu pflanzen wären, um die ‚Baumschulden‘ vollständig abzutragen“, so Anke Radloff.

Für das Foto „Allee in Bisdamitz auf Rügen“ vergab der BUND den dritten Preis des bundesweiten Fotowettbewerbs. Quelle: Markus Lenk

Kreissprecherin Heike Carstensen präsentiert für Vorpommern-Rügen ganz andere Zahlen. 331 Nachpflanzungen gab es 2018 an Kreisstraßen, gefällt werden mussten 71 Bäume. Vorpommern-Rügen entwickelt sich bei den Nachpflanzungen weiter zum Musterschüler. Seit Beginn der Fällstatistik im Jahr 2003 hatte sich nach Angaben des Kreises bereits 2017 ein „Pflanzüberschuss“ von 348 Alleebäumen ergeben, insgesamt dürfte der Kreis aktuell also etwa 600 Bäume über dem Soll liegen.

Projektstelle im Bereich Alleenschutz soll Wende bringen

Zwischen Buggenhagen und Jamitzow (Vorpommern-Greifswald) wurden 2019 bereits 60 Birken gepflanzt Quelle: Tom Schröter

„Es hat kein Umdenken eingesetzt,“ beklagt Waldemar Okon, der für die Grünen im Kreistag sitzt. „Auch das vom Kreis beschlossene Alleenkonzept kommt ganz offensichtlich nicht voran.“ Das stimme so nicht, betont Jörg Hasselmann, Stellvertreter des Landrates Michael Sack (CDU). „Wir haben seit April die Stelle eines Projektmitarbeiters geschaffen, der sich ausschließlich mit dem Alleenkonzept auseinandersetzt. Diese Stelle ist allerdings an ein Europäisches Interreg-Förderprojekt gebunden, durch das die Stelle auch mitfinanziert wird.“ Waldemar Okon bleibt skeptisch. „Es handelt sich bei der Planung und Umsetzung von Nachpflanzungen an Kreisstraßen um eine Pflichtaufgabe des Kreises, ich weiß nicht, ob es überhaupt juristisch zulässig ist, dafür Fördermittel in Anspruch zu nehmen.“ In diesem Jahr hat der Kreis Vorpommern-Greifswald immerhin bereits 60 Birken an Kreisstraßen gepflanzt. „Wir wollen weiter vorankommen, stützen uns aber auch auf die Ergebnisse des Forschungsprojektes“, so Hasselmann. „Uns ist es lieber, durchdacht zu pflanzen, als die Bäume irgendwohin zu setzen.“

Flächenbedarf macht Nachpflanzungen schwierig

Doch selbst das „Irgendwohinsetzen“ wäre bei weitem nicht so einfach, wie sich der Laie das vorstellt. Nachpflanzungen von Alleebäumen an Verkehrsstraßen unterliegen strengen Regeln, wie Verkehrsminister Christian Pegel betont. „Bei Landesstraßen ist ein Abstand zur Fahrbahn von drei Metern vorgeschrieben, auf Bundesstraßen sind es 4,50 Meter“, so Pegel. „Glaubt man den Verkehrsplanern, sind acht bis zehn Meter sogar besser. Das Streusalz ist auf manchen Alleen unverzichtbar und setzt den Bäumen sehr zu.“ Auch die Astabbrüche, beispielsweise durch Lkw, die an die unteren Äste stoßen, könnten so vermieden werden. Doch diese Pflanzpraxis hat ihre Tücken. „Wir brauchen sehr viel Fläche, die wir für die Pflanzungen zukaufen müssen. In der Regel hat kein Landwirt Interesse daran, Flächen herzugeben“, sagt der Verkehrsminister. „Langfristig sollten wir hier mehr auf Flächentausch setzen.“ Auch optisch spricht einiges gegen eine Allee, bei der es Lücken gebe, die durch Bäume „auf dem Acker“ ergänzt werden. Auf Rügen regte sich bereits Protest. Die aus dem Biosphärenreservat Südost Rügen, Radsportvereinen, Touristikern und Umweltschützern bestehende Initiative „Deutsche Alleenstraße lückenfrei“ möchte zumindest im Rügener Abschnitt der Alleenstraße zwischen Altefähr und Sellin eine Ausnahmeregelung erreichen, um auch künftig ein geschlossenes Bild der Alleen zu vermitteln. Auf dem Gebiet der Alleenstraße ist einiges in Bewegung – derzeit wird ein Alleenschutzprogramm für die knapp 300 Kilometer lange Route erarbeitet. Zunächst wurden alle Bäume kartiert und auf ihren Gesundheitszustand und ihr Alter untersucht. In weiteren Schritten nehmen Landschaftsplaner Möglichkeiten für Nachpflanzungen und neue Alleestücke unter die Lupe, im Rahmen des Flächenmanagements wird dann untersucht, welche Flächen eventuell für den Zukauf zur Verfügung stehen.

Verkehrsminister Pegel: Neue Alleen pflanzen

Perspektivisch werden die alten Alleen des Landes aber trotzdem immer lückiger werden, vermutet auch der Verkehrsminister. „Wir setzen deshalb auf Neupflanzungen ganzer Alleebereiche oder neuer Alleen mit den entsprechenden Abstandsregelungen zur Straße. Im Bereich Ueckermünde oder Velgast sind so zum Beispiel bereits viele Kilometer Alleen entstanden“, sagt Christian Pegel. „Das hat auch den Vorteil, dass ein einheitliches Baumalter geschaffen wird, was auch die Pflege in den ersten Jahren deutlich leichter macht.“ Der Eindruck eines geschlossenen Blätterdachs würde sich zwar vermutlich nicht überall einstellen lassen, aber in fünfzig Jahren hätte man eine respektable Allee. „Wir machen im Prinzip das, was unsere Vorväter vor zweihundert Jahren auch schon gemacht haben“, so Pegel. „Wir pflanzen neue Alleen.“ Die Pflanzzahlen des Landes für die Bundes- und Landesstraßen werden zunächst an den BUND weitergeleitet, bevor sie veröffentlicht werden.

Alleenerlass des Landes MV

Anne Ziebarth

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