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Greifswald Wenn der Wohnort über Leben und Tod entscheidet
Vorpommern Greifswald Wenn der Wohnort über Leben und Tod entscheidet
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06:25 29.08.2019
Rettungswagen im Landkreis Vorpommern-Greifswald Quelle: OZ
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Greifswald

Greifswald oder Putzar? Anklam oder Lassan? Der Wohnort entscheidet nicht nur darüber, ob ein Bus regelmäßig fährt oder Kinder einen weiten Schulweg zurücklegen müssen. Er entscheidet im Ernstfall auch über Leben und Tod. Durchschnittlich 8 Minuten und 55 Sekunden dauerte es im Jahr 2018 im Landkreis, bis ein Rettungswagen oder ein Notarzt vor Ort war, um mit den lebensrettenden Maßnahmen zu beginnen. „Damit stehen wir im Vergleich zu den anderen Kreisen des Landes nicht schlecht da“, sagte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Lutz Fischer. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Ein Landesvergleich zeigt in der Tat, dass Vorpommern-Greifswald die kürzesten durchschnittlichen Hilfsfristen aller Flächenlandkreise erreicht hat. Nur in den kreisfreien Städten Rostock und Schwerin, das dürfte nicht verwundern, sind die Rettungswagen schneller vor Ort.

In 3200 Fällen brauchte der Rettungswagen mehr als 15 Minuten

Allerdings sind die Hilfsfristen Durchschnittswerte. „Durchschnitt heißt auch, dass die vielen kurzen Fahrten wenige längere Fahrten aufwiegen können“, so Fischer weiter. Bei den insgesamt 29 102 Rettungseinsätzen im vergangenen Jahr waren die Hilfskräfte in 19 850 Fällen innerhalb von zehn Minuten vor Ort, in 6024 Fällen dauerte es bis zu 15 Minuten, in 3228 Fällen sogar länger. Vor allem im ländlichen Raum ist es mitunter schwierig, einen Rettungswagen innerhalb von 15 Minuten zum Patienten zu schicken. Entgegen der Erwartung tun sich die Lücken weniger im Altkreis Uecker-Randow auf. „Problematischer ist es vor allem nordöstlich sowie südwestlich von Anklam“, sagt Fischer. Auch im Lieper Winkel auf Usedom sei es für den Rettungswagen wegen der schlechten Straßen schwierig. Im Bereich Lubmin gibt es zwar eine Rettungswache, aber keinen Notarzt. Als einen Grund für mitunter lange Anfahrten nannte der leitende Notarzt die Zunahme von Verlegungen zwischen den Krankenhäusern. Werden Rettungs­wagen zur Patientenverlegung eingesetzt, fehlten sie im Ernstfall für den Notfalleinsatz im ländlichen Raum.

Rettungsdienstnetz in Vorpommern-Greifswald Quelle: Arno Zill

Sicherheitsniveau im ländlichen Bereich nicht erreicht

Bis 2015 bezogen sich die gesetz­lichen Hilfsfristen auf das geeignete Rettungsmittel. Im Regelfall war das der Notarzt. Mit der Novellierung des Rettungsdienstgesetzes werden seitdem die Hilfsfristen für das ersteintreffende Rettungsmittel definiert – und das kann neben dem Notarzt der Rettungswagen oder der Rettungshubschrauber sein. Notarzt Fischer findet, dass diese Änderung keinen Rückschritt darstellt. „Das Land zog 2015 auch erstmals ein Sicherheitsniveau ein, demzufolge im ländlichen Raum in 90 Prozent der Fälle die Eintreffzeit von 15 Minuten gehalten werden muss, im städtischen Bereich in 95 Prozent der Fälle.“ Zumindest im ländlichen Bereich schrammte der Landkreis 2018 an diesem Sicherheitsniveau mit 86 Prozent vorbei, während für Greifswald bei 98 Prozent der Fälle garantiert werden kann, dass der Rettungswagen innerhalb von 15 Minuten vor Ort ist.

Rettungsdienstnetz wird überplant

Es besteht also Handlungsbedarf. Derzeit lassen die Landkreise als Träger der bodengebundenen Rettungsdienste ein gemeinsames Gutachten erstellen, auf deren Grund­lage das bestehende Rettungsdienstnetz in MV entsprechend der geltenden Hilfsfristenregelung überplant wird. Die Kreise planen dabei nicht separat, sondern erstmals gemeinsam. Damit soll sichergestellt werden, dass das Netz aus Rettungswagen und Notärzten nicht gerade an den Kreisgrenzen ausgedünnt wird. Fischer rechnet damit, dass die offiziellen Ergebnisse Ende 2019 vorliegen und von den Krankenkassen als Refinanzierer der bodengebundenen Rettungsdienste auch akzeptiert werden. „Dann können wir auf Kreisebene reagieren und korrigieren“, sagte Fischer.

Telenotarzt als Ergänzung, nicht als Ersatz

Eine stärkere Rolle im Rettungsnetz könnte aus Sicht des Kreises der Tele­notarzt einnehmen. Im Herbst 2017 startete der Kreis das landesweit einzigartige Modellprojekt. Tele­notärzte, davon ist Fischer überzeugt, könnten künftig noch stärker dazu beitragen, das Rettungsdienstnetz nicht nur über den Kreis, sondern über das gesamte Bundesland fester zu spannen. Bewährt hat sich das System aus Sicht der Helfer bereits jetzt. „Der Telenotarzt ist eine ganz wertvolle Ergänzung des Rettungsdienstes“, so Fischer. Nicht nur, weil er dafür sorgt, die Fristen bis zum Eintreffen des Notarztes zu verkürzen, sondern auch, dass der reale Notarzt für die Einsätze frei ist, bei denen er wirklich gebraucht wird. Seit Projektstart im Oktober 2017 wurden im Kreis rund 2400 Tele­notarzt­einsätze absolviert. Allen Unken­rufen zum Trotz, hätten nur 96 Einsätze wegen technischer Probleme mit dem Funknetz abgebrochen werden müssen.

Fliegt Rettungshubschrauber ab 2020 auch nachts?

Ein wesentliches Element der Rettungsdienste ist der in Greifswald stationierte Rettungshubschrauber. Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass im Laufe des kommenden Jahres der Hubschrauber auch nachts fliegen wird. Die Landesregierung beabsichtige, die rettungsdienstliche Versorgung weiter zu optimieren und eine Ausweitung der Einsatzzeiten am Luftrettungsstandort in Greifswald umzusetzen, sagte ein Ministeriumssprecher. Für die Region werde sich damit die medizinische Versorgung weiter verbessern. Gerade für die Inseln Usedom und Rügen wäre dies eine Bereicherung.

Von Martina Rathke

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