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Greifswald Wachsende Ungeduld: 1500 beim Klimastreik in Greifswald
Vorpommern Greifswald Wachsende Ungeduld: 1500 beim Klimastreik in Greifswald
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16:26 20.09.2019
Michael Succow verglich die Klimabewegung mit der Wendebewegung von 1989. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Damit hatten selbst die Veranstalter von Fridays for Future (FFF) nicht gerechnet: Rund 1500 Menschen demonstrierten beim globalen Klimastreik allein in der Hansestadt für einen konsequenteren Klimaschutz. „Das ist überwältigend, einfach unglaublich“, staunte der FFF-Organisator und Student Florian Just, der für die Demonstration 400 Teilnehmer angemeldet hatte. „Das Tolle ist die Solidarität. Hier sind wir 1500 Menschen, und wir wissen, in anderen Städten wird jetzt auch gestreikt.“

Keine weichgespülte Klimapolitik mehr

Mit Forderungen, wie „Ihr habt kein Recht, einen SUV zu fahren“ oder „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, das ist die Antwort auf eure Politik“, machten die Demonstranten bei ihrem Marsch durch die Innenstadt deutlich, dass sie keine weichgespülte Klimapolitik der kleinen Schritte mehr haben wollen. „Wir streiken, weil ein Streik das ultimative Mittel ist, um sich Gehör zu verschaffen“, forderte Björn Pasemann vom Aktionsbündnis „Unser Land schafft Wandel!“ und erntete dafür lauten Applaus. Ohne Regelbruch und grundlegendes Neu-Denken gewohnter Verhaltensstrukturen werde es nicht gelingen, die Veränderungen durchzusetzen, die jetzt nötig seien. Er verwies auf die CO2-Uhr des Mercator-Instituts, die die noch verbleibende Zeit zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze anzeigt. „Mit den jetzigen Emissionen bleiben uns dafür noch etwa acht Jahre und drei Monate.“

„Ich quelle über vor Verzweiflung“

Unter die Demonstranten haben sich auch Anne und Georg Bartolomäus aus Dersekow gemischt. Sie nahmen das erste Mal an einer Klimademo teil. „Ich quelle über vor Verzweiflung“, erzählte die 67-jährige Dersekowerin, die sich um die Generation ihrer Kinder und Enkel sorgt. Das Schild „Klimaschutz jetzt, ohne Wenn und Aber“ hat sie selbst gebastelt. Georg Bartolomäus ist promovierter Naturwissenschaftler: „Ich persönlich habe das erste Mal 1988 vom Klimawandel gehört“, erinnert er sich. Die Politik habe die Gefahr seit Jahrzehnten ignoriert. Dennoch sei er zuversichtlich, dass die Erderwärmung noch in Grenzen gehalten werden könne. „Diese Bewegung, die jetzt entsteht, macht Mut.“

Succow prangert den Wahnsinn des Kapitalismus an

Der bekannte Ökologe Michael Succow, der 1997 den Alternativen Nobelpreis erhalten hatte, verglich die Klimaschutzbewegung mit der Wendebewegung von 1989. „Keiner hat die Wende vorausgesagt, und mit einem Mal erhoben sich die Menschen und es ist eine neue dramatische Entwicklung eingeleitet worden“, sagte er. Dann prangerte Succow den heutigen „Wahnsinn des Kapitalismus“ an. Die diesem System eigene Ökonomie zerstöre weit mehr Werte, als sie zu erzeugen vermag. „Diese Ordnung wird in ihrer Endphase immer krimineller“, so Succow unter dem Beifall der Demonstranten.

Auch Schulklassen beteiligten sich am Demonstrationszug. Eine Lehrerin aus der Martinschule erzählte, dass aus fast jeder Klassenstufe Schüler dabei seien. Fenella und Charlotte (12) forderten auf ihrem selbst gemalten Schild: „Schützt ihr das Klima, wäre das prima.“ Als Kind sei der Klimawandel schwer zu verstehen, räumte Fenella ein. Aber wenn man es begriffen hat, dann könne man eigentlich nur demonstrieren.

Demo stieß auch auf Unverständnis

Auf der Fußgängerzone reihten sich einige Passanten spontan in den Demonstrationszug ein – doch nicht alle befürworteten die Aktion. Eine ältere Frau schüttelte missbilligend den Kopf. „Bei der Demonstration sind Kinder aus der ersten Klasse dabei, ich glaube nicht, dass sie wissen, worum es geht“, meinte sie.

Moorschützer stiegen in den Fischerbrunnen

Noch bevor sich am Vormittag der Demonstrationszug in Bewegung setzte, stiegen die Moor- und Klimaschützer der Michael-Succow-Stiftung und des Greifswald Moor Centrums ins Wasser des Fischerbrunnens. Mit der Aktion unter dem Motto #moormussnass wollten sie auf die Wiedervernässung von Mooren aufmerksam machen. „Wiedervernässung ist eine der wirksamsten Maßnahmen, den CO2-Ausstoß schnell zu reduzieren“, sagte der Moorschützer John Couwenberg. Trockengelegte Moore emittierten 25 bis 30 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr, etwa so viel wie ein Mittelklassewagen, der im Jahr 125 000 Kilometer zurücklegt. „Bei 250 000 Hektar entwässerten Mooren in Mecklenburg-Vorpommern wäre das echt viel, um CO2zu binden.“

Mit Nachdruck und lauten Parolen demonstrierten Schüler, Studenten und Erwachsene für einen konsequenteren Klimaschutz. Der Ökologe Michael Succow prangerte den „Wahnsinn des Kapitalismus“ an.

Von Martina Rathke

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