Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald So wählen Greifswalds Stadtteile
Vorpommern Greifswald So wählen Greifswalds Stadtteile
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:20 29.05.2019
Hier wählten viele die Grünen: Greifswald vom Turm der Marienkirche aus gesehen. Quelle: Antje Brecht
Anzeige
Greifswald

Die Stadt ist schwarz-grün: Ist die Innenstadt sogar der Prenzlauer Berg von Greifswald? Wie in dem Berliner Szene-Stadtteil wird in der Greifswalder Innenstadt vorrangig Grün gewählt. Die CDU dominiert außerhalb der Innenstadt. Die OZ-Wahlanalyse zeigt auch, dass viele AfD-Anhänger in Großwohnsiedlungen leben. Die Linkspartei belegte einzig auf der Insel Riems den ersten Platz. In Schönwalde II teilt sie ihn sich mit der CDU.

Jeder Dritte in der Innenstadt wählt grün

Die Umweltpartei machte vor allem die Innenstadt mit den sanierten Altbauten und Kneipen zu ihrer Hochburg. Die Grünen erreichten den höchsten Stimmanteil von 30,3 Prozent in der historischen Altstadt und der Steinbeckervorstadt. Die CDU schaffte es dort nur auf 13 Prozent. Die meisten Stimmanteile gewannen die Christdemokraten dagegen in Groß Schönwalde. Auffällig: Die AfD sicherte ihre Stimmen vor allem in den Plattenbausiedlungen Ostseeviertel, Schönwalde I/Südstadt und Schönwalde II. Noch stärker als dort schloss die AfD prozentual auf dem Riems, in Friedrichshagen und Groß Schönwalde ab.

AfD im Zentrum schwach

Die geringsten Stimmenanteile holte die AfD dort, wo die Grünen dominieren: In der Innenstadt/Steinbeckervorstadt und der Fleischervorstadt erreichte sie maximal 6,2 Prozent. Die Grünen fahren mit der Innenstadt ihre höchsten Ergebnisse gerade dort ein, wo die Cafés und Shoppingmeile vor der Haustür liegen und die Mieten hoch sind. Gegen den Eindruck einer Partei der Besserverdienenden wehrt sich jedoch Grünen-Politiker Christoph Oberst. „Ja, unsere Klientel wohnt auch in der Innenstadt und schon immer haben wir dort gute Wahlergebnisse erzielt“, sagt der Kreisgeschäftsführer der Partei. „Allerdings wählen uns auch viele Studenten, unabhängig von ihrem Wohnort. Ihnen geht es um berechtigte Sorgen in der Klimapolitik.“

Wahlergebnisse Bürgerschaft nach Stadtteilen Greifswald Quelle: Benjamin Barz

Linke gewinnen auf dem Riems

Außerhalb der Innenstadt konnten die Grünen auch in der Südstadt und Schönwalde II punkten. Gewinnen konnten sie im Plattenbaugebiet aber nur im Wahlbezirk 91, zu dem das Studentenwohnheim in der Makarenkostraße gehört. Dagegen scheinen im Plattenbau die Protestwähler zu leben: Die einzigen Wahlbezirke, in denen die AfD und Linke Siege einfährt, liegen im ansonsten CDU-dominierten Schönwalde II. So konnte die AfD den Wahlbezirk 95 mit 21 Prozent der Stimmen gewinnen, während im Wahlbezirk 94 direkt daneben die Linkspartei mit 21,6 Prozent knapp vor der AfD landete. In beiden Wahlbezirken gingen die Bewohner des Ernst-Thälmann-Rings, der Tolstoistraße oder der Maxim-Gorki-Straße wählen. Der Ortsteil Riems mit seiner vorrangig älteren Bevölkerung bleibt Hochburg der Linkspartei.

CDU gewinnt in den meisten Stadtteilen

„Ich denke, dass Menschen in sozial prekären Verhältnissen, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, eher die AfD oder die Linkspartei wählen“, erklärt sich AfD-Mann Nikolaus Kramer das Wahlergebnis. Zudem hätten auch Themen wie innere Sicherheit und Aufwertung der Wohnquartiere die AfD-Wähler überzeugt. Die Linke erhält ihre höchsten Stimmanteile in Schönwalde I/Südstadt, Schönwalde II und Friedrichshagen. Die Tierschutzpartei kam in Schönwalde II mit 7,1 Prozent auf ihren besten Wert.

Insgesamt erfolgreichste Partei bleibt die CDU: Die Christdemokraten konnten trotz Stimmenverlusten prozentual die meisten Anhänger in Schönwalde II, dem Ostseeviertel und Schönwalde I/Südstadt mobilisieren. Auch in den Stadtteilen wie Groß Schönwalde, Eldena und Friedrichshagen mit ihren Eigenheimen setzten die meisten Wähler ihr Kreuz bei der CDU.

Viele Nichtwähler in Schönwalde II

In Schönwalde II, Schönwalde I/Südstadt war die Wahlbeteiligung am geringsten. Dort wählte am Sonntag nur etwa jeder Dritte. Die offensichtlich fehlende Begeisterung für die Demokratie erklärt sich SPD-Mann Ibrahim Al Najjar durch den Frust, der entstehe, wenn das Geld knapp und die Straßen und Spielplätze im Stadtteil kaputt sind.

Eine enttäuschende Wahl war es für die SPD, die in der Innenstadt und auf der Insel Riems ihre höchsten Stimmanteile von mehr als zwölf Prozent einfuhr. Generell blieb sie aber unter ihren eigenen Erwartungen. „Ich habe Leute getroffen, die mir gesagt haben, dass sie mich persönlich mögen und gerne wählen möchten. Aber der SPD wollen sie ihre Stimme nicht geben“, sagt Al Najjar, der für das schlechte Wahlergebnis vor allem die Bundespolitik verantwortlich macht. „Ich habe noch keinen Wahlkampf erlebt, in dem die Leute so sauer und enttäuscht von der SPD waren.“ Vom starken AfD-Ergebnis sei er „schockiert“.

Briefwahl: Meiste Stimmen für Grüne und CDU

Mehr Menschen als je zuvor gaben ihre Stimme per Briefwahl ab: Mit 7263 Menschen waren es knapp 2000 mehr als bei der letzten Kommunalwahl 2014. Die Briefwahlergebnisse deckten sich mit den Ergebnissen in den Wahllokalen. So holten im Bereich 1 (Innenstadt/Steinbeckervorstadt, Fleischervorstadt, Nördliche und Südliche Mühlenvorstadt) die Grünen 24,8 Prozent der Stimmen. Die CDU wurde am häufigsten im Bereich 2 (u.a. Fettenvorstadt und Schönwalde I) sowie im Bereich 3 (u.a. Schönwalde II und Ostseeviertel) mit 22,8 bzw. 25 Prozent gewählt.

Wahlergebnisse Bürgerschaft nach Stadtteilen Greifswald Quelle: Benjamin Barz

Lesen Sie mehr:

Interview: „CDU und AfD versuchen, Zusammenarbeit auszutesten“

Bürgerschaft: Grüne und AfD legen kräftig zu

Wer mit wem: Greifswalder Parteien auf Partnersuche in der Bürgerschaft

Christopher Gottschalk

Die OZ sucht die beliebteste Eisdiele in MV. In der ersten Runde werden die besten Läden in Ihrer Region ermittelt. Stehen sie fest, gehen sie um den Titel der beliebtesten Eisdiele Mecklenburg-Vorpommerns ins Rennen. Unter allen Teilnehmern verlost die OZ drei Eis-Gutscheine im Wert von jeweils 50 Euro.

04.06.2019

Die OZ sprach mit dem Politikwissenschaftler Stefan Ewert über die Auswirkungen der Wahlen auf die Handlungsfähigkeit der Kreistage in Vorpommern.

28.05.2019

Aus wenigen Steinen kann Bauhistoriker André Lutze Geschichte ablesen. Er leitet die Ausgrabungen am Pommerschen Landesmuseum. Sie ermöglichen neue Erkenntnisse zum Greifswalder Franziskanerkloster.

28.05.2019