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Greifswald Warum Greifswalds freie Schulen immer beliebter werden
Vorpommern Greifswald Warum Greifswalds freie Schulen immer beliebter werden
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18:06 27.08.2019
Die Schulleiterin Doreen Hassinger, Schulleiter Nils Kleemann und der Zweitklässler Arne vor dem Klettergerüst der Schule, das sich die vergangenen Jahre nur farblich verändert hat. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Während an der Waldorfschule Kinder ihren Namen tanzen lernen, ist der Unterricht der Montessori von Tumulten geprägt – schließlich könne hier jeder machen, was er will. Es sind nur zwei Vorurteile über freie Schulen. Die Klischees ändern jedoch nichts an der steigenden Popularität. Immer mehr Eltern möchten, dass ihre Sprösslinge privat unterrichtet werden.

Allein in diesem Jahr seien für eine neue fünfte Klasse um die 80 Bewerbungen von Eltern eingegangen, sagt Nils Kleemann, Schulleiter der Montessori-Schule. Nur wenige haben eine Zusage bekommen. Im Gegensatz zum üblichen Los-Verfahren und der Geschwister-Regelung, die festlegt, dass jedes Geschwisterkind eines Montessori-Schülers aufgenommen wird, seien hier die Schüler nach Noten ausgewählt, um die Klasse erfolgreich zum Abitur zu führen, sagt Kleemann.

Abitur statt Mittlerer Reife

Kleemann ist seit der ersten Unterrichtsstunde am 27. August 1994 Teil der Greifswalder Montessori-Schule, die sich damals noch in der Makarenkostraße befand. „Geplant waren 1. bis 4. Klassen mit etwa 60 Schülern“, erinnert sich Kleemann.

Doch schnell vergrößerte sich die Schule. Heute zählt die Montessori über 600 Schüler und über 40 Lehrkräfte. Mehrere Gebäude sind im Ostsee-Viertel hinzugekommen. Auch das Abitur ist nun möglich. Die ersten Abschlüsse soll es 2020 geben (OZ berichtete).

Wer sein Kind auf die Montessori-Schule schickt, geht in den meisten Fällen davon aus, dass das Kind später das Abi macht. Immerhin: Die Abiturquote der Greifswalder Montessori-Schule liege ab der sechsten Klasse bei etwa 80 Prozent, sagt Kleemann. Auch die Mittlere Reife absolvieren die Schüler der Montessori mit guten bis sehr guten Leistungen. Den Eltern, sagt Kleemann, sei vor allem der Schulabschluss wichtig. Zudem stellen die Eltern besondere Anforderungen an die Lehrkräfte. „Sie suchen die Schule nicht nach der Trägerschaft aus“, so Kleemann weiter.

Bildungsschere zwischen arm und reich?

Nächstes Klischee: Wer Geld hat, schickt seine Kinder auf Privatschulen. Wer kein Geld hat, ist auf staatliche Schulen angewiesen. Doch stimmt das? An vielen Montessori-Schulen herrscht eine Art Solidarprinzip. Eltern, die sich den Besuch ihrer Kinder nicht leisten können, zahlen weniger. „Wir haben Eltern, die im Monat nicht mal zehn Euro zahlen“, sagt Kleemann. Trotz Schulgebühren werden Privatschulen staatlich unterstützt. Für die Greifswalder Montessori-Schule gibt es 85 Prozent der Lehrkräfte-Gehälter.

Dennoch zeigt eine deutschlandweite Studie: Nur fünf Prozent der Familien in Deutschland, die ihre Kinder auf eine Montessori-Schule schicken, sind auf staatliche Unterstützung wie Hartz IV angewiesen. Bei Schülern an öffentlichen Schulen sind es 20 Prozent.

Montessori-Schule digital voraus

Während die Digitalisierung von Schulen noch immer heiß diskutiert wird, schaffte sich die Montessori-Schule bereits 2012 die ersten I-Pads für einige Klassen an – finanziert durch die Schulgebühren. „Während sich die Politik noch nicht einig ist, wissen wir schon, wo die Probleme bei der Digitalisierung an Schulen liegen und können bereits auch eine Lösung finden“, so Kleemann.

Er betont: „Freie Schulen sind nicht immer gut, staatliche Schulen nicht immer schlecht.“ Das Probleme liege viel mehr in der Uneinheitlichkeit. „Es muss eine strukturelle Schulentwicklung für alle geben.“ Vor allem die Politik dürfe sich nicht mehr drücken. „Ein neues Schulgebäude errichten zu lassen, damit ist es noch lange nicht getan“, sagt Kleemann.

Ganztagsbetreuung an der Montessori-Schule

Manchmal liege es auch an dem Standort, dass sich Eltern für die Montessori-Schule entscheiden, sagt Schulleiterin Doreen Hassinger. Wer nicht in Greifswald wohnt, kann sein Kind hier nicht auf eine staatliche Schule schicken. „Manche Eltern kommen aus dem Umland und arbeiten hier. Einige möchten ihre Kinder dann hier zur Schule schicken.“

Ein weiterer Punkt für die steigende Popularität von freien Schulen ist auch eine Ganztagsbetreuung. An der Greifswalder Montessori-Schule wird ein Hort angeboten, der sich unmittelbarer Nähe befindet. „Jeder Schüler hat Anrecht auf einen Hortplatz“, sagt Hassinger.

Die neunjährige Ida nutzt den Hort. Sie mag ihre Schule. Als Drittklässlerin kümmert sie sich nun um die Erstklässler – eine Art Paten-Prinzip. Die Schüler hätten einen großen Zusammenhalt. „Montis“, sagt Kleemann, „erkennen sich auf der Straße immer untereinander.“ Und es stimmt: An einigen Waldorfschulen lernen die Kinder wirklich ihren Namen zu tanzen.

Programm 25 Jahre Montessori

Freitag, 30. August um 15 Uhr: Eröffnung und Übergabe des Oberstufengebäudes mit Baumpflanzaktion, 16 Uhr: offizieller Festakt im Theatersaal

Mittwoch, 4. September von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr: Tag der offenen Tür, 10 Uhr Filmvorführung „Das Prinzip Montessori“

Freitag, 6. September um 12 Uhr: Abschluss der Festwoche (Campus), 17 Uhr Aufführung des Zirkusprojektes und Strandparty der Stufe III (Eldena)

Samstag, 7. September um 20 Uhr Elternfete (Theatersaal)

Das gesamt Programm auf: www.montessori-schule-greifswald.de

Von Christin Lachmann

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