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Greifswald „Was bleibt“: Wie Schüler den Tod sehen
Vorpommern Greifswald „Was bleibt“: Wie Schüler den Tod sehen
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00:02 16.03.2018
Der Tod als Spieler: So hat ihn Gerda Körner, 18, (im schwarzen Shirt) in Szene gesetzt. Hanna Holtz (17) hat ihr geholfen. Quelle: Foto: Peter Binder
Greifswald

Eine alte Bananenschale, die am Straßenrand vergammelt; die Lubminer Park- und Konzertmuschel, einmal mit bunten Graffitis übersät, dann wieder frisch gestrichen. Mit Foto-Motiven wie diesen hat die 17-jährige Hanna Holtz aus Lubmin ein Stück Vergänglichkeit im Alltag eingefangen – zu sehen in der Ausstellung „Was bleibt“, die heute Abend in den sonst so sterilen Fluren des Greifswalder Amtsgerichts eröffnet wird.

Zwei Kunst-Leistungskurse des Jahn-Gymnasiums stellen ab heute im Amtsgericht aus

Mehrere Monate lang haben Hanna und die gut 50 weiteren Zwölftklässler der beiden Kunstleistungskurse des Greifswalder Jahn-Gymnasiums sich mit den Themen Tod, Trauer und Sterben beschäftigt. Gemälde und Skulpturen haben sie geschaffen, Aquarelle, Zeichnungen und Installationen, manche eher plakativ oder brutal, andere hintergründig, leise oder poetisch. Eine gemalte Himmelsleiter ist etwa dabei, eine Leinwand, die mit roter Farbe wie mit Blut bespritzt ist. Der Tod aus Gips als Spieler an einem Automaten mit Greifarm, der einzelne Menschen von der Erdkugel reißt.

„Ich war total beeindruckt, als ich einige Kunstwerke gesehen habe“, erzählt Katja Hundt vom Greifswalder Hospizdienst. Die Koordinatorin, die speziell für die Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen ausgebildet ist, war im Oktober zu den Kunstschülern in den Unterricht gekommen, um sie auf das Thema einzustimmen.

„In unserer Kultur ist der Tod ja immer noch ein Tabu, vor allem unter Erwachsenen“, sagt Katja Hundt. „Kinder und Jugendliche wollen aber darüber reden.“ Je jünger sie seien, desto mehr betrachteten sie das Sterben noch als normalen Teil des Lebens. „Kinder fragen auch noch unverblümt sowas wie: Passt Opa denn in die Urne?“

Zwölftklässler seien natürlich schon in einer anderen Phase, sagt Katja Hundt. „Aber auch für sie ist der Tod und die Frage, was danach kommt, ein Thema, mit dem sie sich auseinander setzen wollen.“

Kunstlehrerin Gisa Massow stimmte dem Projekt denn auch sofort zu. Ihre Kollegin Kerstin Senz eher zögerlich, wie sie selbst erzählt. „Der Tod ist in der Kunst zwar schon immer Thema gewesen“, sagt die Kunstlehrerin. An ästhetischen Vorbildern und Impulsen fehle es nicht, und damit hätten sie auch gearbeitet. „Trotzdem war ich skeptisch, wie man Schüler an das Thema heranführen will.“

Katja Hundt löste es so: Auf Kissen ließ sie die Jugendlichen in einem Kreis Platz nehmen, legte in die Mitte Karten mit Begriffen wie „Stille“, „Dankbarkeit“, „Ende“. Jeder in der Runde war aufgefordert, den anderen zu erklären, welche er mit dem Tod verbinde. „Die Schüler haben gegenseitig viel von sich erfahren“, sagt Katja Hundt. In einem Wortbeitrag etwa war von einem Geschwisterkind die Rede, das mit schwerer chronischer Erkrankung auf die Welt gekommen war, „wodurch das Thema immer irgendwie präsent ist.“ Eine andere Schülerin erzählte, wie sie das Sterben ihrer schwer kranken Oma erlebt habe. „Sie hat gesagt: Plötzlich war es still, ganz ganz still“, erzählt Katja Hundt. „Und auch unter den Schülern war es still, alle haben wahnsinnig aufmerksam zugehört.“

Schülerin Gerda Körner hat diese Einstiegsrunde ebenfalls als intensiv in Erinnerung. „Manche haben echt bewegende Dinge gesagt“, erzählt die 18-Jährige. „Ich selbst bin in meiner Familie noch nie mit dem Tod in Berührung gekommen.“ Das Thema künstlerisch umzusetzen, sei ihr auch nicht leicht gefallen, „ich wollte damit irgendwie nicht ernst umgehen.“ Das Ergebnis: der Tod als Spieler am Automaten (siehe oben). „Wir fragen ja immer, wer lässt zu, dass Kinder sterben?“ Und dann sehe man da diesen Tod, wie er mit dem Joystick einfach nach dem Zufallsprinzip entscheide.

Schülerin Hanna Holtz findet, der Tod müsse nicht unbedingt als etwas Schlechtes betrachtet werden. „Er ist nicht schwarz-weiß. Ich glaube, er kann schreckliche Leere hinterlassen, aber auch eine Erlösung sein und Frieden bringen.“ Es sei gut, sich mit ihm zu beschäftigen. „Obwohl man sich auf ihn wohl nie wirklich vorbereiten kann. Denn wie er ist, weiß man erst, wenn er da ist.“

Vernissage heute, 16. März, um 16 Uhr im Amtsgericht.

Sybille Marx

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