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Greifswald Was für ein Fund! Mehr als 100 Jahre alte Zeitung in Freest entdeckt
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Was für ein Fund! Mehr als 100 Jahre alte Zeitung in Freest entdeckt

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12:38 11.02.2020
Der Freester Horst Gentzsch (76) zeigt eine Zeitung, die er zusammen mit einem alten Buch im Freester Bücherbaum entdeckte. Quelle: Martina Rathke
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Freest

Was für eine Tat: Ein unbekannter Dieb stattete einem Besitzer eines Geflügelstalls in Mesekenhagen einen unliebsamen Besuch ab, bei dem er 15 Küken entwendete und diese unweit des Tatorts abschlachtete. Das Einbruchswerkzeug hatte der Langfinger zuvor aus einer nahegelegenen Scheune gestohlen.

Die Meldung, über die sich Horst Gentzsch und seine Nichte Maren Rosenthal amüsiert beugen, ist mehr als 100 Jahre alt und sorgte sicher schon damals für dasselbe Empörungspotenzial wie heute.

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Buch der „Goldenen Bibliothek“ galt als Bestseller

Der ehemalige Fliesenleger fand die alte Zeitung bei seiner täglichen Radtour im Bücherbaum beim Freester Museum. „Ich schaue dort regelmäßig rein, um nach alten Büchern für meine Nichte zu suchen.“ Die feinsäuberlich zusammengefaltete Greifswalder Zeitung vom 4. und 5. September 1912 lag in einem Buch der „Goldenen Bibliothek der Bildung und des Wissens“, das ebenfalls bereits vor mehr als einem Jahrhundert gedruckt wurde.

Das Buch, einst gedacht zum „Selbstunterricht und zur Weiterbildung in den wichtigsten Wissenszweigen und Sprachen“, galt als Bestseller, um das dürftige Volksschulwissen um Rechtsgrundlagen zu erweitern oder die Handschrift mit einem Schönschreibkurs zu optimieren.

Greifswalderin hat bereits historische Schätze im Regal

Die Greifswalderin Buchliebhaberin Maren Rosenthal ist verblüfft, dass andere Menschen so interessante Bücher und historische Zeitungen einfach weitergeben. In ihrem Bücherschrank verbirgt sich schon manch interessante bibliophile Kostbarkeit, teils aus dem 18. Jahrhundert.

Vorsichtig schlägt sie die vergilbte und durch Säurefraß mitgenommene Zeitungsseite um: Junge Mädchen, die sich als tüchtig und ordentlich preisen, suchen Anstellungen als Stuben- oder Hausmädchen und als Küchenhilfe.

Das Rittergut Libnow sucht einen verheirateten (!) Schmied. Er möge doch seine Unterlagen nebst Lohnforderungen an die Gutsverwaltung senden. Warum der Schmied verheiratet sein soll, blieb in der Anzeige offen. „Erstaunlich, was andere Menschen an Schätzen so einfach weggeben“, so Maren Rosenthal. Die Zeitung wird die Greifswalderin nun ebenso wie die „Goldene Bibliothek der Bildung und des Wissens“ im Bücherschrank mit den alten Kostbarkeiten verwahren.

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Von Martina Rathke