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Greifswald Was steckt in der Greifswalder Eistüte?
Vorpommern Greifswald Was steckt in der Greifswalder Eistüte?
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00:05 11.08.2017
Eisverkäuferin Stefanie Göritz (31) hält eine Kugel mit Cassisgeschmack und eine Kugel Straciatella in der Eisdiele Florence im Dienstleistungszentrum. FOTOS (2): CHRISTOPHER GOTTSCHALK
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Greifswald

Sommerzeit ist Eiszeit – und wenn die Luft glüht und die Menschen schwitzen, verkaufen die Eisdielen ihre süßen Kugeln in Massen. Doch was ist drin in den kalten Leckereien der Hansestadt? Der Begriff „Eis aus eigener Herstellung“ kann vielerlei bedeuten, definiert ist er nicht. So kann praktisch jeder Anbieter damit werben, er produziere seine Ware selbst, und muss dies gar nicht tun.

Sechs Anbieter stellen selbst her / Verbraucherzentrale MV fordert gesetzliche Regelung

„Ich mache keine Kompromisse beim Eis“, sagt Thomas Schröder. Er ist der Eismacher der Eismanufaktur „Kontor“ am Markt und Schuhhagen. „Bei uns gibt es handwerklich gemachtes Eis“, sagt er.

In Greifswald stellen neben dem Kontor fünf Eisdielen und -cafés laut eigener Aussage ihr Eis selbst her: Das Caféhaus „Marimar“, das Eiscafé „San Marco“, das Bistro „Fellini“, eine Eiskonditorei für das „Eiscafé Eldena“ und „Ryck 7“ und das „Eiscafé Florence“ im Elisenpark (das auch die „Eisdiele Florence“ im Dienstleistungszentrum beliefert).

Einzig das „Kontor“ produziere „eigenständig“; der „eigens hergestellte Eisansatz“ werde mit natürlichen Zutaten verfeinert, teilt Anke Radlof, Sprecherin des für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landkreises mit. Andere Anbieter arbeiten entweder mit Grundmischungen oder anderen Zusatzstoffen.

Thomas Schröder verwendet je nach Rezept Milch, Wasser, Sahne und Zucker sowie frische Früchte, Schokolade oder Gewürze wie Safran und Vanille. Keine Geschmacksverstärker, keine Zusatzstoffe, kein Eispulver, das unter anderem Milchpulver, Zuckerarten und eben Zusatzstoffe enthält.

Manchmal gehe es jedoch nicht ohne, meint Kheirou Messai, Inhaber des „San Marco“. Er greife darauf zurück, wenn es notwendig sei – abseits der Hauptsaison im Frühling und Herbst oder bei schlechtem Wetter, wenn wenige Kunden kommen. Messai mischt das Pulver mit Milch, Zucker und Püree. Es enthält unter anderem Stabilisatoren und Emulgatoren. „So ist das Eis länger haltbar. Das ist nötig, weil wir das frische Eis sonst wegwerfen müssten“, sagt er. „Im Sommer nehmen wir frische Zutaten wie Erdbeeren vom Markt und produzieren täglich unser Eis nach Familienrezepten.“

Was genau im Eis enthalten ist, erfahren Kunden nur, wenn sie konkret nachfragen. Deswegen fordert die Verbraucherzentrale MV, dass Angaben wie „hausgemacht“ oder „aus eigener Herstellung“ gesetzlich definiert werden. Dadurch würden „die Käufer die Unterschiede in der handwerklichen Produktion klar erkennen“, betont Antje Degner von der Verbraucherzentrale.

Im „Eiscafé Eldena“ und im „Ryck 7“ werde Eis serviert, das auf einer „Grundpulvermischung“ basiert, sagt Inhaber Ralf Fahl. Diese vervollständige man in der Konditorei je nach Eissorte mit Sahne oder Früchten oder Püree. Auch im Fellini erhält das Eis durch konzentrierte Pasten und Pürees seinen Schoko- oder Fruchtgeschmack.

Das „Eiscafé Florence“ im Elisenpark nutzt Sirup aus Wasser, Zucker und Bindemittel als Basis, teilt Inhaberin Steffi Peters mit. Sie verwende tiefgekühlte Früchte, weil die „gleichbleibende Qualität garantieren“. Im Caféhaus „Marimar“ kommt Joghurtpulver ins Eis, weil Inhaberin Maria Schröder aus hygienischen Gründen frischen Joghurt meidet; der müsste erhitzt werden, um Bakterien abzutöten.

Andere Anbieter werden beliefert, wie die Eisdiele in den KAW-Hallen oder die zwei Filialen von „Janny’s Eis“; wieder andere kaufen ihr Eis bei Großhändlern.

Bei sieben Kontrollen wurde 2017 einmal ein Warnwert für eine mögliche Gesundheitsgefährdung überschritten. Der Kreis teilt nicht mit, wo der Befund auftrat. Der betroffene Betrieb muss nun eine Eigenuntersuchung durchführen.

Die Leitsätze für Speiseeis

Speiseeis ist eine feste oder pastenartige Zubereitung, die durch Gefrieren erzeugt wird. So steht es in den Leitsätzen für Speiseeis, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegeben werden. Diese Leitsätze legen auch Mindeststandards für bestimmte Eissorten fest:

Cremeeis enthält danachmindestens 50 Prozent Milch und 270 Gramm Vollei oder 90 Gramm Eigelb auf einen Liter Milch, Eiscreme hingegen enthält mindestens 10 Prozent Fett aus der verwendeten Milch.

Sahneeis enthält mindestens 18 Prozent Milchfett aus der bei der Herstellung verwendeten Sahne.

Milcheis enthält mindestens 70 Prozent Milch und wird mit Zuckersirup gesüßt und mit Fruchtmark oder anderen Zutaten aromatisiert.

Fruchteis enthält mindestens 20 Prozent Frucht, Eis mit Frucht hingegen nur zehn Prozent und Eis mit Fruchtgeschmack muss keine Früchte enthalten.

Hersteller von ‚Eiscreme‘ sind nicht verpflichtet, Milch oder Sahne zu verwenden und können nach Belieben Wasser, Luft und Pflanzenfett verarbeiten.

Christopher Gottschalk und Mathilde Böwing

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