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Greifswald Wasserqualität des Rycks ist mangelhaft
Vorpommern Greifswald Wasserqualität des Rycks ist mangelhaft
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04:00 11.06.2013
Im April 2012 fischte das Technische Hilfswerk mehrere Tonnen Müll aus dem Ryck. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Auf den Ryckwiesen grillen, Sonne genießen und zwischendurch zum Abkühlen in den Fluss springen. „Ein Traum, wenn man das ohne Sorge jederzeit machen könnte“, sagt Sabrina Schulz vom Öko-Forschungsprojekt Getidos der Uni Greifswald. Mal abgesehen von der Tatsache, dass Baden im Ryck verboten ist: Ein unbelasteter Fluss sieht anders aus.

„Ich würde das Baden da nicht empfehlen, ganz besonders nicht am Museumshafen“, sagt Dr. Harald Below vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald. Nicht ohne Grund sei der Ryck kein offizielles Badegewässer. „Auch wenn man kein Wasser schluckt — man könnte sich Hautreizungen einfangen.“ Below ist Experte für Umweltgifte und kümmert sich als Gewässerwart im Angelsportverein der Uni auch um die Wassergüte im Ryck. „Der Fluss hat überall eine gewisse Belastung“, sagt er. Und in Häfen gelangten immer Schiffsöl, Diesel, Reste von Farben und anderer Dreck ins Wasser.

Ob die Verschmutzung des Rycks so dramatisch ist, wie Schüler des Greifswalder Jahngymnasiums nach einer Studie meinen (siehe unten), will Below nicht beurteilen. Fest steht: Seit über zehn Jahren gelten in der EU Richtlinien, die bis 2015 alle Flüsse in einen guten ökologischen und chemischen Zustand versetzen sollen. Diese Zielvorgaben hat der Ryck noch nicht erreicht. Das belegen Gewässerproben, die das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (Stalu) einmal im Monat an zwei Stellen im Ryck nimmt — an der Brücke Steinbeckerstraße und auf Höhe Groß

Petershagen.

Die Messergebnisse liegen der OZ vor. Nach einer Klassifizierung, die das Stalu intern verwendet, war der Ryck 2012 bei verschiedenen Werten „deutlich belastet“ (Güteklasse II-III) oder weist sogar eine „erhöhte“ (III) oder „hohe“ Belastung (III-IV) auf. Das Ziel ist eine „mäßige Belastung“ (II). „Keine Frage, zu tun gibt es auch am Ryck noch genug“, sagt Ilona Kühn vom Stalu. Vor allem der Sauerstoffhaushalt sei problematisch.

Laut Harald Below hat der Ryck vor allem ein Problem: An sein Ufer grenzen landwirtschaftliche Flächen. Wenn es regnet oder Überschwemmungen gibt, werden Nährstoffe aus Düngemitteln und Pestizidrückstände ins Wasser gespült. „Ein Nährstoffeintrag bewirkt ein vermehrtes Pflanzen- und Algenwachstum“, erklärt Below. Herrschen dann längere Zeit hohe Temperaturen, bildet sich eine grüne Schicht auf der Oberfläche — der Fluss „euthrophiert“, giftige Blaualgen können auftreten.

Auch der Stadtgraben, in den das Wasser aus den Gullys fließt, könnte Stoffe in den Ryck schwemmen — das Salz des Winterdienstes etwa. Was vor einigen Jahren das extreme Fischsterben im Ryck verursacht hatte, sei aber nie geklärt worden, sagt Below. Ingolf Zölfel vom Umweltamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald sieht die Behörden in einem Dilemma: „Wir können nie ausschließen, dass irgendwas illegal eingeleitet wird“, sagt er. Es müsse ja nur ein Skipper seine Schiffstoilette ausleeren, schon seien vorübergehend Fäkalbakterien in zu hoher Konzentration drin. Laut dem Stalu wurden 2009 im Ryck auch Arzneimittelrückstände gefunden. Wo sie herkamen, weiß bis heute keiner.

Und dann ist da noch dieser Müllberg, der jedes Jahr von Freiwilligen aus dem Ryck gefischt wird. Zehn Kubikmeter waren es 2012. „Da wurden ja schon haufenweise Fahrräder herausgeholt“, erinnert sich Below. Auch Flaschen, Plastikteller oder Essensreste würden oft achtlos versenkt. Schlecht für Flora und Fische. „Bei Fahrrädern kann sich Öl von der Kette und den Radlagern lösen.“ Plastik enthalte Weichmacher, Essensreste seien eine biologische Belastung.

Sabrina Schulz vom Forschungsprojekt Getidos sagt, um den Ryck sauber zu bekommen, müssten die Landwirte in Ufernähe auf Düngemittel und Pestizide verzichten. Aber auch Einzelne könnten etwas tun. Zusammen mit anderen Naturschützern in ganz Deutschland ruft sie am 16. Juni wieder zur Aktion „Big Jump“ auf: Zeitgleich an vielen Orten wollen Jugendliche in Flüsse oder Seen springen, um auf den Gewässerschutz aufmerksam zu machen — in Greifswald am Museumshafen. „Wenn man weiß, dass man da reinspringen will und dann sieht, wie jemand seine Bierflasche hineinwirft, berührt einen das gleich ganz anders“, sagt Schulz.

Die Aktion „Big Jump“
Ab ins Wasser! Am 16. Juni um 15 Uhr ruft die Greifswalder Forschungsgruppe Getidos dazu auf, innerhalb der „Big Jump Challenge“ am Museumshafen in den Ryck zu springen. Mindestens 20 weitere Gruppen in ganz Deutschland wollen an diesem Tag in Seen und Flüssen baden gehen und damit Welle machen für den Gewässerschutz.

In Greifswald ist ab 12 Uhr ein regelrechtes Umwelt-Festival am Museumshafen geplant: Mit einem Brunch klärt der Nabu darüber auf, hinter welchen Lebensmitteln Wasserverschwendung steckt. Mitarbeiter von Getidos wollen Passanten nach ihrer Einstellung zum Ryck befragen. Greenpeace informiert über Ölbohrungen in der Region.

Die „Big Jump Challenge“ ist die Jugendkampagne zum Europäischen Flussbadetag. Einen Film zum Thema gibt es auf der Homepage von Getidos.

Infos: www.bigjumpchallenge.net

Der Ryck hat überall eine gewisse Belastung.“Dr. Harald Below, Institut für

Hygiene und Umweltmedizin der Uni

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