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Greifswald Greifswalder Station wird als letzte automatisch
Vorpommern Greifswald Greifswalder Station wird als letzte automatisch
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12:23 01.06.2019
Stationsleiter Hartmut Redmer auf dem Dach der Station. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur noch eine Station des Deutschen Wetterdienstes, die rund um die Uhr besetzt ist. Es ist die in Greifswald am St. Georgsfeld. Hier wurde 1977 die gesamte Wetterbeobachtung in der Hansestadt konzentriert.

Es gibt noch kein festes Datum, aber die Station werde im zweiten Halbjahr 2020 auf automatischen Betrieb umgestellt, informiert Gertrud Noeth. Sie ist die Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD), einer Bundesbehörde. Die Radiosonden, die am St. Georgsfeld zweimal täglich starten, werden dann automatisch befüllt und abgeschossen. „Das hat sich in ganz Deutschland bewährt“, sagt Noeth. „Unsere gesamte Technik bleibt vor Ort.“

Geräte werden weiter gewartet

Regenmenge, Sonnenscheindauer, Luftdruck, Sichtweite, Windstärke Temperaturen und anderes mehr werden dann ab dem nächsten Jahr nur noch von Automaten registriert. Ein Dienstleister werde das Gelände in Ordnung halten, die Geräte werden regelmäßig gewartet, so Noeth. Nur die unmittelbar an der Station stehenden Bäume haben der Greifswalder Station einen so langen Aufschub verschafft. Der DWD befürchtete, dass die Wetterballons dort hängen bleiben.

DWD: Kein Qualitätsverlust bei Daten

Protest gegen die Schließung kommt von der Pommerschen Landsmannschaft. „In Vorpommern werden qualifizierte, gut bezahlte Arbeitsplätze benötigt, begründet Sprecher Volker Stübs. „Unsere Tourismuswirtschaft benötigt exakte Daten.“

„Die Daten werden auch danach genauso exakt sein wie bisher“, versichert Noeth. Dazu tragen Satelliten, Wetterradargeräte und ehrenamtlich betreute Messstationen bei. Im Internet sind alle Daten abrufbar. „Wir verfolgen mit der Umstellung auf automatischen Betrieb in ganz Deutschland eine langfristige Strategie.“ Nur 16 Wetterwarten an Flugplätzen blieben in Deutschland zunächst noch mit Menschen besetzt.

Rudolf Kemnitz von der Greifswalder Wetterwarte lässt den Wetterballon steigen Quelle: Peter Binder

Kein Greifswalder Mitarbeiter werde entlassen, sondern anderweitig eingesetzt, versichert die Sprecherin. „Es geht nicht um Einsparungen, sondern um die Erfüllung zusätzlicher Aufgaben, die der Bund dem DWD übertragen hat.“ Ein Beispiel sei die Überwachung der Kohlendioxidkonzentration in der Luft, die Messung möglicher Veränderungen.

Am St. Georgsfeld arbeiten gegenwärtig noch sieben Kollegen in 12-Stunden-Schichten. Stationsleiter Hartmut Redmer wurde 1955 geboren, erreicht also im nächsten Jahr noch nicht das gesetzliche Rentenalter, um mit dem Ende der Greifswalder Station in den Ruhestand zu gehen. Er fragt sich nun wie fünf andere Kollegen, die zum Teil von weither – aus Leipzig, Rostock und Neubrandenburg – nach Greifswald pendeln, wo er künftig eingesetzt wird. Eine Kollegin erreicht das Rentenalter.

Für Redmer ist Wetterbeobachtung ein Traumjob. „Ich gehe gern zur Arbeit.“ Der gebürtige Greifswalder wurde ab 1972 beim Meteorologischen Dienst in Potsdam ausgebildet, wollte aber von Anfang an in die Hansestadt zurück. „Damals haben wir in Greifswald noch alles selbst gemessen und ausgewertet.“

Als der Rechenstab im Einsatz war

Auf Millimeterpapier wurde beispielsweise der Temperaturverlauf gezeichnet und mit dem Rechenstab gerechnet. Heute erstellen Rechner Diagramme, berechnen Kurven und speichern die Daten ab. Die Technik stammte in der DDR aus der Sowjetunion und wurde bis 1992 genutzt. Seither setzt der DWD auf finnische Innovationen.

KKW hatte eigenes Messnetz

„Einen Rechenstab habe ich noch zu Hause“, erzählt der Stationsleiter. In der Station arbeiteten in der DDR noch 12 bis 15 Leute. „Wir hatten stramm zu tun“, sagt er. „Auch in der Nacht sollten schnell Werte zur Verfügung stehen.“ Beim exakten Zeichnen bei Kunstlicht habe er sich die Augen „verdorben“. Auch die Radioaktivität wurde damals schon gemessen, wenn auch nicht in dem Umfang wie heute. „In den 1970er-Jahren erfolgte das noch in Wieck“, so Redmer. Das Kernkraftwerk Lubmin baute dann ein eigenes Messnetz auf. „Die haben versucht, Leute abzuwerben“, erzählt Redmer. Die Radioaktivitätswerte waren geheim, die Mitarbeiter zur Verschwiegenheit verpflichtet. Heute könne sich jeder informieren.

An größere Pannen kann sich der Wettermann nicht erinnern. „Auch im Katastrophenwinter 1978/79 bin ich pünktlich zur Arbeit gekommen“, erzählt Hartmut Redmer. „Ich fuhr mit dem Fahrrad von meiner Wohnung hierher, habe es auch mal über Schneeewehen geworfen. Ein Auto hatte ich damals nicht.“ Nicht ein einziger Sondenaufstieg sei ausgefallen.

Das soll auch künftig so sein, versichert Gertrud Noeth.

Geschichte

Kontinuierliche Wetterbeobachtungenerfolgen in Greifswald seit 1898, zunächst im Physikalischen Institut.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch in Wieck eine Wetterwarte etabliert und 1936 für die Aerologie und Flugberatung auf dem Flugplatzgelände in Ladebow errichtet.

Nach Kriegsendewurde am 1. April 1946 im Gebäude des Hafenamtes in Wieck die Wetterbeobachtung wieder aufgenommen. Gemessen wurde später auch an anderen Standorten, bevor 1977 die Konzentration am St. Georgsfeld erfolgte. Damals war der Meteorologische Dienst der DDR zuständig.

Seit 2002die natürliche und künstliche Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag gemessen. Dem DWD wurde damals diese Aufgabe übertragen.

Eckhard Oberdörfer

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