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Greifswald Widerstand gegen neue Mobilfunk-Masten im Raum Greifswald
Vorpommern Greifswald Widerstand gegen neue Mobilfunk-Masten im Raum Greifswald
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12:04 26.08.2019
Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern Quelle: dpa/Jens Büttner
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Greifswald

Einen super Mobilfunkempfang an jedem Ort – den wollen zumindest alle Smartphonenutzer. Aber in der Realität gibt es in Vorpommern-Greifswald jede Menge Funklöcher. Und das 5G-Netz bringt neue Herausforderungen.

„Wir wollen bei 5G dabei sein“, betonte Landrat Michael Sack (CDU) auf der Digitalisierungskonferenz in der Greifswalder Mensa. Das sei auch Voraussetzung, um kreative Köpfe aus den überfüllten Ballungszentren in die Idylle Vorpommerns zu locken.

Durchschnittlich zwei Masten im ganzen Kreis

Allerdings ist das nicht so einfach. Mobilfunkbetreiber hätten Schwierigkeiten, Grundstücke für die Aufstellung der Masten zu bekommen, sagte Michael Sack. „Wer die Digitalisierung will, der muss Masten akzeptieren“, so der Landrat. Die Zahl neuer Masten ist sehr bescheiden. „In den vergangenen Jahren wurden durchschnittlich zwei Anträge auf Baugenehmigung gestellt“, informiert Kreissprecher Achim Froitzheim auf OZ-Nachfrage. „Eine Baugenehmigung ist bei Masten von mindestens zehn Metern Höhe nötig.“ Mobilfunkanbieter nutzen bekanntlich auch hohe Gebäude, zum Beispiel Kirchtürme.

Noch ist das 4G-Netz, das Netz der vierten Generation, löchrig. Um Anreize für die Schließung der Löcher zu schaffen, kreiere das Land gerade ein Förderprogramm für den Funkmastbau, heißt es seitens des Infrastrukturministeriums.

Vodafone: 95 Prozent Netzabdeckung

Vodafone (D2-Netz) hat in Vorpommern-Greifswald 106 Mobilfunkstandorte, so Sprecher Tobias Krzossa. Beim 3G-/4G-Standard werden knapp 95 Prozent Netzabdeckung erreicht. Sein Unternehmen wolle bis Mitte nächsten Jahres 45 Projekte zur Nutzung des fortgeschrittenen Mobilfunkstandards LTE, also schnelles mobiles Internet, in Vorpommern-Greifswald umsetzen. LTE ermöglicht deutlich höhere Downloadraten, die nach dem Ausbau zusätzlich etwa 1800 Haushalten zugute kämen.

Darauf setzt auch Telefonica (O2). Bundesweit habe Telefonica Deutschland im letzten Jahr 8700 Anlagen gebaut, in diesem sollen es etwa 10 000 sein, so Sprecher Jörg Borm. Der ländliche Raum und damit auch MV sei ein Schwerpunkt, sagt er, ohne konkreter zu werden.

Telekom: Versorgung weitestgehend gut

Alle, die in Greifswald und Umgebung das D1-Netz nutzen, „sind weitestgehend sehr gut versorgt mit Mobilfunk“, sagt Telekomsprecher Georg von Wagner. Dennoch werde das Programm zum Ausbau des Mobilfunks auch hier fortgesetzt.

Das Unternehmen plane, in den kommenden Monaten vier neue Mobilfunkstandorte aufzustellen. „Dabei sollen vor allem die ländlichen Bereiche noch besser mit Mobilfunk versorgt werden“, so von Wagner. Konkret sind das Klein Kieshof, Dersekow, Guest und Diedrichshagen. In Wackerow entscheidet die Gemeindevertretung am 28. August in nichtöffentlicher Sitzung, ob sie dem Neubau eines 50 Meter hohen Mastes für eine Mobilfunkstation in der Gemarkung Kieshof befürwortet oder nicht.

Über die Genehmigung entscheidet letztlich der Kreis. Es gibt große Vorbehalte und Befürchtungen in Wsackerow. „Wir nehmen die Bedenken der Bürger ernst“, sagt Bürgermeister Torsten Maß (Wählergemeinschaft). Er kritisiert, dass auf dem Grundstück einer Privatperson gebaut werden soll. Dadurch profitiere die Gemeinde nicht von Telekomgeldern, so Maaß. Der Grundstücksbesitzer kann die Kritik nicht verstehen. Alle meckerten über schlechten Empfang, seien dann aber gegen Masten in der Nachbarschaft.

Bürgermeister: Gemeinden in Planung einbeziehen

Der Dersekower Bürgermeister Robert Lossau (CDU) plädiert für eine frühzeitige Einbeziehung der Gemeinden in Standortplanungen, um die Zahl der Masten zu minimieren. Im Fall Dersekows könnte dieser durch Abstimmung mit dem Nachbarn Süderholz gefunden werden.

Vor zwölf Jahren war in der Gemeinde Dersekow der letzte Bauantrag für einen Mast gestellt worden, 2017 in Wackerow, informiert der Leitende Verwaltungsbeamte von Landhagen, Heiko Burgas. Die Gemeinden hätten sich für das gemeindliche Einvernehmen entschieden. Bauanträge für Guest und Diedrichshagen wurden bisher nicht gestellt. „Von den Vorhaben ist mir nichts bekannt“, so Bürgermeisterin Janina Jeske. Heiko Burgas geht von einer steigenden Anzahl von Anträgen aus, wenn das Land Fördermittel ausreicht.

Im Amt Lubmin habe es bisher nur Ablehnungen wegen bestimmter Standorte gegeben, sagt Bauamtsleiterin Martina Hoffmann. Generell begrüßten die Gemeindevertretungen neue Masten für besseren Empfang.

Debatte um Gesundheitsgefährdung

Für die nächste Mobilfunkgeneration 5G ist ein deutlich dichteres Netz der Masten nötig. Ist die 5G-Strahlung tatsächlich krebserregend? In den Internetsuchmaschinen soll das eine der häufigsten Anfragen überhaupt sein. „Dazu liegen uns keine Erkenntnisse vor“, sagte Mario Kokowsky auf der Digitalisierungskonferenz. Er ist der Geschäftsführer der Greifswalder Firma DEN Netzbau. Das Unternehmen plant Transport- und Zugangsnetze für Mobilfunkbetreiber und Infrastrukturunternehmen und ist international tätig.

Kokowsky sieht keine Belastungen der Menschen durch das 5G-Netz. Probleme könnte aber die Mobiltelefonnutzung mit sich bringen, so Kokowsky. Experten empfehlen bekanntlich, das Handy möglichst selten direkt an den Kopf zu halten.

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Von Eckhard Oberdörfer

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