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Greifswald Wie barrierefrei ist die Hansestadt?
Vorpommern Greifswald Wie barrierefrei ist die Hansestadt?
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10:20 04.12.2019
Rainer Garlow (Mitte) nimmt seinen Preis für sein Engagement für Gehörlose entgegen. Eine Premiere gab es für Benny Bernhardt, der zum ersten Mal als neuer Behindertenbeauftragter (l.) die Auszeichnung vergeben durfte. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Man müsse sich gegenseitig helfen, das sei ein Naturgesetz, sagte einst der französische Schriftsteller Jean de La Fontaine. Für ihr Engagement, anderen Menschen zu helfen, wurden am Dienstagabend Menschen und Unternehmen von der Stadt ausgezeichnet. Die feierliche Laudatio findet seit vielen Jahren am internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen (3. Dezember) statt. Die diesjährigen Geehrten setzten sich insbesondere für die Belange von gehandicapten Greifswaldern ein.

Darunter das Unternehmen Teleperformance, das eine Schwerbehindertenvertretung hat und derzeit zwölf Menschen mit Handicap beschäftigt. Damit liege der Betrieb zwei Prozent über der gesetzlich vorgeschriebenen Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderungen, die derzeit bei fünf Prozent liegt. Seit 2007 ist Rainer Garlow Sozialberater für Gehörlose und Hörgeschädigte. Er ist, obwohl bereits in Rente, Leiter des Hör- Kompetenzzentrums Greifswald. Garlow machte sich unter anderem für besondere Rauchmelder in Mietwohnungen von Hörgeschädigten stark, ohne dass dies zusätzliche Kosten für den Mieter verursacht.

Gehandicapte Menschen: Stadt rüstet in den kommenden Jahren auf

Gisela Klein erhielt ihre Auszeichnung für ihr fast drei Jahrzehnte langes Engagement. Klein arbeitete in der Kita Lomonossowallee, die eine Diagnostik-Gruppe förderte. Anfang der 90er wurde daraus eine integrative Kindertagesstätte und Klein später die Leiterin. Geehrt wurde Klein unter anderem dafür, dass sie sich für den Aufbau der Aktion Sonnenschein einbrachte. Seit mehreren Jahren organisiert Regina Giermann, Leiterin der Kita Zwergenland, ehrenamtlich zusammen mit ihren Mitarbeitern ein Kinderfest, das die Einheit von Jung und Alt, von Familie und Alleinlebenden sowie von Menschen mit und ohne Handicap symbolisiere. Dafür erhielt sie am Dienstagabend die Auszeichnung.

Die Hansestadt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Auch für Menschen mit Handicap hat sich einiges getan: Am Museumshafen gibt es barrierefreie Wege, die sich bis in die Knopfstraße ziehen. Vor der Fußgängerbrücke aufseiten der Stadt beginnt das Blindenleitsystem in Richtung Markt. Das Stadthaus bietet zwei barrierefreie Eingänge, einige Geschäfte in der Innenstadt verfügten über Rollstuhlrampen, die sie als Leihgabe vom Greifswalder Behindertenforum erhalten haben. An einigen Bushaltestellen gibt es automatische Ansagen. Zudem wurden zwei neue Gelenkbusse eingeführt, die besonders für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen gut geeignet seien. Initiiert wurden die Veränderungen von der AG „Barrierefreie Stadt“, die sich aus Politikern, Menschen mit Behinderungen und verschiedenen Einrichtungen zusammensetzt.

„Auf der Südseite Ryck soll eine Promenade entstehen. Auch dort soll das Blindenleitsystem fortgeführt werden. Ebenso wird auch die Hafenstraße nach den Bauarbeiten in einen besseren Zustand versetzt“, kündigte der neue Behindertenbeauftragte Benny Bernhardt an. Im Innenbereich der Stadtbibliothek sei zudem ein Aufzug und eine neue Toilette geplant, so Bernhardt weiter.

Weniger bürokratische Hindernisse wünschenswert

Christiane Baller vom Verein Lebenshilfe Greifswald ist Vorstandsmitglied im Allgemeinen Behindertenverband MV. „Greifswald ist offen. Nichtsdestotrotz gibt es noch Menschen, die verschiedene Sichtweisen haben.“ Zwar gebe es noch nicht überall in den Geschäften barrierefreie Zugänge, „doch im Einzelnen sind sie dafür offen“, so Baller, die nicht verlangt, dass alles sofort umgesetzt wird. „Aber wir müssen dafür sorgen, dass Menschen im Rollstuhl überall hinkommen. Das gilt ebenso für Familien mit Kinderwagen und für ältere Menschen.“ Dafür würde sie sich über weniger bürokratische Hindernisse freuen.

Auch Jan Gloger, stellvertretender Vorsitzender der AG „Barrierefreie Stadt“, ist über die Entwicklung Greifswalds für Menschen mit Behinderungen positiv gestimmt. Dennoch seien es vor allem die kleinen Dinge, die mehr Beachtung finden sollten, sagt Gloger, der selbst auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen ist. „Etwas getan werden muss an einigen Bushaltestellen wie in der Anklamer Straße oder an der Wiecker Brücke.“ Optimal seien diese für Rollstuhlfahrer noch nicht. Aber auch das ist eine Aufgabe der AG „Barrierefreie Stadt“.

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