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Greifswald Wie die Greifswalder ABS Menschen mit Behinderungen hilft
Vorpommern Greifswald Wie die Greifswalder ABS Menschen mit Behinderungen hilft
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11:15 16.05.2019
Die Teilhabeberater Sigrid Klewer und Axel Zilski (hinten) kümmerten sich um die kleine Familie um den einjährigen Lukas und seinen Eltern Susann Schmidt und Axel Gamradt. Quelle: Christin Lachmann
Greifswald

Für seine Eltern ist Lukas ein kleines Wunder: Die Chance, dass seine Mutter nach einer Krebserkrankung schwanger werden konnte, glich einem Münzwurf. Heute ist Lukas ein Jahr alt. Der quirlige kleine Mann ist das größte Geschenk für seine Eltern. Doch schon die ersten Lebensmonate gestalteten sich für die kleine Familie schwierig. Mit fünf Monaten wurde bei Lukas Nystagmus diagnostiziert. Eine Erkrankung, die zu unkontrollierten Augenbewegungen führt. Häufig geht sie mit Sehstörungen einher.

Bei Lukas wurde in der Greifswalder Uni-Klinik eine Sehstörung von Minus zwölf und Minus 14 Dioptrien festgestellt. Er ist somit fast blind. Außerdem sei er nacht- und farbenblind, sagt sein Vater Axel Gamradt. Die Diagnose ließ die Familie aus Wolgast hilflos zurück, erklärt Susann Schmidt (29), Mutter des kleinen Lukas: „Wir wussten überhaupt nicht, was wir machen sollen und niemand konnte uns sagen, wo wir hinkönnen.“

Kostenlose Teilhabeberatung bei der ABS

Durch eine Beratung bei einem Optiker bekam die Familie die Adresse der Gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeitsförderung, Beschäftigung und Strukturentwicklung mbH, kurz ABS genannt. Seit einem Jahr bietet die ABS Angebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) an.

Es ist eine kostenlose Beratungsstelle, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, für Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen sowie deren Angehörigen. Beantragung von Leistungen zur Rehabilitation, Wege zu einem selbstbestimmten Leben, Teilhabe am Arbeitsleben oder Angehörigenberatung sind nur einige Punkte auf der Agenda der zwei Mitarbeiter.

Zurück ins Arbeitsleben

Über 100 Menschen haben Sigrid Klewer und Axel Zilski seit Beginn beraten. Die Sprechstunden findet unter anderem im Haus der ABS in Eldena statt. Auch Hausbesuche bieten die Mitarbeiter an. Meistens, erklärt der 40-jährige Zilski, folgen nach dem ersten Gespräch drei bis vier weitere. Die Greifswalder ABS verfüge über einen großen Pool an verschiedenen Netzwerkpartnern. Es ist eine der wichtigsten Grundlage bei der Arbeit der Teilhabeberater. Durch dieses können Klewer und Zilski bereits einige Erfolgsgeschichten vorweisen.

Wie der Fall einer jungen Frau, heute Anfang 30. Seit einem Autounfall ist sie körperlich beeinträchtigt. „Sie wollte aber wieder zurück ins Arbeitsleben“, sagt die 65-jährige Klewer. Die Teilhabeberater konnten sie erfolgreich vermitteln. Heute arbeitet sie als Büroassistentin in einem Autohaus.

Bei der ABS selbst arbeiten sieben Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen. Geschäftsführerin Doreen Au weiß, welche Kompromisse Arbeitgeber eingehen, wenn sie Menschen mit Behinderungen beschäftigen: Spezielle Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitstellen sind nur ein Teil. „Zwar gibt es die Pflichtquote, dennoch sollten sich mehr Arbeitgeber trauen, Menschen mit Handicaps einzustellen“, so Au.

Ein ganz normales Leben

Ein Unfall, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall: Es sind Dinge, die das Leben von jetzt auf gleich verändern. Nicht nur für die Betroffenen, auch für die Angehörigen sind solche Schicksalsschläge, schwer zu verkraften. Das wissen die Teilhabeberater, die sich um Themengebiete wie Pflege, Betreuung oder Recht kümmern, ganz genau. Denn beide haben selbst ein Handicap.

Lukas gehört zu den jüngsten Klienten. Vor wenigen Wochen bekam er seine erste Brille. Die Krankenkasse übernahm 80 Prozent der Kosten. Mit circa 150 Euro beteiligten sich die Eltern. „Nachdem wir mit einem Arzt gesprochen haben, hoffen wir, dass die Dioptrien-Werte doch nicht so hoch sind. Das könnte nämlich möglich sein, sagte uns der Arzt“, erklärt Mutter Susann Schulz.

Im Fall von Lukas wendeten sich Klewer und Zilski an verschiedene Einrichtungen. Unter anderem an den Blinden ­und Sehbehinderten­verein MV. Lukas geht heute in eine reguläre Kita zusammen mit nicht beeinträchtigten Kindern. Für ihren Sohn wünscht sich seine Mutter ein möglichst normales Leben: „Es soll ihm einfach gut gehen.“

Sprechzeiten und Kontakt

Sprechzeiten Montag bis Mittwoch 7 bis 16 Uhr Donnerstag 7 bis 18 Uhr Freitag 7 bis 12 Uhr

Adresse: ABS gGmbH, An der Klosterruine 6, 17493 Greifswald Kontakt: 03834 / 830826

Christin Lachmann

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