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Greifswald Ein wilder Wald bei Greifswald
Vorpommern Greifswald Ein wilder Wald bei Greifswald
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16:31 09.07.2019
Sabine Lichtnau, Sabrina Rilke und Eva Goldbach (von links) arbeiten für das Karlsburg-Oldenburger Holz Quelle: Eckhard Oberdörfer
Karlsburg

Auf einer Wiese stehen acht Rothirsche, Wasserfedern blühen prächtig auf einem Teich, Sumpfdotterblumen sorgen für kräftige gelbe Farbtupfer. Ein prächtiges Exemplar eines Käfers namens Balkenschröter krabbelt durch das Bild. Das Naturschutzgebiet „Karlsburger und Oldenburger Holz“ lässt Besucher ins Schwärmen geraten und Naturschützer sowieso, zeigen die eindrucksvollen Bilder des Nabu. Das Gebiet gehört zum Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Ostvorpommersche Waldlandschaft und Bredowbach und damit zum europäischen Netzwerk Natura 2000.

Seit knapp 15 Jahren betreut der Nabu-Kreisverband Greifswald hier etwa 250 Hektar. 2004 hatte die Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) dem Nabulandesverband MV die Flächen übernommen. Das ist etwa ein Drittel des gesamten Naturschutzgebietes. Darüber hinaus wurden Flächen erworben.

Wiedergeburt vorpommerscher Wälder

„Der Wald ist wilder geworden“, sagt die Biologin Sabrina Rilke. „Es sind auch die Erfolge beim Umbau in einen Mischwald sichtbar.“ Das heißt, es gibt weniger reine Nadelwälder und stattdessen vorpommern-typische Wälder. Zwischen 1945 und 1990 waren viele fremdländische Baumarten wie Fichte, Sitkafichte, Douglasie und Roteiche, angebaut worden.

Damit die jungen Laubbäume ungestört wachsen können, wurden Wildgatter angelegt. So wird gewährleistet, dass sie nicht zur Nahrung von Hirsch und Co. werden.

Sabrina Rilke fasst gegenwärtig mit der Landschaftsökologin Sabine Lichtnau die Ergebnisse der zweiten Kartierung nach der Übernahme des Gebietes zusammen. Dritte im Bunde ist Eva Goldbach, die Agrobiologie studiert hat, nun als Ergotherapeutin arbeitet und sehr an der Natur interessiert ist.

Erfolgreiches Entwicklungskonzept

2005 bis 2007 erfolgte eine erste umfassende Erfassung des Bestandes, so wurden der Zustand und Sonderstrukturen von mehr als 3000 Bäumen ebenso dokumentiert wie die Verjüngung, also der Baumnachwuchs und die zugehörige Vegetation erfasst. Das war Grundlage eines Entwicklungskonzeptes. „Wir konnten mehr Ehrenamtliche dafür gewinnen als erwartet“, freut sich Sabrina Rilke. Eva Goldbach hat sich besonders um die Säugetiere im Naturschutzgebiet gekümmert. Auch Marder, Eichhörnchen und Marderhunde leben hier.

Durch eine Förderung der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung aus Erträgen der Bingolotterie wurde die Bestandsaufnahme 2018/19 möglich. „17 Helfer waren dabei“, erzählt Sabine Lichtnau. Dabei wurden unter anderem über 60 Bäume mit besonderen Wuchsformen erfasst. Die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Förster sei sehr gut, betonen die Nabu-Mitarbeiter. Es sei auch viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet worden.

Freie Wiesen für Schreiadler

„Wir haben auch Wiesen gemäht“, berichtet Sabrina Rilke. Denn die Reste der Feuchtwiesen waren zum Teil in einem schlechten Zustand. Sie waren lange Zeit weder gemäht noch beweidet worden. Viele Wiesenpflanzenarten wuchsen nur noch auf sehr kleinen Flächen, zum Beispiel an Grabenrändern. Die Mahd der Wiesen ist gut für Schreiadler. Die großen Vögel benötigen für ihre Jagd übersichtliche Wiesen. „Das ist so wie bei Störchen, die hinter Mähdreschern herlaufen“, beschreibt Rilke. „Leider hat das noch nicht zu mehr Schreiadlern im Gebiet geführt.“

Eine Chance für die Eschen

Die von den Nabuleuten immer wieder hervorgehobenen großen Hirschbestände lassen sich unter anderem gut auf Freiflächen beobachten, die durch das großflächige Eschensterben entstanden sind. Die Eschen werden durch den Pilz „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ geschädigt, in der Folge sterben Bäume in ganz Europa ab.

Im Naturschutzgebiet lässt man der Natur freien Lauf. Vielleicht sei das eine Chance für die Eschen, meint Sabrina Rilke. Forstwirte fällen in Wirtschaftswäldern die Bäume, darunter auch die, die möglicherweise Resistenzen gegen den Pilzbefall herausgebildet haben. Ob das so ist, lasse sich gegenwärtig noch nicht sagen. Es ist aus anderen Wäldern bekannt, dass es (wenige) resistente Bäume gibt. Auch das Eschensterben wurde im Naturschutzgebiet genau dokumentiert.

Eckhard Oberdörfer

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