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Greifswald Wird die Greifswalder Innenstadt Silvester böllerfrei?
Vorpommern Greifswald Wird die Greifswalder Innenstadt Silvester böllerfrei?
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15:04 06.03.2019
Silvester 2018 am Museumshafen in Greifswald Quelle: Peter Binder
Greifswald

Silvester muss es knallen? Nein, sagen immer mehr Städte und Gemeinden und weisen böllerfreie Zonen aus. Nun soll nach dem Willen der SPD-Bürgerschaftsfraktion auch Greifswald nachziehen – vorausgesetzt die Einwohner wollen das.

Die Sozialdemokraten haben dazu eine entsprechende Bürgerschaftsvorlage erarbeitet, die derzeit die Ortsteilvertretungen und Ausschüsse durchläuft. „Weniger Feuerwerk in Greifswald würde die Feinstaubbelastung, das Müllaufkommen und die Lärmbelästigung für die Bürger senken“, argumentiert SPD-Fraktionschef Andreas Kerath. Den Anstoß für die Initiative hätten Gespräche mit genervten Bürgern gegeben, die Feuerwerke zunehmend als Belastung empfinden würden.

Bürgerbefragung zum Thema geplant

Die Entscheidung darüber, ob überhaupt und wenn ja,welche Zonen in der Stadt als feuerwerksfrei ausgewiesen werden, sollte die Stadt nicht von oben herab, sondern im Dialog mit den Greifswaldern treffen, so Kerath weiter. Deshalb regt die Fraktion zunächst eine Bürgerbefragung zu dem umstrittenen Thema an. Zudem solle die Stadt neben den rechtlichen Grundlagen auch prüfen, inwieweit Lösungen aus anderen Städten und Regionen übertragbar sind. In der Hansestadt sind das Areal am Museumshafen, der Markt und die Stadtteile Schönwalde I und II Epizentren ausgelassener Silvesterknallerei – zum Leidwesen von Hundebesitzern oder derer, die einfach eine besinnlichere Variante des Jahreswechsels bevorzugen.

Hannover hatte zum Jahreswechsel 2018/2019 als eine der ersten Städte Feuerwerke aus Teilen der City verbannt. Die Stadt zog danach ein positives Fazit: Die Stimmung sei deutlich entspannter als in der Vorjahren gewesen, die Menschen hätten ohne Angst vor gefährlichen Situationen durch Feuerwerkskörper gefeiert, so der Hannoveraner Ordnungsdezernent Axel von der Ohe. Allerdings klagten Händler über sinkende Umsätze. In anderen Städten wie Tübingen oder Quedlinburg sind Knaller wegen der alten und leicht entzündbaren Häuser schon länger aus der Altstadt verbannt. Die Greifswalder Bevölkerung zeigt sich gespalten.

1,4 Tonnen Müll am Neujahrstag in Greifswald

Die SPD geht davon aus, dass sich mit einem Böllerverbot der Müll reduzieren lässt. Nach der letzten Silvesternacht sammelten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs sowie einer beauftragten Firma insgesamt 2,8 Tonnen Silvestermüll ein – allein am Neujahrsmorgen kamen 1,4 Tonnen zusammen. Hotspots waren dabei nach Angaben der Stadt die Nordseite des Museumshafens und die Stadtteile Schönwalde I und II.

Müll an den Treppen des Museumshafens nach der Silvesternacht Quelle: Pressestelle der Stadt

Die Feinstaubbelastung scheint im Nordosten Deutschlands jedoch nicht das große Problem zu sein. Eine Karte des Umweltbundesamtes weist die bundesweite Partikelkonzentration vom 1. Januar 2018 in der Stunde nach dem Jahreswechsel aus: Vorpommern gehört mit etwa 10 Mikrogramm je Kubikmeter zu den Regionen mit den niedrigsten Werten. Dicke Luft herrscht vor allem in den Ballungsgebieten wie Hamburg, Berlin, dem Ruhrpott und München.

Besitzern von Reetdach-Häusern bangen jedes Jahr

Der Ortsteilvorsitzende von Greifswald-Wieck, Bernd Lieschefsky, begrüßt persönlich den Vorstoß. Die Bewohner der reetgedeckten Häuser würden jedes Jahr in der Silvesternacht um ihre Immobilien bangen. Denkbar wäre, Feuerwerke nur auf einem zentralen Platz in Wieck zu zünden, so seine persönliche Meinung. Einen ähnlichen Vorstoß habe es bereits gegeben, er sei aber von der Stadt nicht weiter verfolgt worden, bedauert er. Um das Feuerrisiko zu minimieren, schoben in den vergangenen Jahren Kameraden der Feuerwehr Brandwachen in Wieck und Riemser Ort.

Von größeren Schäden blieb Greifswald in der letzten Silvesternacht verschont. Nach Angaben der Berufsfeuerwehr mussten lediglich einige wenige brennende Müllcontainer und Feuerwerksreste gelöscht werden. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Zehn Prozent mehr Einsätze bei der Feuerwehr

Wie es von der Berufsfeuerwehr weiter hieß, erhöhen sich zum Jahreswechsel die Einsatzzahlen um etwa zehn Prozent. Die vermehrten Einsätze blieben aber nicht allein auf die Silvesternacht beschränkt, sondern verteilten sich auf den Zeitraum vom 28. Dezember bis 4. Januar. Auf die Frage, ob man durch böllerfreie Zonen einen Rückgang der Einsätze erwarte, gab es zunächst keine Antwort.

Nach dem Willen der SPD sollte sich die Bürgerschaft noch vor der Kommunalwahl positionieren, damit die Stadt eine Befragung einleiten und gegebenenfalls beim Landkreis einen Antrag auf Ausweisung böllerfreier Zonen stellen kann. Denn dieser ist für die Genehmigung zuständig. Sollten zudem die rechtlichen Fragen geklärt sein, könnte eine Beschränkung des Feuerwerks bereits zum Jahreswechsel 2019/2020 greifen.

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Martina Rathke