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Greifswald Wohnungsgenossenschaft erhöht Mieten
Vorpommern Greifswald Wohnungsgenossenschaft erhöht Mieten
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16:19 18.01.2019
Auf tausende Mitglieder der Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald kommt 2019 eine Mieterhöhung zu. Quelle: Arco Images
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Greifswald

Mit der Entscheidung wurde intern lange gerungen. Nun steht sie fest: Die Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald (WGG) erhöht in diesem Jahr für einen Großteil ihrer Mitglieder die Miete – maximal um fünf Prozent. Betroffen sind etwa 3800 Wohnungen in allen Greifswalder Stadtteilen – und damit über die Hälfte aller WGG-Wohnungen. „Die kleinste Erhöhung beträgt vier Euro pro Wohnung und Monat, die höchste 20 Euro“, sagt Vorstandsvorsitzender Jan Schneidewind. Bei 70 Prozent der Wohnungen werde die Erhöhung zwischen 8 und 16 Euro liegen. Und Schneidewind erklärt: „Es handelt sich hierbei nicht um eine Modernisierungs-Mieterhöhung, sondern um eine Erhöhung der Grundnutzungsgebühr bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete.“ Maßgebend sei der Mittelwert des Greifswalder Mietspiegels. Das Gesetz lasse dies zu.

„Das ist die erste Anpassung seit 1990“, betont Klaas Schäfer, der Kaufmännische Vorstand. Um den Kostensteigerungen im Handwerk, bei der Entsorgung, im Brandschutz und anderen Bereichen Rechnung zu tragen, sehe sich das Unternehmen zu diesem Schritt gezwungen. Ein anderer Grund sei der Instandhaltungsstau: „Viele unserer Objekte sind in die Jahre gekommen, bedürfen dringend einer Sanierung. Ob Fassaden, Treppenhäuser oder Bäder –ein Großteil unseres Bestandes ist davon betroffen“, sagt Schäfer.

Das betrachtet auch Prof. Günther Politt als Problem. Der 86-Jährige ist seit über zwei Jahrzehnten Vorsitzender des WGG-Seniorenrates: „Wir fordern seit langem eine weitere Verbesserung der Wohnbausubstanz“, sagt er. Auch die Bau- und Lohnkostensteigerungen könne er nachvollziehen. „Eine Lösung haben wir dafür im Seniorenrat leider nicht. Trotzdem: Auch wenn wir über 20 Jahre keine Mietsteigerung hatten, außer bei modernisierten Wohnungen, finde ich es persönlich nicht gut, dass sich die Genossenschaft jetzt am Greifswalder Mietspiegel orientiert“, kritisiert Politt.

Ändern wird das nichts. Der Aufsichtsrat der WGG hat dem Konzept des Vorstandes zur stufenweisen Erhöhung der Mieten zugestimmt. Dem sei ein langer, diskussionsreicher Prozess vorausgegangen. „Wir wollten ihn von Anfang an transparent gestalten, haben bereits im Februar 2018 erstmals die Vertreterversammlung über unser Vorhaben unterrichtet. Sie zu überzeugen, war nicht einfach“, räumt Schäfer ein.

Die Vertreterversammlung, bestehend aus 92 gewählten Mitgliedern und Ersatzvertretern, ist das höchste Organ der Genossenschaft, die auch den Aufsichtsrat wählt. Eine zweite Information mit ausgiebiger Diskussion habe es schließlich am „Tag des Vertreters“ Mitte Oktober gegeben. Letztlich habe das Gremium die Vorgehensweise des Vorstandes akzeptiert.

„Die soziale Verträglichkeit dieser Anpassung ist uns sehr wichtig.“ Jan Schneidewind, Vorstandsvorsitzender der WGG Quelle: Hase Petra

„Die soziale Verträglichkeit dieser Anpassung ist uns sehr wichtig“, betont Vorstandsvorsitzender Jan Schneidewind. Deshalb werde die Mieterhöhung stufenweise erfolgen. Heißt: Es könne durchaus vorkommen, dass 2021 einige Genossenschaftsmitglieder erneut eine Erhöhung erhalten, weil die diesjährige Steigerung nicht dazu führe, dass der Mittelwert des Greifswalder Mietspiegels sofort erreicht wird.

Wegen des großen Umfangs gehe die WGG 2019 in zwei Etappen vor: „1600 Schreiben werden Ende Januar versandt“, kündigt Schneidewind an. Für diese Wohnungen steige die Miete ab April. Weitere 2200 Briefe sollen im Sommer verschickt werden – die Erhöhung trete dann ab Oktober in Kraft.

Basis für die Berechnung der maximal fünfprozentigen Erhöhung, so Klaas Schäfer, sei die durchschnittliche Genossenschaftsmiete von 4,89 Euro je Quadratmeter zum Ende des Jahres 2017 gewesen. „Bezogen auf die 3800 betroffenen Wohnungen beträgt die durchschnittliche Erhöhung 24 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche“, rechnet er vor. Die WGG nehme damit rund 40000 Euro im Jahr zusätzlich ein. Eine verhältnismäßig geringe Summe angesichts der jährlichen Umsatzerlöse durch die Kaltmieten: Laut Geschäftsbericht nahm die Genossenschaft 2017 rund 23,7 Millionen Euro ein. Im Vergleich mit dem städtischen Wohnungsunternehmen WVG bot die Genossenschaft in der Vergangenheit immer die günstigeren Wohnungen an: Ende 2018 betrug die Durchschnittsmiete in den 7196 Wohnungen der WGG 4,97 Euro je Quadratmeter, bei der WVG betrug sie 5,25 Euro je Quadratmeter.

Petra Hase

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