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Greifswald Yachthafen-Chef: „Ich war zu blauäugig“
Vorpommern Greifswald Yachthafen-Chef: „Ich war zu blauäugig“
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00:00 02.09.2014
Blick auf den ersten Bauabschnitt des Wasserwanderrastplatzes Stahlbrode. Bis zur Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes betreibt Berhold Radel hier noch einen Anlegersteg, der vor Baubeginn verlegt worden war. Quelle: (2) Reinhard Amler
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Stahlbrode

Berthold Radel ist enttäuscht. Seit 2010 ist er geschäftsführender Gesellschafter der von ihm und Mitgesellschafterin Nicole Lasch gegründeten Yachthafen Stahlbrode GmbH.

2015 wird er sein Unternehmen aufgeben müssen. Mit großem Schuldenberg. „Ich hoffe bloß, dass ich schnell wieder einen Job finde, damit ich das Geld an die Banken zurückzahlen kann. Wenn nicht, droht mir die Privatinsolvenz.“ Eine weitere bei ihm festangestellte Mitarbeiterin sowie Saisonkräfte verlieren ihren Arbeitsplatz.

Schuld an der Misere sind  Fördermittel, mit denen in Stahlbrode derzeit ein neuer Wasserwanderrastplatz errichtet wird, wie es Radel ausdrückt. Fünf Millionen Euro kostet die Maßnahme. Finanziert wird sie größtenteils übers Innen- und Wirtschaftsministerium. Der erste Bauabschnitt ist bereits abgeschlossen. Für jedermann sichtbar entstanden in den letzten Monaten nahe des Fischereihafens moderne Anlegeplätze mit hübsch gepflasterter Promenade, WC-Anlagen, Waschmaschinen- und Trocknerraum. Mit Bauabschnitt zwei wurde Ende Juni begonnen (die OZ berichtete). Inzwischen sind an der gegenüberliegenden Kaikante bereits 250 Spundbohlen gerammt.

Radel ist nicht gut auf die Gemeinde zu sprechen, die als Bauherrin und Betreiberin des Wasserwanderrastplatzes fungiert. Schließlich hat sie ihm seinen Fünf-Jahres-Pachtvertrag zum März 2015 gekündigt. „Bereits im Oktober kann ich wahrscheinlich abschließen. Dann ist Schluss“, sagt der Mann, der mittlerweile erkannt hat, dass er wohl auch zu blauäugig an manches herangegangen ist. Als er und seine Geschäftspartnerin 2009 auf den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Sundhagen zugegangen sind, seien sie noch mit offenen Armen empfangen worden. Denn der Hafen war bereits mehrere Jahre ohne Erfolg zur Pacht angeboten worden. „Damals sagte Hajo Hahn, dass er ja nicht immer Bürgermeister sein werde, er sich aber freue, in seiner Wahlperiode den Yachthafen mit auf den Weg gebracht zu haben“, erinnert sich Radel. Als Existenzgründer bekam er ein günstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Die beiden Unternehmer investierten, schufen Wasser- und Stromanschlüsse für Schiffsanleger, verkleideten die Pierkante mit Holz, um Sportbooten das Anlegen zu ermöglichen und errichteten einen Schwimmsteg mit 40 Liegeplätzen. Es wurden zwei Krane angeschafft, ein kleiner für Angelboote und ein größerer für Yachten. Ein abrissreifer Bungalow wurde grundsaniert und zum Hafenshop ausgebaut.

Radel fuhr zu Messen und akquirierte Stammgäste. „Jetzt muss ich den Leuten erklären, dass sie 2015 nicht mehr kommen können“, sagt er. „Das ist frustrierend.“ Der Yachthafen werde gut von den Kunden angenommen.

Seit 2011 gibt es immer wieder Querelen mit der Gemeinde Sundhagen. Egal, ob es um den Bau sanitärer Anlagen, die Toilettennutzung, Abstellmöglichkeiten für Wohnmobile oder Winterlager für Boote ging, mit allen möglichen Anträgen, die er an die Gemeinde stellte, fiel er durch. Versuche, ein Gespräch mit dem Wirtschaftsminister zu führen, scheiterten. Ein Ministeriumsmitarbeiter machte sich zwar die Mühe und traf sich mit Radel vor Ort. Er war auch bemüht, weiterzuhelfen und verwies an den zuständigen Referatsleiter. Auf dessen Antwort wartet Radel bis heute vergeblich, wie er sagt.

Konfrontiert mit diesem Vorwurf, antwortete gestern Ministeriumssprecher Gunnar Bauer: „Die Gemeinde ist in Gesprächen mit dem Investor und hat ihn unterstützt. Auch zum Wirtschaftsministerium hat es mehrfach Kontakt gegeben. Unser Ziel ist es, dass es in Stahlbrode insgesamt vorwärts geht. Die Infrastruktur soll mit den Fördermitteln an die Anforderungen und Wünsche von Einheimischen und Gästen angepasst werden.“ Auf Anfrage Radels erklärte sich auch der Bürgerbeauftragte des Landes, Matthias Crone, bereit, zu helfen. Dies sei bei der Gemeinde offenbar nicht gut angekommen, blickt der Unternehmer heute zurück.

Als sich für Sundhagen ab 2011 die Möglichkeit bot, großzügig Fördermittel zum Ausbau  eines Wasserwanderrastplatzes zu bekommen, sei die Yachthafen Stahlbrode GmbH außen vor gewesen. Noch im Frühjahr 2013 hatten aber der damalige Bürgermeister Hajo Hahn und dessen Stellvertreter Lorenz Rindler ihm signalisiert, dass es noch eine Zukunft für den Hafen gebe. Man müsse allerdings die Mole sanieren, weil der Pachtgegenstand marode sei, hieß es. Um einen reibungslosen Ablauf der Sanierung der Mole am Fähranleger und Baufreiheit zu gewährleisten, erklärte sich die Yachthafen Stahlbrode GmbH erklärt, die Saison 2014 an der neu sanierten Mittelmole auszuüben.

Ende März erhielt Radel nun die Kündigung des bestehenden Pachtvertrages. Wörtlich heißt es darin: „Es wird hiermit erklärt, dass eine Fortsetzung des Vertrages über den 31.03.2015 hinaus seitens der Gemeinde nicht gewollt ist.“

Mittlerweile hat die Großgemeinde Sundhagen einen neuen Bürgermeister, denn seit Mai 2014 steht ihr Helmut Krüger (CDU) vor. Als stellvertretender Bürgermeister und Amtsausschussvorsitzender in Miltzow kannte er den Sachverhalt aber bereits bestens. Krüger betont, dass niemand einen Vertrag mit Herrn Radel gekündigt habe. Er bestätigt allerdings, dass der über fünf Jahre befristetete Vertrag mit der Yachthafen GmbH nun auslaufe und nicht verlängert worden sei. Die Nichtverlängerung habe nicht er als Bürgermeister entschieden, sondern die Gemeindevertretung. „Diese“, so Krüger, „hat Herrn Radel über all die Zeit nie über ihre Pläne im Unklaren gelassen“. Er sei immer rechtzeitig über alle Planungsphasen informiert worden, wie alle anderen Beteiligten auch, die von den Baumaßnahmen im Stahlbroder Hafen betroffen seien, so Krüger. Inzwischen habe es auch ein klärendes Gespräch zwischen ihm und Herrn Radel gegeben, betont der Bürgermeister. Auch künftig sei er bei Fragen jederzeit ansprechbar. Mehr will der Bürgermeister in der Angelegenheit nicht sagen.

Wasserwanderrastplatz soll 2015 fertig werden

5Millionen Euro kostet der Ausbau des Stahlbroder Hafens zum Wasserwanderrastplatz. Das Geld stammt hauptsächlich vom Innen- und Wirtschaftsministerium des Landes.

2015sollen die Arbeiten abgeschlossen werden und der Wasserwanderrastplatz
komplett in Betrieb gehen. Der erste Abschnitt neben dem Fischereihafen ist bereits fertig. Hier wurde eine neue Spundwand auf 165 Metern Länge
errichtet. Im zweiten Abschnitt,
unmittelbar neben dem Fähranlager, wird derzeit noch gebaut. Hier
kommen noch einmal 150 Meter Spundwand hinzu. Dazu mussten
250 Bohlen gerammt werden.

2010 siedelte sich die Yachthafen GmbH an. Sie bekam einen Pachtvertrag, der nun 2015 ausläuft. Seit 2011 laufen die Planungen für den Wasserwanderrastplatz.



Reinhard Amler

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