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Greifswald Zimmer gesucht – aber nicht in einer WG
Vorpommern Greifswald Zimmer gesucht – aber nicht in einer WG
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00:00 05.04.2017
Simon Bönnen (links) und seine Kommilitonen haben hier zum Sommersemester ein Studium anfangen. Quelle: Foto: Sym
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Greifswald

Vor ein paar Jahren war es noch selbstverständlich, dass Erstsemester zum Studienauftakt in eine Wohngemeinschaft (WG) zogen. Eigenes Zimmer, geteiltes Bad und Küche. „Das ist perfekt, um in einer neuen Stadt Anschluss zu finden“, meint Studentin Lisa Wurzer, Ansprechpartnerin für Soziales beim Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Uni Greifswald. Doch nicht nur sie beobachtet: Der Wohnungsmarkt in der Hansestadt hat sich verändert, der Wohntrend unter Studenten auch.

Sandra Hohmann von der Verwaltung der drei privaten ILG-Studentenwohnheime in der Makarenkostraße sagt es so: „Vor ein paar Jahren war die Wohnungsnot noch so groß, dass praktisch jeder, der bei uns anfragte, das angebotene Zimmer oder Appartement auch genommen hat.“ Heute hätten die Suchenden oft drei, vier Angebote zur Auswahl. „Der Trend geht in Richtung alleine wohnen, auch wenn das mehr kostet“, erzählt Sandra Hohmann. Die WG-Zimmer des ILG zu vermieten, sei schwieriger geworden. „Selbst Zweier-WGs sind nicht mehr so beliebt“, sagt sie.

Erstsemester Simon Bönnen aus Schüttorf (Niedersachsen) gehört zu denen, die für ihren Studienstart in Greifswald ganz selbstverständlich eine Ein-Raum-Wohnung suchten – und in einem ILG-Wohnblock in der Makarenkostraße landeten. „Das war ganz leicht“, sagt er, „Ich habe schnell die Zusage bekommen. Und im Vergleich zu Münster, wo ich mich auch für Pharmazie beworben hatte, finde ich die Preise hier total in Ordnung.“

Jura-Student Jean-Pascal Stephans aus Schwerin wollte ebenfalls keine WG – wegen der fehlenden Privatsphäre und der möglichen Konflikte. „Von einer Freundin weiß ich, dass sie in ihrer WG nur Stress hat, die verstehen sich alle nicht mehr“, erzählt er. Zusammen mit seiner Freundin aus Schwerin ist der 20-Jährige daher in eine Zwei-Raum-Wohnung in Schönwalde II gezogen. „Wenn ich durch die Wohnungstür gehe, möchte ich doch das Gefühl haben: Das ist meins“, erklärt er. „Na ja“, sagt seine Freundin Sandra Timmler lachend. „Und meins.“ In einer klassischen WG zu leben, sei eigentlich „eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte“, findet die ebenfalls 20-Jährige. Als Paar sei es aber nicht so ideal, „außerdem haben wir einen Hund“.

811 Wohnheimplätze bietet das Studentenwerk Greifswald an, darunter seit Oktober auch in einem sanierten Altbau in der Bachstraße. Über 50 Wohnheimplätze sind insgesamt noch frei.

In der AG „Bezahlbarer Wohnraum“ beobachtet man die Lage auf dem Greifswalder Wohnungsmarkt eher mit Skepsis. Zwar kämen dank mehrerer Wohnheims- Neubauten in den vergangenen Jahren alle Studenten irgendwie unter, sagt Erik von Malottki (SPD). „Aber zum Teil zu horrenden Preisen.“ Unternehmen wie Avila hätten die frühere Not ausgenutzt, um neue Wohnblöcke zu errichten und nun Einheiten mit Preisen bis zu zehn Euro pro Quadratmeter kalt zu vermieten. Als „bezahlbar“ für Studenten und Geringverdiener gelten nach der Definition der AG höchstens acht, besser fünf Euro. Lisa Wurzer vom Asta bestätigt: „Ich kenne Studierende, die in teuren Zimmern wohnen, weil sie keine andere Wahl hatten.“ Wie viele das pro Semester betrifft, kann sie aber nicht sagen.

Die Firma IBS Ost, die für den Avila-Wohnpark die Vermietungen übernimmt, interpretiert die Lage in der Stadt anders. Vier Wohnblöcke mit insgesamt rund 300 Ein-Zimmer-Appartements hat Avila vor rund drei Jahren eröffnet, in der Brink-, der Feld-, der Scharnhorst- und der Mittelstraße. Klar seien die Wohnungen darin teurer als etwa ein WG-Zimmer in einem älteren WVG-Block, sagt Michael Klein, stellvertretender Geschäftsführer von IBS Ost. „Aber dafür sind unsere Wohnungen hochwertig, modern und energieeffizient.“ Für Studenten mit wenig Geld böten die WVG und das Studentenwerk schon genug an. Die Idee der IBS Ost sei von Anfang an gewesen, Appartements für Studenten oder andere Mieter im höheren Preissegment zu vermieten. „Es gibt viele Eltern, die ihren Kindern das im Studium zahlen“, sagt Michael Klein. Und wer zum Studienstart nur bei Avila einziehe, weil er nichts Preiswerteres gefunden habe, könne ja zum nächsten Semester wieder ausziehen. „Wir haben drei Monate Kündigungsfrist – die muss man natürlich einhalten.“

Aktuelle Studentenzahlen...

... werden von der Pressestelle der Universität derzeit nicht veröffentlicht. Sprecher Jan Meßerschmidt teilt mit, dass diese erst intern kommuniziert werden sollen, bevor sie freigegeben werden.

Erfahrungsgemäß ist der Andrang zum Sommersemester aber deutlich geringer als zum Wintersemester, da viele Studiengänge und -fächer ausschließlich im Oktober beginnen.

Im Wintersemester 2016/2017 waren rund 10400 Studenten in Greifswald eingeschrieben.

Sybille Marx

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