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Greifswald Zoff um Freizeitangebote im Flüchtlingsheim
Vorpommern Greifswald Zoff um Freizeitangebote im Flüchtlingsheim
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00:00 15.03.2017
Ich möchte mit allen gut zusammenarbeiten.Maria Strache, Mitarbeiterin von Integ
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Greifswald

Eigentlich müsste es alle Flüchtlingshelfer in Greifswald freuen: Im Asylbewerberheim in der Brandteichstraße, das im Mai 2016 die ersten Flüchtlinge aufnahm, stehen seit Kurzem vier Zimmer für Lern- und Freizeitangebote bereit. Ehrenamtliche könnten hier mit den Flüchtlingen reden, Deutsch üben, Schach spielen oder anderes unternehmen. Doch in der Praxis ist die Lage komplizierter.

Jessica Barth, Koordinatorin beim internationalen Begegnungszentrum Mole in Greifswald, und andere aus der Flüchtlingsarbeit in Greifswald fragen sich, wieso der Landkreis gerade den Verein Integ beauftragt hat, diese vier Räume zu verwalten und mit Leben zu füllen.

„Viele Ehrenamtliche würden sich dort gern engagieren, aber so legt ihnen der Kreis Steine in den Weg“, meint sie. Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Birgit Schulz beklagt: „Wenn andere dort etwas für die Flüchtlinge anbieten wollen, muss jetzt immer jemand von Integ dabeisitzen!“ Dabei gebe es so viele Leute, die seit Jahren in den Flüchtlingsheimen tolle Angebote machten. Auch die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Laura Ann Schröder sieht das so.

Dass die Wahl von Integ nicht allen in Greifswald gefällt, dürfte an der Vorgeschichte liegen: Zwischen diesem Verein, den der Jurist Gamal Khalil und der Integrationsbeauftragte des Kreises, Ibrahim Al Najjar, ehrenamtlich leiten, und anderen Ehrenamtlichen in der Greifswalder Flüchtlingshilfe schwelt seit 2015 ein Konflikt, gibt es heftige Meinungsverschiedenheiten – vor allem darüber, wie man Al Najjar und den Umgang der Kreisverwaltung mit Flüchtlingen zu beurteilen habe (die OZ berichtete). Die Fronten gelten inzwischen als verhärtet.

Aber ist Integ wirklich als eine Art Aufpasser im Flüchtlingsheim bestellt? Maria Strache, die seit gut zwei Monaten als geringfügig Beschäftigte bei dem Verein arbeitet und die Angebote in den vier Räumen koordinieren soll, bemüht sich um Klarheit: „Niemand von uns muss immer dabeisitzen“, sagt sie. „Man muss sich nur bei uns anmelden.“ Auch Landkreissprecher Achim Froitzheim betont: „Nach dem Kooperationsvertrag, den wir mit Integ geschlossen haben, dürfen sich ausdrücklich auch andere Vereine und Ehrenamtliche in den Räumen engagieren, das ist auch sehr erwünscht.“ Allerdings müssten sie sich bei Integ anmelden, und zwar mit ihrem vollen Namen. „Das liegt einfach daran, dass wir für die Räume Landesmittel bekommen und jemanden benennen mussten, der die Verantwortung übernimmt.“

Maria Strache hofft, dass es ihr gelingt, nun schnell Kontakte zu Vereinen und Helfern aus der gesamten Greifswalder Flüchtlingsszene zu knüpfen. „Ich möchte mit allen gut zusammenarbeiten“, sagt die Philosophie-Studentin.

Aus gänzlich eigener Kraft könnte der Verein die Freizeiträume im Flüchtlingsheim derzeit auch nicht mit Leben füllen. 2015, als jede Woche hunderte Flüchtlinge in Greifswald ankamen und Integ noch in der Fußgängerzone saß, engagierten sich über 30 Ehrenamtliche bei dem Verein. Vor ein paar Wochen waren nur noch vier übrig (die OZ berichtete). Die aktuelle Zahl will Gamal Khalil nicht nennen.

„Es ist aber normal, dass wir im Moment nicht die Massen haben“, findet er. „Wir hatten ja längere Zeit keine Räume. Die Arbeit geht erst jetzt wieder richtig los.“ Im Übrigen sei die große Euphorie, die 2015 in der Flüchtlingshelferszene herrschte, generell verflogen. „Aber die wenigen Leute, die sich weiter engagieren, tun es ernsthaft.“

Laut Maria Strache unterrichtet im Moment genau eine Ehrenamtliche Deutsch in den Räumen des Flüchtlingsheims. Ein anderer Deutschkurs von Integ wurde gerade abgesetzt, weil kaum noch Bewohner teilnahmen, erzählt sie. Der Schachclub, der früher lief, hat keinen Leiter mehr. Auch für ein Zimmer, das voller Spielsachen steht, fehlen noch Helfer. Doch Khalil betont: Der zweite Deutschkurs werde neu aufgelegt, „gerade hat sich ein früherer Ehrenamtler bei uns dafür gemeldet“. Außerdem plane Integ, eine Fußballgruppe aufzubauen.

Kreissprecher Achim Froitzheim ist überrascht, als er hört, dass Integ im Vergleich zu 2015 kaum noch Mitstreiter hat, betont aber: Letztlich sei das „zweitrangig, solange die angekündigten Angebote in Frequenz und Qualität stattfinden.“ Von vornherein sei klar gewesen, dass Integ mit weiteren Vereinen, Einzelpersonen und Gruppierungen aus der Zivilgesellschaft kooperiere, „damit sich am Ort – Hand in Hand – ein lebendiges, integrativ wirkendes Miteinander von Migranten und Deutschen entwickeln kann.“

Vom Heimbetreiber European Homecare kommt Bedauern darüber, dass die Flüchtlingshelferszene in Greifswald bisher so gespalten ist. „Es ist leider so, dass sich einige Gruppen hier nicht grün sind“, sagt Leiterin Nadine Kapell. Insgesamt gebe es in Greifswald aber erstaunlich viele, die sich für die Flüchtlinge im Heim engagierten, allen voran aus dem Netzwerk „Greifswald hilft Geflüchteten“.

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