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Greifswald Die gute Seele für krebskranke Kinder
Vorpommern Greifswald Die gute Seele für krebskranke Kinder
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08:01 21.11.2018
Dagmar Riske erhielt von Manuela Schwesig den Bundesverdienstorden. Quelle: Staatskanzlei
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Greifswald

Die Knie zitterten, das Herz raste, die Augen füllten sich mit Tränen. „Ich musste mich sehr zusammenreißen“, sagt Dagmar Riske über einen der wohl bedeutsamsten Momente ihres Lebens. Gut eine Woche ist dieser Moment nun her. Noch immer fühlt es sich für Riske unwirklich an. Noch immer lächelt sie, wenn sie darüber spricht.

Vergangene Woche überreichte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) der 62-Jährigen in Schwerin das Bundesverdienstkreuz. Es ist eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik Deutschland. Bekommen hat ihn die Hinrichshagenerin Dagmar Riske für ihr soziales Engagement. Vor 28 Jahren begründet sie den „Verein zur Unterstützung krebskranker Kinder“ mit. Seit 19 Jahren ist die Mutter zweier Töchter Vereinsvorsitzende. Der Verein sammelt Sach- und Geldspenden für krebskranke Kinder, veranstaltet Benefizkonzerte oder organisiert Ausflüge mit den Kindern.

Fälle, die sie nicht loslassen

Nach dem Kurztrip am vergangenen Donnerstag in die Landeshauptstadt hat der Alltag Riske wieder zurück. Unter der Woche arbeitet sie als Krankenschwester in der kinderonkologischen Fachambulanz. Mehr als 20 Jahre leitete Riske die Kinderkrebsstation, bis sie in die Fachambulanz wechselte. Der Verein, die Arbeit: Alles dreht sich um das K-Wort, nur selten spricht sie das Wort „Krebs“ auch aus. Nicht immer ist ihre Arbeit als Kinderkrankenschwester leicht. So einige Geschichten hat sie mit nach Hause genommen. „Es gibt Fälle, bei denen ich zu Hause geweint habe. Das war schwer“, gesteht Riske. Damals wurde ihr gesagt, dass sie sich daran gewöhnen würde: „Doch das stimmt nicht. Denn jedes Kind ist anders und jede Erkrankung auch“, sagt Riske und wischt sich eine Träne von der Wange. Es sei schwer zu akzeptieren, dass die Kinder so leiden müssen.

Die kleinen Freuden im Alltag

Kraft für ihre Arbeit und den Verein geben ihr die Kleinigkeiten in ihrem Alltag als Krankenschwester. Wenn ein Kind vor Freude strahlt, weil es den Katheter abgenommen bekommt oder die Blutwerte sich verbessert haben. Kinder sind stark, das stärkt auch Riske. Eine Pause gönnt sie sich nur selten. Zu wichtig ist die Arbeit des Vereins, um die sie sich auch am Wochenende kümmert. „Ich bin voll ausgelastet. Manchmal ist es gar nicht zu schaffen. Ich gucke nicht mehr auf die Uhr.“

Nach der Wende durch sie und weitere Angestellte der Uni-Medizin gegründet, zählt der Kinderkrebs-Verein heute über 25 ehrenamtliche Mitglieder. Davon viele Eltern, deren Kinder erkrankt sind, aber auch Außenstehende. Das bisher größte Projekt des Vereins: ein Elternhaus in der Makarenkostraße. Das Projekt war Riske und den anderen Vereinsmitgliedern wichtig. Denn nicht wenige der erkrankten Kinder kommen aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland. Sie brauchen einen Unterbringungsort, der nah bei der Klinik liegt und somit nah an der medizinischen Hilfe.

Im Jahr 2010 führte Prof. Holger Lode, geschäftsführender Direktor der Kinderklinik und selbst Kinderonkologe, eine spezielle Antikörpertherapie ein, die es damals nur in Greifswald und in Amerika gab. Dadurch kamen Patienten aus ganz Europa in die Uni-Medizin. Den weitesten Weg hatte eine Familie aus Australien, die mit ihrem erkrankten Kind samt Kindermädchen nach Greifswald kam. „Die Station platzte aus allen Nähten. Die Eltern mussten irgendwo untergebracht werden“, sagt Riske.

„Wir brauchten ein neues Elternhaus“

Vor dem Umzug der Kinderklinik in die Ferdinand-Sauerbruch-Straße befand sich in der Loitzer Straße das Elternhaus „Mildred Scheel“, das bereits 1995 erbaut wurde. Zu weit weg vom neuen Standort, zu wenig Platz für Geschwisterkinder. „Es kristallisierte sich immer mehr heraus, dass wir ein neues Elternhaus brauchten. Auch wenn es einen Shuttleservice vom Haus zur Klinik gab.“ Durch die Unterstützung der Stadt, der Politik und auch der OZ-Leser, die großzügig spendeten, wurde 2016 das neue Haus in der Makarenkostraße erbaut und eingeweiht. „Sie ist nicht nur als die gute Seele der betroffenen Familien und Kinder bekannt. Sie ist die Powerfrau der Kinderonkologie, die sich auch nach der enormen Spendensumme für das Eltern-Kind-Haus von einer Million Euro weiter angespornt fühlt“, sagt Professor Max P. Baur, Vorstandsvorsitzender der Unimedizin über Riske und fügt an, wie stolz die Kollegen auf sie seien.

Durch Zufall zur Ausbildung

Ihre Arbeit und die Arbeit mit dem Verein sind für Riske Herzensangelegenheiten. Eigentlich, gesteht Riske, wollte sie wie ihre Eltern Lehrerin werden. Ein Zufall brachte sie dann letztlich doch zu der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester. „Eine Gemeindeschwester aus Sassen bei Loitz schenkte mir damals ein Haube und einen weißen Kittel“, sagt die Hinrichshagenerin. Das war in der achten Klasse.

Auf dem Boden des Elternhauses in Zarnewanz bei Sanitz hat sich Riske damals in einer Seitenkammer eine Arztpraxis eingerichtet. „Sogar mit Sprechzeiten“, sagt sie und lacht. Zwei Jahre später hat sie die Ausbildung in Stralsund begonnen: „In Greifswald hatte ich mich auch beworben, aber die Zusage kam zwei Monate später.“ Dass sie irgendwann an den Ryck zurückkehren würde, hätte sie nicht gedacht. Für die Kinderklinik, die Eltern und die erkrankten Kinder ein Glücksfall. „Sie hat hunderte Patientinnen und Patienten betreut, die Eltern und Familien begleitet, immer mit einem lieben Wort auf den Lippen. Seit nunmehr fast drei Jahrzehnten leitet Frau Riske in verantwortlicher Position die Geschicke des Vereins. Kern ist die Schaffung von Elternhäusern. Ein Ort, an dem sie in der schweren Zeit das Gefühl der Gemeinschaft und des Zusammenhalts erleben – über ihre Kernfamilie hinaus“, betonte Manuela Schwesig bei der Auszeichnung.

Auch wenn sich Dagmar Riske über das Verdienstkreuz gefreut hat, sind es doch die leuchtenden Kinderaugen, die ihr so viel Kraft für ihren Beruf und ihre Berufung geben. Deswegen wird sie weitermachen: „Selbst wenn ich auf die 70 Jahre zugehe.“

Über das Bundesverdienstkreuz

Das Bundesverdienstkreuz, auch Bundesverdienstorden genannt, ist eine besondere Ehrung der Bundesrepublik für politische, wirtschaftliche, kulturelle, geistige oder ehrenamtliche Leistung. Das Verdienstkreuz gibt es seit 1951 und wird derzeit in neun Stufen vergeben. Die Aushändigung der vom Bundespräsidenten verliehenen Verdienstorden übernehmen in den meisten Fällen die Ministerpräsidenten der Länder, Landes- oder Bundesminister, Regierungspräsidenten oder Bürgermeister. In wenigen Fällen überreicht der Bundespräsident persönlich das Bundesverdienstkreuz, etwa aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit und des Tages des Ehrenamtes.

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