Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Wer hat Angst vor moderner Kunst?
Vorpommern Greifswald Wer hat Angst vor moderner Kunst?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:30 22.11.2018
Marcus Schramm vom Verein Art-Cube erklärt vor dem Kunstkubus, ob man Kunst verstehen kann Quelle: Christin Lachmann
Anzeige
Greifswald

 Marcus Schramm ist Vorstandsvorsitzender des Verein Art-Cube, der die Installationen im Kunstkubus betreut, und selbst Künstler. Im Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG spricht er über zeitgenössische Kunst, Interpretationsmöglichkeiten und mangelnde Muße.

OZ: Herr Schramm, wenn ich derzeit vor dem Kunstkubus stehe, sehe ich für mich eine undefinierbare Skulptur aus Beton, die in der Mitte eines Tisches steht. Was soll mir das sagen?

Das ist eben die Herausforderung oder der Reiz, beim Betrachten einen eigenen Zugang zu finden. Ich denke, jeder versucht, etwas zu erkennen und zu deuten. Ich will nicht sagen, dass es ein Rätsel ist, aber es ist eine Situation, die nicht ganz klar ist und selbst mit Assoziationen gefüllt werden muss. Man sieht bei der aktuellen Installation mit dem Titel „Europa“ einen weißen, runden Tisch mit weißen Tellern und weißen Tischkarten. Der Tisch könnte eine Metapher sein – dieser „runde Tisch“ steht für Austausch, Gespräch und Gemeinsames. Es könnte bedeuten, dass man sich zusammensetzen soll und austauschen.

Gibt es eine Art Anleitung, wie ich am besten vorgehen sollte, um diese Kunst nachvollziehen oder verstehen zu können?

Ich denke, es ist wie bei jeder Kunst. Erst einmal ist die Betrachtung ein wichtiger Punkt. Es gilt die Farben, Formen und Materialien genauer wahrzunehmen und dann Eindrücke, Assoziationen und Gedanken einfließen zu lassen. Der Künstler hat hier beispielsweise mit Beton gearbeitet. Beton bedeutet Schwere und Beständigkeit. Holz steht für etwas Lebendiges, was wächst und sich entwickelt, aber natürlich auch vergehen kann. Wenn man diese Sachen nach und nach zusammensetzt, kann man auch für das „Ganze“ eine eigene Idee oder Interpretation entwickeln.

Geht es bei den Ausstellungen überhaupt darum, etwas zu interpretieren oder zu verstehen?

Erst einmal geht es um das Sehen und um das Schön- oder Interessantfinden. Bei der dieser Installation ist der spannende Kontrast zwischen dem weißen Tisch und der Skulptur in der Mitte. Für das Sehen ist dieser Kontrast sehr interessant und in dem Sinne vielleicht auch schön. Der nächste Schritt wäre dann die Interpretation, die offen ist und Fragen erstellt. Daher geht es weniger um das Verstehen, sondern um das „Sich-anregen-lassen“, auch inspirieren lassen. Ist die Skulptur eine Art „Gebäude“, eine Konstruktion, die bei einem Gespräch entsteht? Oder eine Figur, die auf dem Tisch tanzt? Der polnische Künstler Krzysztof Sikorski hat dazu gesagt, dass „Europa“ ein Frauenname ist – und das stimmt ja auch. Das führt mit der griechischen Mythologie auch zum Fundament des Kontinents Europa zurück.

Fehlt Menschen heutzutage die Muße, etwas genauer zu betrachten und sich mit damit auseinanderzusetzen?

Vielleicht ist das so. Heute gibt es eine multimediale und stressige Arbeitswelt mit permanenten Nachrichten oder Newslettern. Dafür brauchen wir Gegenpunkte und da gibt es viele Möglichkeiten – auch in der Kunst. Deswegen finde ich, ist dieser Kubus so wichtig, weil er ein Fenster in eine andere Welt ist, die Welt der Kunst bietet – mit der Möglichkeit zu beobachten und etwas Neues zu entdecken. Natürlich kann man auch an ihm vorbeigehen und sich woanders – in der Landschaft, im Tierpark, im Museum ästhetische Betrachtung holen. Wichtig finde ich, dass es verschiedene Angebote dafür gibt.

Wie ist die Reaktion der Leute, die sich den Kubus angucken?

Die ist gemischt und das ist auch gut so. Es gibt einige, die sagen, dass es nicht ,ihre’ Kunst ist. Aber auch viele, die neugierig sind, immer wieder vorbeischauen und gespannt sind auf die nächste Ausstellung. Beim Kubus geht es hauptsächlich um eine räumliche Inszenierung, um ein räumliches Bild. Wir wollen damit einen kleinen Teil der aktuellen Kunst nach Greifswald holen und in der Öffentlichkeit sichtbar machen.

Wenn jemand denkt, dass er es besser kann, dürfte er dann etwas ausstellen, obwohl er kein Künstler ist?

Wir würden gern mindestens einmal im Jahr ein Projekt ermöglichen und verwirklichen, das ganz offen ist, wo Bürger, Gruppen oder Institutionen sich bewerben können eine eigene künstlerische Idee zu realisieren. Sie können dann selbst eine Arbeit entwickeln und vorstellen.

Christin Lachmann

Greifswald Neues Theaterformat - Bühne frei für die Kinder

Josefine Schönbrodt und Jan Maria Meissner gründeten vor zwei Jahren das Theater Phoebus. Ihre Aufführungen sind besonders bei Kindern beliebt. Künftig laden sie zur Märchen-Mitmach-Show ein.

21.11.2018
Usedom Neuer Preis für Vorpommern - Vorpommern-Ehrengreif für Peter Hinz

Vorpommern hat einen neuen Preis, gestiftet von der Sparkasse Vorpommern und dem Unternehmerverband Vorpommern. Laudator Stefan Rudolph würdigt den Geehrten als aufgeklärten Patrioten.

21.11.2018
Greifswald Vorbereitungen für Weihnachten - Küstentanne für die Hansestadt Greifswald

Der diesjährige Weihnachtsbaum der Stadt Greifswald kommt aus Weitenhagen und ist 17 Meter hoch. Geschmückt wird der Baum, der nun in den Innenstadt steht, am Montag von Kindergartenkindern. Auf die wartet noch eine besondere Überraschung.

22.11.2018