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Grimmen 700 Jahre Garz auf Rügen
Vorpommern Grimmen 700 Jahre Garz auf Rügen
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15:18 14.06.2019
„Legenden und Forschungen zum alten Charenza auf Rügen“ hieß eine Sonderausstellung im Garzer Arndt-Museum, die sich mit dem Garzer Burgwalls befasste. Im Bild übergibt die Stralsunder Museumsmitarbeiterin Claudia Hoffmann ihrer Garzer Kollegin Sylvia Knöpfel eine Keramikschale Quelle: J. Grudziecki
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Garz

Der berühmte dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus (etwa 1140 bis 1220) berichtet von einer großen Volksburg mit drei Tempeln auf Rügen. Bereits im 18. Jahrhundert glaubte man, dass sich „Karentia“ (Karenz) in/bei Garz befand und dass hier 1168 die Ranen, also die Rügenslawen, getauft wurden. Eine Kommission stellte 1725 fest, dass Garz und Karenz identisch seien.

Als 1928 der bedeutende Prähistoriker Prof. Carl Schuchardt mit Ausgrabungen im Bereich des slawischen Garzer Burgwalls begann, ging er davon aus, dass er Reste dieser Heiligtümer findet. Unterstützt wurde Schuchardt seine Kollegen Prof. Otto Stiehl und Wilhelm Petzsch. „Die drei Heiligtümer der Burg konnten wir nach den Steinfundamenten und Pfostenlöchern in der Tat feststellen“, schrieb er später. „Sie lagen im südlichen, höchsten Teil der Burg.“ Allerdings war der Wunsch der Vater des Gedankens wie Prof. Achim Leube in seinem Aufsatz „Garz und das Jahr 1928, Die Ausgrabungen auf dem ,Schlossberg’“ schreibt. Er ist über 60 Beiträge zu den verschiedensten Themen umfassenden Band „700 Jahre Stadt Garz Rügen. 1319 bis 2019“ bei edition Pommern enthalten. Warum Garz nicht das berühmte „Karentia“ des Saxo Grammaticus ist, beschreibt Fred Ruchöft genauer. „Nur kraft seiner Autorität“, so der Wissenschaftler“, „fanden die Thesen Schuchhardts Gehör. Die Fundamente, die er freilegte, gehörten zu einer Kapelle, die auf dem Wall stand, oder zur Burg des Fürsten Wizlaw III.“ Dieser lebte 1265 oder 1268 bis 1325, also in der Zeit als erstmals Bürgermeister und Rat der neuen Stadt Garz erwähnt werden. Um 1300 versuchten die Rügenfürsten hier durch Neugründung einer Burg einen Herrschaftsmittelpunkt auf Rügen zu etablieren, schreibt Ruchhöft. Allerdings regierten sie eher von Barth und Stralsund, also dem festländischen Rügen, aus.

Für Karenz argumentiert Ruchhöft mit guten Gründen, auch archäologischen Funden, dafür, dass sich diese gewaltige Flucht- und Tempelburg nordöstlich von Gingst befand. Fürst Wizlaw I. (um 1155 bis 1255/56) machte diese dann im 13. Jahrhundert zu seiner Residenz. Steinbauten gab es damals noch nicht. Dieser Venzer Wall umfasst mit vier Hektar Fläche sogar mehr als der Garzer Wall (3,2 Hektar). Erfolgte archäologische Untersuchungen belegen Ruchhöfts Ansicht.

Garz bleibe ein bedeutender Ort auf Rügen, betont er. „1165 befand sich dort eine Burg (borgar Gardz der Knytlingsaga des Saxo Grammaticus/eob) und das Zeugnis dieser großen Geschichte ist am Rande der Stadt erhalten.“ Es sei auch zu vermuten, dass es einen slawischen Tempel gab. Und eines kann man den Garzern nicht streitig machen, im Mittelalter besaß auf der Insel nur ihr Ort Stadtrecht. Und für die Slawenzeit gibt es noch etwas Besonderes. Die Stadt ist Namensgeber einer slawischen Keramikgruppe, der Garzer Schalen, über die Felix Biermann in dem Buch schreibt. Sie wurden vor allem in der zweiten Hälfte des 11. und dem 12. Jahrhundert produziert.

Der Sammelband bietet weit mehr als Slawenzeit und Mittelalter. Unterschiedliche Autoren führen bis in die Gegenwart des Städtchens.

Stadt Garz und Heimatverband Garz (Hg): 700 Jahre Stadt Garz Rügen 1319 bis 2019, ISBN 978-3-939680-51-2, 19,95 Euro.

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