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Grimmen 90 Euro für einen Ballen Heu
Vorpommern Grimmen 90 Euro für einen Ballen Heu
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10:00 02.02.2019
Christian Rohlfing, Landwirt in Bassendorf und Bad Sülze, hat an seinem Standort in Bad Sülze noch gut 200 Ballen eingelagert. Er konnte im letzten Jahr genügend Futter ernten und sogar Ballen an Bauern verkaufen, die nicht so viel Glück hatten. Quelle: Dana Frohbös
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Grimmen

 Der heutige 2. Februar ist für die Bauern ein wichtiger Tag. Denn an „Maria Lichtmess“ soll einer alten Bauernregel zufolge die Hälfte des Winterfutters noch vorrätig sein, um die Tiere gut und gesund in die neue Saison zu bringen. Die Hälfte der Vorräte für Rinder Schafe, Ziegen und Pferde hat in diesem Jahr wohl kaum noch jemand, und Überhänge gebe es sowieso nicht, meint Christian Ehlers, als Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern für den Raum Stralsund, Ribnitz-Damgarten und Grimmen zuständig, und spielt damit auf das wettertechnisch besondere Jahr 2018 an. Zunächst „ersoffen“ Wiesen und Felder regelrecht, dann kam die lange Trockenheit. Gras und Mais vertrockneten und schließlich wuchs das Futter gar nicht mehr nach. Zum Sommerende 2018 waren längst noch nicht alle Tierhalter mit genügend Heu oder Silage ausgerüstet.

Lage weiter angespannt

„Die Lage ist weiterhin angespannt und hat sich bisher nicht normalisiert“, sagt Christin Karbe, Geschäftsführerin vom Bauernverband Rügen. So dürregeplagt wie im letzten Jahr sei die Insel – zumindest so lange sie sich erinnern kann – noch nie gewesen. Im Juli fielen laut Aufstellung des deutschen Wetterkontors in Mecklenburg Vorpommern 64 Prozent weniger Niederschläge als im Vergleichszeitraum von 1981 bis 2010. In keinem der Sommermonate bis einschließlich Oktober waren es landesdurchschnittlich mehr als 40 Liter pro Quadratmeter Regen, im September sogar unter 20.

Dürre in Deutschland. Quelle: RND

Bauern hoffen auf zeitiges Frühjahr

Am meisten hätten die tierhaltenden Betriebe gelitten, sagt Christin Karbe. Innerhalb des Rügener Verbandes mussten die Bauern Futter zukaufen – einer wurde sogar erst in Frankreich fündig. Einige Bauern haben auch ein paar ihrer Tiere verkauft, um mit einem reduzierten Bestand besser über den Winter zu kommen. Durch diese außergewöhnlichen Anstrengungen habe das Futter dann weitestgehend gereicht, berichtet sie. Jetzt hofften die Bauern bereits auf den ersten Schnitt im Frühjahr. „Aber auch dafür brauchen wir noch ein bisschen Regen.“

Und bis wieder gemäht werden kann, dauert es noch. Christian Rohlfing, der Landwirtschaft und Mutterkuhhaltung in Bassendorf und bei Bad Sülze betreibt, ist dies sogar erst ab Juni wieder erlaubt, weil er an einer Agrarumweltmaßnahme teilnimmt. Daher ist er froh, noch mehrere hundert Heuballen Vorrat zu haben. „Ich bin in der komfortablen Situation, dass ich noch den einen oder anderen Ballen verkaufen konnte“, sagt er. „Sogar bis nach Sachsen, denn da hatten die Bauern gar nichts mehr.“ Der Grund: Sein Grünland liegt überwiegend im Niedermoor und hat vergleichsweise guten Ertrag gebracht. „Die Nachfrage ist nach wie vor ununterbrochen hoch“, sagt er. Verkaufen wird er jedoch erst einmal nichts mehr, auch wenn regelmäßig noch Anfragen nach Futter kommen. „Vielleicht wieder ab März.“

Nicht ganz so knapp wie Heu ist Silage – die Kühe von Christian Rohlfing in Bad Sülze lassen es sich schmecken. Quelle: Dana Frohbös

Zweidrittel weniger Grünfutter geerntet

„2018 konnten wir zwei Drittel weniger Grünfutter ernten als in anderen Jahren“, bestätigt auch Hartmut Ruhtz, Landwirt in Stoltenhagen bei Grimmen. Nur der erste Schnitt im Frühjahr war ertragreich, die beiden folgenden Ernten sind nahezu ausgefallen. Von einem Stück Wiese, mit einem Hektar Größe haben die Mitarbeiter beim zweiten Schnitt im Sommer gerade einmal einen einzigen mickrigen Heuballen ernten können. Sonst seien es von gleicher Fläche vier. Ruhtz: „Dennoch reicht unser Futter für alle Tiere im Betrieb. Aber nur, weil der Viehbestand schon zuvor umgestellt wurde. „Statt Milchvieh grasen jetzt Mutterkühe in Stoltenhagen. „Und wir haben die Weidesaison im Herbst extrem verlängert, um Winterfutter zu sparen“, sagt Ruhtz. Außerdem konnte privaten Tierhaltern, die in anderen Jahren Heu aus Stoltenhagen kaufen, nichts zur Verfügung gestellt werden.

Preise drastisch gestiegen

Die müssen jetzt ganz schön drastische Preise zahlen, weiß Armin Spierling vom Reiterhof Spierling in Leist bei Greifswald. „Die Heupreise sind extrem hoch“, sagt er. In anderen Jahren würde man für einen Großballen bis 45 Euro, jetzt durchschnittlich 70 und auch schon mal 90 Euro zahlen. Christian Ehlers hat sogar von 140 Euro pro Ballen in Niedersachsen gehört. Denn in anderen Regionen sehe es noch weitaus drastischer aus als in Vorpommern, ist Armin Spierling überzeugt. Im Landesinneren war es noch trockener, und es gebe weniger Futterreserven, und große Futtertransporte seien regelmäßig nach Schweden und Schleswig-Holstein unterwegs. Er selbst verfüttere Raufutter, das von einem Lohnunternehmen von betriebseigenen Flächen geerntet wurde. „Es reicht, aber auch wir sparen in diesem Jahr“, sagt Armin Spierling.

Auch der Tierpark in Wolgast hat die Auswirkungen des Sommers zu spüren bekommen. „Es passiert ja immer mal, dass es bei einer Frucht Einbrüche gibt“, sagt Tierparkleiter Mirko Daus. Aber so einen Sommer wie 2018 habe er bisher nicht erlebt. „Raufutter konnten wir ausreichend kaufen und einlagern“, sagt er. Hackfrüchte seien allerdings äußerst knapp gewesen. „Die Kartoffelernte war einfach zu schlecht.“ Und das, was geerntet werden konnte, ging auf den normalen Markt. Hungern mussten die Tiere aber dennoch nicht. „Spezialfuttermittel kaufen wir ja sowieso und dann bekommen wir noch abgelaufene Lebensmittel aus den Supermärkten und Obst.“ Auf Grünfutter mussten die Tiere allerdings etwas früher verzichten als üblich. „Wir mussten ja mit der Heuproduktion beginnen“, sagt Mirko Daus.

Pferdehalter Torsten Bäsell aus Miltzow erntet das Futter für seine knapp 20 Vierbeiner selbst. „Ich hatte weniger als sonst, aber es hat gereicht und es ist auch noch was da“, sagt er.

Unterschiedliche Strategien

„Unsere Landwirte haben sich mit unterschiedlichsten Strategien auf die Situation eingestellt und beispielsweise rechtzeitig zusätzlich Futter in Betrieben geerntet, die keine Tierhaltung haben“, sagt Christian Ehlers. Da einige Betriebe in jüngster Zeit die Milchproduktion aufgaben und keine Tiere mehr halten, konnten diese Unternehmen anderen Futter zur Verfügung stellen. Drastisch ist die Maßnahme, „die Mäuler zu reduzieren“, wie Ehlers sagt und den Tierbestand zu verkleinern. Aber auch das habe es gegeben.

Änderungen bei Futterrationen, ersetzen von Gras- durch Maissilage – Futtermais wurde im westlichen Teil Vorpommern noch relativ gut geerntet – oder der Ersatz von Biofutter durch konventionell Erzeugtes, wie das auf Antrag ausnahmsweise wegen der besonderen Situation möglich war, sind weitere Lösungen. „Aber die Landwirte, die Tiere zu versorgen haben, hoffen mit Sicherheit auf ein frühes Frühjahr, um Wiesen und Weiden zeitig zu nutzen“, sagt Christian Ehlers.

Der Landesbauernverband hat bereits zu Beginn des Sommers im letzten Jahr eine Onlinefutterbörse geschaltet, die intensiv auch von den Landwirtschaftsbetrieben in unserer Region genutzt wurde, informiert der Bauernverbandsgeschäftsführer. Auch das habe zu einer Entspannung der Situation geführt. Mehr als 200 Angebote beziehungsweise Gesuche für Futter waren dort zu finden. Letzte Futterangebot wurden dort allerdings Mitte Dezember veröffentlicht.

Dana Frohbös und Almut Jaekel

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