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Grimmen Diskussionen um Stolpersteine für Grimmen gehen weiter
Vorpommern Grimmen Diskussionen um Stolpersteine für Grimmen gehen weiter
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12:39 30.08.2019
Agnes Roither legte Rosen nieder, wo längst hätten Stolpersteine sein können. Seit das Thema in den Medien ist, ist der Mutter aus Sievertshagen bewusst geworden, dass es in Grimmen keinerlei Gedenken an die vertriebenen Juden gibt. "Wie hier darüber kommuniziert wird, ist Verdrängung und keine Aufarbeitung", sagt sie. Mit der Hilfe von Hobby-Historiker Sven Thurow hat sie Namen und Adressen der Grimmener Juden ermittelt. Gemeinsam haben die beiden jedem eine Rose gewidmet. Quelle: Dana Frohbös
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Grimmen

Den meisten Stadtvertretern hängt das Thema „Stolpersteine für Grimmen“ sprichwörtlich zum Halse raus. Bei der Sitzung am Donnerstagabend sprachen sie Klartext, als es um den Antrag der SPD ging. Mario Bauch, an diesem Abend Einzelkämpfer seiner Fraktion und neu in der Stadtvertretung, formulierte noch einmal wie wichtig es für die Außenwirkung der Stadt sei, die kleinen Messingtäfelchen in Erinnerung an die ermordeten Grimmener Juden, so schnell wie möglich vor das letzte Wohnhaus der Familie Davidson in den Gehweg einzulassen. Zuspruch bekam er jedoch nur von Armin Latendorf (Die Linke).

„Unwahrheiten werden auch nicht wahr, wenn Sie sie immer wieder wiederholen“

Während Mario Bauch von einem Beschluss aus dem Jahr 2017 sprach, in dem sich die Stadtvertreter für das Projekt entschieden, es aber immer noch nicht umgesetzten, widersprach Stadtrat Roland Wildgans in Vertretung von Bürgermeister Benno Rüster diesen Aussagen energisch. Es sei nie zu so einem Beschluss gekommen. Die Stadtvertreter hatten sich damals lediglich dafür ausgesprochen, das Thema im Kulturausschuss zu diskutieren, um nach Alternativen für die Stolpersteine zu suchen. „Es gab nie einen derartigen Beschluss, Herr Bauch. Unwahrheiten werden auch nicht wahr, wenn Sie sie immer wieder wiederholen!“

„Wir haben so viele wichtigere Themen als die Stolpersteine

Auch CDU-Fraktionschef Lutz Herzberg fand deutliche Worte: „Wir haben das Thema in der letzten Legislaturperiode abgeschlossen, denn wir haben ein Denkmal für die Verfolgten des Nationalsozialismus.“ Außerdem wies er darauf hin, dass es einige jüdische Verbände gibt, die sich klar gegen die Stolpersteine aussprechen. Ihrer Meinung nach sollte niemand auf den Namen von Ermordeten „rumtrampeln“. Und das wäre der Fall, wenn die Steine im Gehweg eingelassen werden. Diese Meinung unterstrich auch Marco Jahns (CDU): „Wir haben so viel wichtigere Themen als die Stolpersteine“, leitete er ein: „Stolpersteine werden in anderen Städten beschmiert, bespuckt und beschmutzt. Die Erinnerung findet nicht auf Augenhöhe statt, es ist nicht die richtige Art und Weise, der Toten zu gedenken.“

Landes-Rabbiner William Wolff soll eingeladen werden und informieren

Stadtpräsident Harry Glawe wirkte schlichtend auf die hitzige Diskussion ein: „Ich schlage vor, dass wir den Landes-Rabbiner William Wolff aus London als Experten einladen und das Thema sachlich im Hauptausschuss diskutieren.“ Doch Mario Bauch war nicht vollkommen zufrieden mit dem Vorschlag. Er wünschte sich, dass über den Antrag sofort abgestimmt werden sollte, um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden. Er ließ sich dann von Harry Glawe aber doch von folgenden Worten überzeugen: „Verstehen Sie es, ein Demokrat zu sein, Herr Bauch, und folgen Sie der Meinung der Mehrheit. Demokratie ist oft schwierig.“

Ein Vorschlag könnte als Kompromiss dienen

Ein Vorschlag von Armin Latendorf schien dann allen Fraktionen als guter Kompromiss. „Wir sollten am bestehenden Denkmal auf dem Friedhof eine Tafel anbringen, auf denen die Namen der getöteten jüdischen Mitbürger genannt werden. Diese Ergänzung am Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges, ist schnell gemacht und kostet nicht viel Geld. Der 9. November wäre meiner Meinung nach ein gutes Datum, die Ergänzung feierlich einzuweihen.“ Am 9. November 1938 wurden in der Reichspogromnacht Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Menschen brutal zerstört. Dem Vorschlag von Armin Latendorf widersprach zunächst niemand. Die Stadtvertreter einigten sich darauf, das Thema im Hauptausschuss im Beisein vom Landes-Rabbiner und anderen Fachleuten weiter zu besprechen. Harry Glawe bot an, die Veranstaltung zu moderieren, und sagte abschließend: „Ich bin mir sicher, dass wir eine vernünftige Lösung finden werden.“

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Mehr zur Autorin: Carolin Riemer

Von Carolin Riemer

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