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Grimmen Archäologe berichtet in der Kirchenruine Rolofshagen
Vorpommern Grimmen Archäologe berichtet in der Kirchenruine Rolofshagen
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15:12 14.07.2019
Dr. C. Michael Schirren vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bei seinem Vortrag in der Feldstein-Kirchenruine in Rolofshagen. Quelle: Almut Jaekel
Rolofshagen

„Neue archäologische Funde rund um Rolofshagen“ war die jüngste Veranstaltung in der Feldstein-Kirchenruine des Fördervereins am Sonnabend überschrieben. Ein bisschen weiter musste Dr. C. Michael Schirren, Dezernent im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV ausholen. „Rund um Rolofshagen haben wir nämlich bisher wenig gesucht und gefunden“, sagte er den interessierten Gästen.

Dass die heutige Franzburger Kirche nur ein Seitenflügel der ehemaligen Abteikirche des Zisterzienserklosters Neuenkamp ist, wissen vielleicht noch einige. Dass es aber schon vor der Erbauung dieser Kirche zwischen 1280 und 1330 eine Klosterkirche in Franzburg gegeben hat, wohl nur wenige. Eine Gründungsurkunde aus dem Jahr 1229 weise aber darauf hin, machte Schirren die Zuhörer neugierig. Bereits in den 60er-Jahren war man erstmals dieser Spur nachgegangen und erfuhr, dass das ursprüngliche Kloster Neuenkamp gar nicht in der heutigen Stadt und auch nicht auf dem Klosterberg zu finden war, sondern am Ostende des Richtenberger Sees. „Vielleicht wurde aus dem ehemaligen ersten Kloster Neuenkamp viel später sogar der Ort Neubauhof“, mutmaßt Michael Schirren.

„Auf diesem Platz in Franzburg wurde das Geld erarbeitet, mit dem beispielsweise das Tochterkloster auf Hiddensee entstand und der Kampische Hof als Handelshof in Stralsund gegründet wurde. „Noch heute kann man dort eine Rotfärbung des Ackers sehen – hervorgerufen von den vielen Scherben, als einst die Backsteine für die Kirchen dort gebrannt wurden“, sagte Schirren. „Warum wurde dann in Rolofshagen eine Feldsteinkirche gebaut und keine aus Backsteinen“, fragten die Besucher. „Das war wahrscheinlich zu teuer“, vermutet Schirren.

Oft stehen die Archäologen vor Rätseln. „Handwerkszeug oder Totschläger?“ – die Frage stellte sich, als Reste einer Steinkeule bei Velgast gefunden wurden“, berichtete Schirren. Ein Loch, nicht gebohrt, sondern gepickt, zeichnete das Fundstück aus.

„Es liegt zeitlich nach der Rentierjagd, als es aber noch keine Bauern hier gab und Auwälder unsere Landschaft bestimmten“, sagte er. 3000 bis 5000 Jahre vor Christus ist dieses Stück datiert. Wesentlich häufiger werden solche Stücke weiter im Süden gefunden – wo sich schon längst Landwirtschaft etabliert hatte. Dass diese Keulen als Waffen bei der Jagd dienten, leuchte ein, sagt Schirren. Aber was machten die Bauern damit? Kamen sie mit Kriegen in den Norden und damit in die hiesige Jäger und Sammler-Kultur?

Vom Schaproder Silberschatz, der Arbeit der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger, ihrem Eifer und den akribischen Suchen berichtete Schirren. Und von den Schlüssen, die die Funde immer wieder auf das Leben der Menschen vor Jahrtausenden zulassen, auf ihren Handel, auf Kontakte weit in die Welt hinaus. Er informierte über Depotfunde im Tollensetal und Redebas an ein und demselben Sonntag, aber auch davon, das dem Landesamt Kapazitäten fehlen, all die Funde aufzuarbeiten. Und natürlich erwähnte er auch, dass die Möglichkeit der Ausstellung fehle. Und damit war Schirren beim geplanten Archäologischen Landesmuseum angekommen, für das die Ampeln jetzt in Rostock auf Grün gestellt seien.

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Almut Jaekel

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