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Grimmen Die beeindruckende Kirchenruine in Hoff: Wertvolle Petrus-Figur gelangt nach Greifswald
Vorpommern Grimmen

Attraktion an der Ostsee: die Kirchenruine von Hoff

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17:48 02.01.2022
Die Kirchenruine von Hoff
Die Kirchenruine von Hoff Quelle: Erwin Rosenthal
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Hoff

Im Pommerschen Landesmuseum Greifswald befindet sich eine Petrusfigur aus dem früheren Altar der Kirche in Hoff (Trzęsacz). Pfarrer Mielke, der letzte Pfarrer der Kirche, hatte sie als Geschenk erhalten und auf Umwegen gelangte sie an ihren heutigen Platz. Es ist gewiss ungewöhnlich, dass ein Pfarrer ein solches Geschenk bekommt. In dem kleinen, 1,5 Kilometer westlich von Rewahl gelegenen, hinterpommerschen Kirchdorf Hoff, das vor Jahrhunderten neben einem Rittergut entstanden war, tickten jedoch die Uhren anders.

Am 2. August 1874 war in der dortigen Kirche der letzte Gottesdienst gefeiert worden. Ein Jahrzehnt später trug man den Dachstuhl ab und versteigert das Mauerwerk. Einen Teil der Kirchenausstattung, darunter ein prachtvolles spätmittelalterliches Triptychon, übernahm das Camminer Dommuseum. Die besagte Petrus-Figur gelangte 2012 – auch mit Hilfe der Pommerschen Landsmannschaft – ins Pommersche Landesmuseum.

Die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts etwa zwei Kilometer von der Küste entfernte, mitten im Dorf erbaute, spätgotische Nikolaikirche, deren hölzernen Turm im Jahre 1760 ein Blitzschlag zerstört hatte, war über Jahrhunderte das festgefügte Gotteshaus des Dorfes. Lange Zeit hatte es niemand beunruhigt, dass sich die See dem Ort jährlich etwa zwei Meter näherte.

König Friedrich II. verweigerte Unterstützung

Die Petrusstatue aus Hoff Quelle: Pommersches Landesmuseum

1730 standen seewärts nur noch zwei Bauernhöfe. Im Jahre 1771 war die Kirche noch zehn Schritte vom 20 Meter hohen Uferabbruch entfernt. Das Domkapitel und der Landrat untersagten, weitere Bestattungen auf dem alten Kirchhof. Die Sorge um die Stabilität des Gotteshauses nahm zu. Preußenkönig Friedrich II. lehnte allerdings das Ersuchen ab.

Schwere Stürme in den Jahren um 1850 ließen den Abstand zwischen dem Abgrund und der Kirche auf wenige Fuß schrumpfen. 22.000 Taler für einen steinernen Schutzwall vermochte niemand aufzubringen. 1900 stürzte die Nordwestecke ab, 1901 die gesamte Nordwand. Nach und nach verschwanden immer größere Teile des Bauwerkes in der Tiefe. Heute existiert nur noch ein Teil der Südwand mit drei Bögen.

Nachdem man die alte Kirche aufgegeben hatte, entstand um 1880 in 200 Metern Entfernung eine neue Dorfkirche, die den prächtigen Altar der verfallenen Kirche erhielt. Sie war im Krieg beschädigt worden, wurde jedoch mittlerweile restauriert.

Seit 2004 verhindern massive Schutzbauten das weitere Abrutschen der weithin bekannten Ruine in Hoff, die heute die Touristen-Attraktion des Ortes ist. 2009 wurde neben der Ruine eine zehn Meter hohe Stahlbrücke als Aussichtsplattform und Strandzugang errichtet.

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Lyonel Feininger inspirierte die Ruine von Hoff, die für Pommern ein wichtiges Denkmal ist, zu etwa 30 Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden. Für ihn gab es in Amerika nichts Vergleichbares.

Von Erwin Rosenthal