Auffangstation Boltenhagen: „Rehe sollen Chance auf Leben haben“
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Grimmen Auffangstation Boltenhagen: „Die Rehe sollen eine Chance auf Leben haben“
Vorpommern Grimmen

Auffangstation Boltenhagen: „Rehe sollen Chance auf Leben haben“

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15:03 18.06.2021
Kathleen Müller hat ein Herz für Wildtiere und zieht die tierischen Waisen auf.
Kathleen Müller hat ein Herz für Wildtiere und zieht die tierischen Waisen auf. Quelle: Roswitha Pendzinsky
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Boltenhagen

Der kleine Rehbock Bambi hatte einen schlechten Start ins Leben. Direkt nach seiner Geburt verlor das einseitig erblindete Kitz seine Mutter, hatte aber gleichzeitig Glück, in die private Wildtier-Auffangstation von Kathleen Müller in Boltenhagen gekommen zu sein. „Die Rehe sollen eine Chance auf Leben haben“, betont Kathleen Müller, ehrenamtliche Wildtierretterin. Und das macht sie unentgeltlich, mit viel Sachverstand, großem Herz für Tiere und der Unterstützung ihrer beiden Hunde – „Kessy“ und „Sammy“.

In den vergangenen Wochen, wo die Kitze oftmals im hohen Gras geboren werden und gleichzeitig die Grasmahd bei den Bauern in vollem Gange ist, passierte das Unglück. Um die kleinen Rehe vor einem schrecklichen Ende zu bewahren, fliegen Mitglieder der Wildtierrettung ehrenamtlich die Wiesen mit Drohen ab. Dabei entdeckte Tiere werden großzügig markiert, damit die Mutter sie wiederfindet. Doch trotz der Mühen der Bauern und Retter komme es ungewollt zu Unfällen. Dann holt Kathleen Müller die Findelkinder ab.

Am 19. Mai 2020 ereignete sich der Vorfall im hohen Gras, als Bambi schreiend gefunden wurde. Die Tierfreundin habe ein großes Herz für die kleinen Wilden und schon viel Erfahrung bei der Aufzucht von anderen tierischen Findelkindern, wie Igel oder Eichhörnchen. Deshalb wurde ihr das kleine Kitz anvertraut. „Die kleinen Dinger haben es einfach nicht verdient, dass man sich nicht um sie kümmert“, sagt Müller und ergänzt: „Früher habe ich das nicht verstehen können und jetzt bin ich selbst in der Lage.“ Denn sie ist davon überzeugt: „Es ist und bleibt ein Wildtier.“ Jedoch begleite auch die 39-Jährige der stetige Zwiespalt, je mehr sich der Mensch um die Tiere kümmert, umso schwieriger wird es, sie auszuwildern.

Heute schläft der Rehbock „Bambi“ genüsslich im Schatten. Quelle: Roswitha Pendzinsky

Das für die Fütterung wichtige Colostrum ist schwer erhältlich

Auf dem großen gepflegten Gehöft in Boltenhagen sind einige Zwei- und Vierbeiner unterwegs. „Bambi“ ist gemeinsam mit der jungen Langhaarcolli-Hündin Kessy aufgewachsen. Aktuell „unterstützen“ beide Hunde, auch Rüde Sammy, ihr Frauchen bei der Versorgung drei weiterer Kitze. Alle haben traurige Schicksale. Nicht nur, dass allen die Mutter auf tragische Weise genommen wurde, eins wurde von einem Fuchs schwer verletzt. Mit Gewichten zwischen 1400 und 1700 Gramm bedeutet es, die Kleinen alle zwei bis drei Stunden mit Milch zu versorgen.

Für einen gesunden Start ist Colostrum (Erst- oder Biestmilch) extrem wichtig. Da heranzukommen, noch viel schwieriger. Dieses Mal half der Ziegenhof in Sievertshagen aus. Auch wenn die meiste Arbeit bei Kathleen Müller liegt, sie erfährt auch viel Unterstützung von befreundeten Tierärzten und hat Hilfe von einer Tierliebhaberin aus der Gemeinde.

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Die Süderholzerin gibt darüber hinaus auch den Schwalben die Möglichkeit, an den Gebäuden auf dem Hof zu bauen. Im letzten Jahr zählte die agile Frau mehr als 40 Schwalben, die hier ausgebrütet wurden. Im Spätsommer sammeln sie sich auf den Freileitungen vorm Haus. Eine Plakette von der Nabu bestätigt es als „Schwalbenfreundliches Haus“. Ein schöner Ort, wo Haus- und Wildtiere ihren Platz miteinander friedlich teilen.

Von Roswitha Pendzinsky