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Grimmen Autobahn zu laut: Wendischer wollen Plan gegen den Lärm
Vorpommern Grimmen Autobahn zu laut: Wendischer wollen Plan gegen den Lärm
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00:01 13.10.2017
Vis-á-vis der Autobahn: Leyerhofer empfinden den Straßenlärm als sehr störend. Mehr als 17000 Fahrzeuge rollen hier laut Bundesanstalt für Straßenwesen täglich vorbei. Quelle: Foto: Anja Krüger
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Leyerhof

Kein Lärmaktionsplan für die Gemeinde Wendisch Baggendorf? Vehement wehrten sich einige Gemeindevertreter gegen diese Beschlussvorlage auf ihrer Sitzung am Mittwochabend.

„Die Lärmbelästigung durch die Autobahn hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen“, waren sich Gudrun Herberg und Christiane Opitz einig. Die beiden Gemeindevertreterinnen wohnen mit ihren Familien in unmittelbarer Nähe der Autobahnabfahrt Grimmen-West. Circa 300 Meter vor ihrer Tür brausen Pkw, Lkw und Busse vorbei. „Teilweise kann man sich draußen nicht in normaler Lautstärke unterhalten“, berichtet Christiane Opitz.

Sie und weitere Gremiummitglieder halten die Angaben in den Lärmkarten – erstellt vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) – mit Stand vom 30. Juni 2017 teilweise für falsch. Den Karten nach sind 30 Wohneinheiten einer Geräuschkulisse von mehr als 55 aber weniger als 60 Dezibel (dB) ausgesetzt. Zum Vergleich: Die normale Gesprächslautstärke wird allgemein mit 60 dB angegeben.

Ein Lärmaktionsplan sei erst ab einem Wert von 65 dB erforderlich. „Ich bin überzeugt davon, dass es sehr oft sehr viel lauter ist“, meinte Christiane Opitz.

Vis-á-vis der Autobahn 20 wohnen die Leyerhofer . Noch vor fünf Jahren waren sich die Volksvertreter einig, dass ein Lärmaktionsplan für die Gemeinde nicht von Nöten sei. Laut Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) muss ein Lärmaktionsplan erstellt werden für Orte in der Nähe einer Hauptverkehrsstraße wie der A20 mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als sechs Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr oder bei Ballungsräumen mit mehr als 250000 Einwohnern.

Laut einer Verkehrszählung (Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen; Stand 2015) rollen zwischen Tribsees und der Autobahnabfahrt Grimmen-West – in dem Bereich befindet sich die Gemeinde – innerhalb von 24 Stunden rund 17400 Fahrzeuge. Ergibt auf ein Jahr hochgerechnet tatsächlich mehr als sechs Millionen. Im nächsten Autobahnabschnitt – zwischen Grimmen-West und Grimmen-Ost – sind es allerdings aufs Jahr gerechnet weniger.

Die Gemeindevertreter würden sich Maßnahmen gegen den Lärm erhoffen, machten sie auf ihrer Sitzung am Mittwochabend deutlich. „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre beispielsweise denkbar“, meinte Gemeindevertreter Thomas Wussow. Sechs der sieben anwesenden Volksvertreter stimmten letztendlich für das Aufstellen eines Lärmaktionsplanes, einer enthielt seine Stimme. Seitens des Amtes Franzburg-Richtenberg will man sich nun informieren, wie weiter verfahren wird.

Die Erfahrung, was so ein Lärmaktionsplan bringt, hat die Gemeinde Sundhagen gemacht. Als Fazit zog die Kommune, die ihren Lärmaktionsplan vor zweieinhalb Jahren beschloss, ein ernüchterndes Fazit.

Rund 5000 Euro kostete die eh schon klamme Großgemeinde das Schriftstück. Auch ohne diesen Plan seien zuvor Maßnahmen ergriffen worden, um die Lärmbelästigung zu reduzieren, hieß es seinerzeit. Dass es am Ende rausgeschmissenes Geld gewesen sei, wollte aber wiederum niemand direkt sagen.

Plan soll vor schädlichen Auswirkungen schützen

Im Juli 2002 ist die Europäische Richtlinie über die „Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“ (EG-Umgebungslärmrichtlinie) in Kraft getreten und im Juni 2005 in deutsches Recht umgesetzt worden.

Mit der EG-Umgebungslärmrichtlinie muss auch in Mecklenburg-Vorpommern die Lärmsituation in Form von Lärmkarten veranschaulicht und die Öffentlichkeit über den Inhalt der Lärmkarten informiert werden.

Rechtliche Grundlage für die EU-Richtlinie in Deutschland ist das Bundes-Immissionsschutzgesetz (sechster Teil; „Lärmminderungsplanung“) Lärmkarten wurden durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V (LUNG M-V) erstellt.

Alle fünf Jahre haben die Vertretungen der Kommunen des Landes darüber zu beraten, ob ein Lärmaktionsplan vonnöten ist beziehungsweise sich die Lärmsituation in ihrem Bereich verändert hat.

Ein Lärmaktionsplan soll grundsätzlich Festlegungen enthalten, um Bürger vor schädlichen Auswirkungen durch Verkehrslärm zu schützen.

Anja Krüger

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