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Grimmen Barth führt Tourismusabgabe ein
Vorpommern Grimmen Barth führt Tourismusabgabe ein
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00:18 18.09.2015
Mathias Brestel, Marco Dahlmann, Tino und Ulrike Maxin, Christian Ewert und Matthias Krüger (v. l.) vor dem Haus inder Kleinschmiedstraße 18. Quelle: Miriam Weber
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Stralsund

Barth Seit Jahresanfang ist Barth als Erholungsort anerkannt. Wie will die Stadt mit dem Titel den Tourismus ankurbeln? Ab wann eine Abgabe erheben? Die OZ sprach mit Bürgermeister Stefan Kerth (SPD):

OSTSEE-ZEITUNG: Sie wollten nicht nur das Schild „Staatlich anerkannter Erholungsort“ am Ortseingang haben, sondern auch eine Professionalisierung des Tourismus erreichen. Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

Stefan Kerth: Wir wollen mehr Touristen nach Barth bekommen. Das passiert üblicherweise so, dass man über zweckgebundene Abgaben mehr Leute reinholt. Wir sind gerade mit Hochdruck dabei, diese Abgabenerhebung vorzubereiten.

OZ: Von wem wird die Stadt diese Abgabe erheben?

Kerth: In Erholungsorten sind zwei Abgaben üblich. Zum einen vom Gast die klassische Kurtaxe. Der Begriff passt aber nicht zu uns, weil wir kein Kurort sind. Wir nennen es Erholungsortabgabe. Die zweite Abgabe werden wir von Gewerbetreibenden erheben. Dabei handelt es sich um die Fremdenverkehrsabgabe.

OZ: Wie weit sind die Vorbereitungen?

Kerth: Wenn man eine Abgabe erhebt, muss es dafür eine Kalkulation geben. Unsere Verwaltung hat sich dazu weiterbilden lassen. Das Aufstellen der Kalkulation ist sehr viel detaillierter, als wir uns das vorgestellt hatten. Alle Ausgaben von touristischen Einrichtungen müssen erfasst werden, auch Minimalbeträge, centgenau. Das geht so weit, das wir aufzeigen müssen, wie oft die Toilettenhäuschen von Barthern und Auswärtigen angenommen werden. Wir machen zurzeit eine Bestandsaufnahme über alles, was in Barth touristischen Charakter hat. Das sind zum Beispiel das Vineta-Museum, Theater, die Bibliothek und Barth-Information. Auch die Grünflächen und der Stadthafen gehören dazu. Das ist sehr aufwändig

OZ: Ab wann will die Stadt diese Tourismusabgabe erheben?

Kerth: Der Plan, dass wir damit 2016 starten, ist nach wie vor aktuell. Die Verwaltung wird in den nächsten Wochen mit den Arbeitsergebnissen in die Fachausschüsse gehen. Das wird sicherlich noch schwierige Diskussionen geben. Wir reden letztlich über Abgabenerhebungen. Und die sind immer unpopulär.

OZ: Wie hoch werden sie ausfallen?

Kerth: Die Höhe wird sich nach dem Ergebnis der Bestandsaufnahme und nach Zweckmäßigkeitsüberlegungen richten. Wir müssen politisch darüber nachdenken und genau überlegen, welchen Umlegungsgrad wir nehmen.

OZ: Wie viel wendet die Stadt Barth für den Tourismus auf?

Kerth: Wir können durch unsere Bestandsaufnahme zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass wir jährlich etwa 650000 bis 750000 Euro für den Tourismus aufwenden. Das ist jedoch nur ein vorläufiger Wert, da die Bestandsaufnahme noch nicht abgeschlossen ist.

OZ: Was erhoffen Sie sich durch die zusätzlichen Einnahmen?

Kerth: Ich sehe darin Chancen, dass wir für die Touristen besser werden. Auch nach außen hin. Wir sind beim Marketing noch nicht perfekt. Da können wir aufholen. Ich bin sehr hoffnungsvoll.

OZ: Wie weit ist die Idee gereift, den Tourismus in Barth vielleicht durch eine GmbH zu steuern?

Kerth: Die Gespräche laufen. Ich denke, dass wir schon bald Ideen zu einem Betrieb vorstellen können. Wir werden mit einem Satzungsentwurf und wie wir den Tourismus betreiben wollen, in die Gremien gehen. Ich hoffe, dass bis zum Jahresende die Weichenstellungen erfolgen können.

Den Maler-Oscar an den Sund geholt
An vielen Häusern hat Tino Maxin seine Spuren hinterlassen. Seine Farbspuren. Dafür bekam der Malermeister mit seiner Firma nun gemeinsam mit dem Berliner Architekten Roland Wolff den Deutschen Fassadenpreis. Geehrt wurden sie für die Fassadengestaltung des Hauses Kleinschmiedstraße 18.
Beim Wettbewerb, der vom Unternehmen Brillux initiiert wird, gab es über 400 Einreichungen aus ganz Deutschland und Österreich. „Das wir zu den Preisträgern gehören, macht mich stolz“, sagt Tino Maxin. In den Entwicklungsprozess der Farbgestaltung war Tino Maxin zwar mit eingebunden, doch viel Spielraum blieb Architekt Wolff und dem Malermeister nicht. Schließlich handelt es sich bei der Kleinschmiedstraße 18 um ein denkmalgeschütztes Gebäude.
1321 taucht die Kleinschmiedstraße erstmals in alten Urkunden auf. Ihren Namen erhielt sie, weil sehr viele Kleinschmiede in dieser Straße ansässig waren.
1944 wurden viele Häuser bei einem Flugzeugabsturz zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen, darunter auch die Nummer 18. Nur die Fassade blieb noch stehen. 1950 wurde das Haus dann wieder neu aufgebaut, die Brandmauer aus dem 14. Jahrhundert konnte dabei sogar erhalten werden.
Im Jahr 2009 sanierte der heutige Eigentümer des Hauses, der Architekt Roland Wolff, das Gebäude, nun erhielt es einen neuen Anstrich. „Die Farben waren weitgehend vorgegeben“, sagt Roland Wolff.
Trotz allem konnte er gemeinsam mit Tino Maxin ein paar Akzente setzen. Weiße Farbfelder, die den Lichtfang der mittleren Fensterreihe vergrößern, der gleiche Farbton findet sich am Dachkasten wieder. „Das ist ein rundes Bild“, erklärt Tino Maxin. Auch der Farbton der Hauseingangstür ist identisch mit der Hausnummer und Absetzungen am Fensterkreuz. „Durch diese dezenten Spielereien konnten wir die Tristesse ein wenig aufheben und das Bild etwas beleben.“
Das sah die 13-köpfige Jury, die sich aus Architekten, Farbgestaltern, Handwerkern und Fachredakteuren zusammensetzt, genauso. In der Begründung zur Ehrung heißt es: „Dieses sehenswert gestaltete Gebäude ist in der Gegenwart angekommen, ohne die Wurzeln zu seiner Vergangenheit zu kappen.“
Für Tino Maxin und seine vier Mitarbeiter eine besondere Ehrung. „Wenn ich durch die Altstadt gehe, bin ich stolz darauf, dass wir unseren Anteil dazu leisten konnten, dass die Stadt so schön ist“, sagt der 45-Jährige. Auf einen besonderen Auftrag, der jetzt ansteht, ist er schon gespannt: „Wir werden einen Giebel von einem Kranausleger aus streichen. Anders kommen wir da nicht ran. Das ist für uns eine Premiere.“
Fassadenpreis
Der Deutsche Fassadenpreis wurde zum 24. Mal vom Farben- und Lackhersteller Brillux ausgelobt.
Eine 13-köpfige wählte aus über 400 Einreichungen aus Deutschland und Österreich die Preisträger aus.



Dl Miriam Weber

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