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Grimmen Bauernverband: „Kaum ein kleiner Betrieb wird fünf Jahre überleben“
Vorpommern Grimmen Bauernverband: „Kaum ein kleiner Betrieb wird fünf Jahre überleben“
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16:33 10.09.2019
Frank Hartmann, Landwirt aus Wustrow und Vorsitzender des Bauernverbandes Nordvorpommerns, befürchtet, dass sich die Arbeit auf dem Acker durch die immer härtere Reglementierung extrem verteuern werden. Quelle: Robert Niemeyer
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Grimmen

Frank Hartmann ist Chef des Bauernverbandes Nordvorpommern. Auch er befürchtet ein Sterben von Agrarbetrieben.

Herr Hartmann, teilen Sie die Befürchtungen ihrer Kollegen?

Ich habe sogar noch größere Befürchtungen. Wohl kaum ein kleiner oder mittelständischer Landwirtschaftsbetrieb wird nach dem Agrar-Pakt noch fünf Jahre überleben können. Die Bedingungen für die Arbeit auf dem Acker werden durch die immer härtere Reglementierung nämlich extrem verteuert.

Die wichtigsten Punkte des Agrar-Pakets

Das Bundeskabinetthat am 4. September ein Paket umstrittener Gesetzentwürfe für Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft beschlossen. Die wichtigsten Punkte darin sind:-ein nationales Verbot für die Anwendung von Glyphosat bis spätestens 31. Dezember 2023.-eine systematische Minderungsstrategie für Glyphosat ab 2020 mit Verboten und Teilverboten für den Einsatz bei der Stoppel-, Vorsaat- und Vorerntebehandlung, auf Grünland, im Wald, in Weihnachtsbaumkulturen, auf Gleisanlagen, in privaten Gärten und auf öffentlichen Parkflächen.

-ein Mindestabstand zu Gewässern von zehn Metern bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und ein Abstand von fünf Metern, wenn die Abstandsfläche dauerhaft begrünt ist.

-die Einführung eines Tierwohl-Labels. Die Verwendung des Tierwohlkennzeichens ist dabei freiwillig, dreistufig und wird an die Erfüllung von Anforderungen an die Haltung, den Transport und die Schlachtung von Tieren geknüpft.

-an Direktzahlungen von der EU bekommen die Bauern ab 2020 pro Hektar etwa 4,50 Euro weniger. Das Geld soll über Agrarumweltmaßnahmen zum Großteil an die Landwirte zurückfließen.

Schon ab 2021 soll zudem die Anwendung von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden in Schutzgebieten verboten werden. Zu diesen Gebieten gehören unter anderem FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete, Nationalparks und Vogelschutzgebiete. Artenreiches Grünland, Streuobstwiesen und Trockenmauern sollen als Biotop unter den gesetzlichen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes aufgenommen werden.

Haben Sie einen Vorschlag, diesem Trend entgegenzuwirken?

Die Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt müssen dringend aufeinander abgestimmt werden! Gleiches Recht und gleiche Pflichten, die für alle Landwirte gelten. Wenn wir unsere Landwirte mit derartigen Gesetzen belasten, müssen sie auch in Ländern gelten, aus denen Deutschland die Waren importiert. Und das ist nicht der Fall.

Wo sehen Sie die deutsche Landwirtschaft in ein paar Jahren?

Ganz eindeutig: Es scheint, die Politik arbeitet derzeit darauf hin, dass es in Deutschland nur noch Blumenwiesen geben wird und dass wir unsere Lebensmittel nicht mehr selbst anbauen, sondern aus anderen Staaten importieren. Dafür möchten die deutschen Politiker am liebsten überall ein Siegel rauf kleben.

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