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Grimmen Bei „Querbeet“ reift die zweite Ernte
Vorpommern Grimmen Bei „Querbeet“ reift die zweite Ernte
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03:45 13.07.2013
Uwe Woyzek betreut die Beete, auf denen Kürbispflanzen wachsen. Dass sie so gut stehen, freut ihn. Fotos (5): Christine Drabsch
Uwe Woyzek betreut die Beete, auf denen Kürbispflanzen wachsen. Dass sie so gut stehen, freut ihn. Fotos (5): Christine Drabsch
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Griebenow — Mittwoch, 9 Uhr. Im Speisesaal der Biolandgärtnerei „Querbeet“ ist Frühstückszeit. Die Mitarbeiter und einige Betreuer packen Stullenpakete aus, auf den Tischen stehen Kannen mit Kaffee und Tee. Man unterhält sich leise. Da ruft Ines Janke, die für die Gärtnerei die Büroarbeit übernimmt, Namen in den Raum und fragt, wer denn heute Mittag essen möchte. Es gibt Grieß mit Früchten und Saft. Ein vielstimmiges „Ja“ kommt zurück.

„Das Essen bekommen wir von den Peene-Werkstätten in Grimmen, es wird dort in der Küche selbst gekocht“, erklärt Betreuer Heiko Anders die große Nachfrage. Er teilt morgens die Arbeit für die 34 Mitarbeiter der Biolandgärtnerei ein. Kleine Gruppen kümmern sich um die diversen Kulturen. „Zuerst geht es ans Ernten“, informiert er. „Erst danach steht die Pflege auf dem Programm und auch die Aussaat.“ Denn bei Salat und Kohl zum Beispiel werde nicht nur geerntet, sondern ebenfalls ausgesät. „Außerdem werden heute und morgen wieder Abo-Kisten gepackt“, berichtet Heiko Anders. „Sie sind gefüllt mit Gurken, Blumenkohl, Kartoffeln, Mangold, Salat, Kräutern “, zählt er auf. An den folgenden beiden Tagen werden sie dann ausgefahren. „Beliefert werden zum Beispiel täglich mit frischem Gemüse auch die Läden Pommerngrün, Keimblatt oder Sonnenmichel in Greifswald“, erzählt er. „Das Ausliefern übernimmt aber ein Fahrdienst.“ Bei Blumenkohl sei das schon die zweite Ernte, seit etwa vier Wochen werden Gurken und schon seit April Zucchini geschnitten und Radieschen geerntet. Die Erdbeeren seien aber „durch“. „In einer Woche, 14 Tagen werden die Tomaten soweit sein“, ist er sicher. Und die kämen dann in großen Mengen.

Heiko Anders ist schon seit zehn Jahren als Betreuer tätig. „Ich komme aus dem landwirtschaftlichen Bereich“, sagt er. Aber bei „Querbeet“ zu arbeiten, sei „einfach nur schön“. Die Tage mit seinen behinderten Mitarbeitern würden ihm enorm viel geben. „Manchmal sehe ich schon an ihrem Gesichtsausdruck, wie es ihnen geht“, sagt er . Dann nehme er sie zur Seite, suche das Gespräch. „Die Arbeit in der Biolandgärtnerei gibt diesen Menschen die Möglichkeit, sich zu verwirklichen“, findet er. „Sie sind sehr feinfühlig, aber auch ehrgeizig, sie ergänzen sich und helfen sich gegenseitig“, hat er erfahren. Dabei sei die Gartenarbeit beileibe nicht einfach.

Im Hofladen sind zu dieser Zeit Tobias Krüger und Henri Uteß damit befasst, Abo-Kisten zu füllen. Einige davon stapeln sich schon meterhoch an der Wand. Bis zu 120 Kisten gehen pro Woche raus, die Zahl variiert je nach Nachfrage. Tobias Krüger trägt helle Handschuhe, mit denen er Kartoffeln, Blumenkohl, Salat und anderes zum Wiegen auf die elektronische Waage legt. Ein paar Meter entfernt füllt Prof. Richard Bräu aus Greifswald einen Plastikbeutel mit Tomaten. Margit Markert, ebenfalls schon lange bei „Querbeet“, begrüßt den Stammkunden herzlich. Der Greifswalder erzählt, dass er nach dem Besuch bei seiner Verwandtschaft in Grimmen auf dem Rückweg immer bei der Biolandgärtnerei Halt macht. „Weil es hier so knackig frisches Gemüse gibt.“ Er stehe aber auch hinter dem sozialen Anliegen dieser Einrichtung, betont er. Marlies Kaeding, die als Kräuterfee bekannt ist, freut sich besonders, den Professor bedienen zu können, der danach zufrieden den Hofladen verlässt.

Zufrieden sind auch Andreas Petenyi und Stefanie Fabienke, die beide das Küchenteam der Gärtnerei bilden. Sie haben nach dem gemeinsamen Frühstück die Tische im Speisesaal abgeräumt und gewischt und das Geschirr bereits abgewaschen. Stefanie und Andreas sind schon seit acht Jahren bei „Querbeet“. „Wir fühlen uns hier wohl. Es gibt viel Abwechselung“, versichert Andreas Petenyi. Die Küchenarbeit mache viel Spaß, versichert er, aber manchmal helfen sie auch den anderen bei ihrer Aufgabe. Für Ordnung sorgt im Hofladen ebenfalls Guido Broschinski — er wischt dort den Fußboden blank.

Robert Tausch, verantwortlich für Technik und Pflege, und „Querbeet“-Leiter Stefan Schuldt kommen mit dem blitzsauberen Verkaufswagen der Gärtnerei, der mit leuchtend roten und grünen Lettern bedeckt ist, um die Ecke. „Der steht immer auf dem Markt in Greifswald“, sagt Stefan Schuldt und fügt froh hinzu, dass sich davor meist lange Menschenschlangen bilden. Ein Zeichen dafür, dass das Gemüse, welches auf rund fünf Hektar Freifläche und 4800 Quadratmetern unter Folie wächst, sehr gefragt ist.

Unsere Mitarbeiter sind feinfühlig, ehrgeizig und ergänzen sich.“Heiko Anders, Betreuer

Christine Drabsch

13.07.2013
13.07.2013