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Grimmen Bernsteinstadt macht mobil gegen Lärm
Vorpommern Grimmen Bernsteinstadt macht mobil gegen Lärm
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17:56 04.01.2018
An der Kreuzung B 105/Richtenberger Straße in Damgarten ist es besonders laut. Bei Messungen des Ordnungsamtes im April 2017 wurde hier der höchste Durchschnittswert gemessen. 72,9 Dezibel zeigte das Messgerät an, in der Spitze lag es bei 88,4 Dezibel. Quelle: Edwin Sternkiker
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Ribnitz-Damgarten

Lärmgeplagte Bewohner von Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) sollen ruhiger schlafen können. Erreicht werden soll das mit einem „Lärmaktionsplan“. Darin werden alle Maßnahmen geprüft und aufgelistet, die dazu beitragen können, Anwohner an besonders stark befahrenen Straßen vor Lärm zu schützen. Dazu können unter anderem der Einbau von Schallschutzfenstern und schallgedämmten Lüftungseinrichtungen sowie Tempolimits oder Fahrbahnsanierungen gehören. Im Visier hat die Stadtverwaltung dabei die Straßen, die von mehr als drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr passiert werden. Das betrifft die Ortsdurchfahrt der B 105 durch Altheide und Borg aus Richtung Rostock bis zur Kreuzung mit der L 22 und die Ortsdurchfahrt der B 105 in Damgarten ab Kreuzung mit der L 181 in Richtung Stralsund bis zur Kreuzung Richtenberger Straße. Wer an der Kreuzung B 105-Richtenberger Straße in Damgarten wohnt, der muss besonders viel Lärm ertragen. Bei Messungen des Ordnungsamtes Ribnitz-Damgarten im April vergangenen Jahres wurde hier der höchste Durchschnittswert gemessen. 72,9 Dezibel zeigte das Messgerät an, in der Spitze lag es bei 88,4 Dezibel.

Überarbeiteter Lärmaktionsplan muss im Sommer vorliegen

Die Stadt muss nicht bei Null anfangen, denn einen Lärmaktionsplan gibt es bereits seit 2008. Der wurde 2013 erstmals überarbeitet. „Da die Lärmkarten im Turnus von fünf Jahren im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern überprüft werden müssen, ist die Stadt Ribnitz-Damgarten nun verpflichtet, bis zum 18. Juli 2018 den vorhandenen Lärmaktionsplan im Rahmen einer zweiten Fortschreibung zu überarbeiten“, erläutert Guido Keil vom Stadtbauamt.  Die Initiative zur Eindämmung von Ruhestörungen durch Fahrzeuge liegt viele Jahre zurück: 2002 gab die EU die Richtlinie zur „Bekämpfung von Umgebungslärm“ heraus, nach der auf Hauptverkehrsstraßen die Lautstärke auf ein „gesundes“ Maß reduziert werden muss. Diese Richtlinie wurde 2005 in deutsches Recht umgesetzt. Durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V wurden daraufhin 2007 Lärmkarten für Hauptverkehrsstraßen erstellt. Zu erfassen waren Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von über 6 Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr. Die betroffenen Kommunen waren verpflichtet, Lärmaktionspläne für die betroffenen Bereiche zu entwickeln, mit denen die Lärmprobleme und Lärmauswirkungen geregelt werden. Dem kam die Stadt Ribnitz-Damgarten nach, die Beschlussfassung des Lärmaktionsplanes erfolgte am 11. Juni 2008.

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Stadt plant im Februar Bürgerversammlung

Entsprechend den Vorgaben der EU wurden im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V im Zuge der weiteren Umsetzung der EG-Umgebungslärmrichtlinie bis zum 30. Juni 2012 für alle Hauptverkehrsstraßen mit einem jährlichen Verkehrsaufkommen von mehr als  drei Millionen Kraftfahrzeugen sowie für Ballungsräume mit Einwohnerzahlen von über 100 000 Einwohner strategische Lärmkarten erstellt. Auf Basis dieser Lärmkarte wurde der bestehende Lärmaktionsplan der Stadt Ribnitz-Damgarten 2013 erstmals fortgeschrieben, jetzt also ist die zweite Überarbeitung fällig. Damit wird ein Fachbüro beauftragt. Die Kosten hat die Stadt zu tragen.  Die Stadtverwaltung setzt auf Transparenz und die frühzeitige Einbeziehung der Bürger. Aus diesem Grunde wird voraussichtlich im Februar zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, auf der alle interessierten Einwohner ihre Fragen bei Fachleuten los werden können.  Außerdem werden die sogenannten „Strategischen Lärmkarten“ 14 Tage öffentlich ausgelegt. Danach wird der Plan auch in den entsprechenden Ausschüssen der Stadtvertretung vorgestellt und diskutiert. Wenn die zweite Überarbeitung des Planes dann vorliegt, hat die Stadt ihre Arbeit erledigt.  „Für die praktische Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen ist der Straßenbaulastträger, in diesem Falle also das Straßenbauamt Stralsund, zuständig“, erläutert Keil weiter. Dort können von betroffenen Bürgern die Anträge auf Förderung gestellt werden.

Edwin Sternkiker