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Grimmen Bunker aus der Nazizeit wird abgerissen
Vorpommern Grimmen Bunker aus der Nazizeit wird abgerissen
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00:00 23.01.2018
Der Blick von oben: Der Bagger arbeitete sich durch die dicken Wände des Bunkers. Im Hintergrund ist das Landratsamt zu sehen. Quelle: Fotos: Hannes Ewert
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Anklam

Als Dietger Wille (CDU) vor zwei Jahren in Anklam seinen Job als Finanzdezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald antrat, erinnerte er sich sehr stark an die DDR-Zeit zurück: alte Flachdach-Bauten, grauer Beton und der Charme einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, kurz LPG. Auf dem Hinterhof des Landratsamtes waren nur Betonplatten, die den Weg zu den jeweiligen Parkplätzen ebneten. Damit soll jetzt Schluss sein. Gestern wurde mit dem Abriss eines alten Luftschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) begonnen. Ein Schritt dahin, den Standort der Kreisverwaltung in Anklam weiter zu entwickeln.

Meterdicke Wände sollten Anklamer schützen / Oft drehten die Bomber aber ab

„Das Gebäude ist etwa aus dem Jahr 1940“, sagt Dr. Wilfried Hornburg, Leiter des Museums in der Hansestadt. „In unmittelbarer Umgebung des Bunkers befand sich die Kreisleitung der NSDAP. Deren Leute und auch die Mitarbeiter des Landratsamtes versuchten, bei Bombardements Schutz zu finden. Es gibt leider sehr wenige Aufzeichnungen darüber, wie oft der Bunker tatsächlich genutzt wurde“, sagt er.

Zur Vorgeschichte: Anklam, etwa 35 Kilometer südlich von Greifswald, erlebte in den 1930er Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zum Beispiel wurden Flugzeugwerke mit mehr als 2000 Beschäftigen errichtet, es gab auch einen Fliegerhorst. „Hier wurden Flugzeuge an das Militär übergeben. Das bekamen auch die Alliierten mit, und somit wurde die Stadt in die Ziele der Bomberverbände aufgenommen“, erklärt Hornburg. Am 9. Oktober 1943 zog der Zweite Weltkrieg ins vorpommersche Anklam und die Stadt wurde erstmalig bombardiert. Zunächst wurden die Flugzeugwerke angeflogen, in der zweiten Welle traf es den Marktplatz.

„Es gab oft Fliegeralarm in Anklam – immer wieder heulten die Sirenen laut auf. Am Ende fielen allerdings keine Bomben. Das lag daran, dass man das Ziel nicht zu 100 Prozent ausmachen konnte. Nachts war Verdunklung angesagt, und im Peene-Urstromtal war viel Nebel. So flogen die Bomber weiter, etwa nach Peenemünde oder Stettin“, erzählt Hornburg.

Bis gestern erinnerten meterdicke Betonwände an den Unterschlupf für einen eventuellen Luftangriff. Ein leichtes Gewölbe lässt erahnen, dass im Notfall rund 40 Männer und Frauen dort Platz gehabt hätten. Hohl war der Bunker gestern nicht. Eine frühere missglückte Sprengung hinterließ deutliche Risse. Mit der Zeit wuchs Gras drüber.

Der Abriss des Bunkers war nur der erste Schritt, das Gelände des Landratsamtes wieder etwas ansehnlicher zu gestalten. Finanzdezernent Wille, der auch für die Liegenschaften des Kreises verantwortlich ist, erklärte, dass künftig mehr in die Gebäude investiert werden soll. „In den kommenden zehn Jahren verlassen rund 450 von 1200 Angestellten altersbedingt die Behörde. Ein potenzieller Arbeitnehmer schaut natürlich auch darauf, welche Bedingungen er vorfindet. Deshalb ist es umso wichtiger, dass in den Standort investiert wird“, erklärt er.

Deshalb soll ein Nebengebäude, welches heute auf dem ehemaligen Gelände der NSDAP-Kreisleitung steht, modernisiert werden. „Wenn ich dafür auf dem Kreistag im April grünes Licht bekomme, soll das Haus bis Ende 2019 fertig sein“, betont er. Seit 2012 ist das Haus aufgrund von erheblicher Schimmelbildung gesperrt. Nach der Wiedereröffnung können dort 80 Mitarbeiter arbeiten.

Historisches Landratsamt

Am 1. Juli 1906 wurde das Landratsamt in der Demminer Straße in Anklam eröffnet. Zwei Jahre wurde an dem Haus gebaut. Das Gebäude gewann für sein Aussehen sogar einen Architekturpreis. Erster Landrat war Freiherr von Troschke.

Auf dem Gelände des Landkreises gab es auch einen Kindergarten. Dieses ebenerdiges Gebäude soll im Zuge des Standortkonzeptes ebenfalls abgerissen werden. Derzeit laufen dazu die Vorbereitungen. Dort entstehen zahlreiche Parkplätze. Auch der Innenhof steht auf der Agenda des Kreises.

Hannes Ewert

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