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Grimmen Grimmen: Wenn plötzlich der gewohnte Tagesablauf fehlt
Vorpommern Grimmen

Corona-Jahr 2021: Grimmener konnte nicht mehr im Heimattierpark helfen

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07:03 12.01.2022
Die Arbeit mit den Tieren macht Walter Freese sehr viel Spaß. Besonders angetan haben es ihm die Exoten.
Die Arbeit mit den Tieren macht Walter Freese sehr viel Spaß. Besonders angetan haben es ihm die Exoten. Quelle: Raik Mielke
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Grimmen

Viele Menschen denken bei dem Wort „Corona“ an Home­office oder gar Kurzarbeit, an Ladenschließungen und weniger ­Publikumsverkehr. Doch in vielen beruflichen Bereichen wirkt sich die Pandemie ganz anders aus. Neue Arbeitsweisen mit täglichen Videokonferenzen, ein erhöhter Pflegebedarf und ein gestiegener organisatorischer Aufwand sind in diversen Berufen zu verzeichnen.

In unserer neuen Serie „Mein Corona-Jahr 2021“ treffen wir jene Leute, die während der Pandemie zu wahren Helden wurden oder auch auf ihre geliebte Tätigkeit verzichten mussten. Jene Menschen, die einfach immer weitermachen müssen, weil ihre Mitmenschen sie brauchen oder die nicht helfen durften, weil es die gesetzliche Lage nicht zuließ.

Wir erzählen die Geschichten, die sich häufig in isolierten Gebäuden, dem eigenen Kinderzimmer, der Kabine eines Lastkraftwagens oder eben isoliert in den heimischen vier Wänden abspielten.

Plötzlich fehlte eine liebgewonnene Beschäftigung

Einer, der seiner geliebten und vor allem ehrenamtlichen Tätigkeit in Pandemiezeiten über viele Monate nicht nachgehen konnte, ist Walter Freese. Der 67-Jährige ist seit vielen Jahren eine helfende Hand im Grimmener Heimattierpark. „Ich habe mit Beginn meiner Rentenzeit eine nützliche Aufgabe gesucht. Zuhause einfach rumsitzen – dies ist nichts für mich“, sagt der Trebelstädter.

Normalerweise ist der rüstige Rentner an fünf Tagen in der Woche im Zoo der Stadt aktiv. „Von acht Uhr in der Früh bis zum Mittag kümmere ich mich um anfallende Aufgaben und unterstütze die Tierpfleger bei ihrer täglichen Arbeit“, beschreibt er.

Doch mit den Lockdown-Regeln und der Einführung von verschiedenen Dienstgruppen im Heimattierpark, dürfen die ehrenamtlichen Helfer im vergangenen Jahr über mehrere Monate hinweg nicht mit anpacken. „Eine komische und sehr belastende Situation. Plötzlich fehlte eine liebgewonnene Beschäftigung“, sagt Walter Freese.

Denn aufgrund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit auf Montage fällt es dem Grimmener schwer – ohne sinnvolle Aufgabe – einfach nur zu Hause rumzusitzen.

Drei Jahre mit dem Zirkus durch Ostdeutschland gereist

Zudem liebt Walter Freese schon immer die Nähe zu Tieren. Und dies hat eine interessante Vorgeschichte. Als im Sommer 1973 der Zirkus „Aeros“ in der Trebelstadt gastiert, entschließt er sich mit dem Wandergeschäft mitzureisen.

„Drei Jahre lang war ich damals mit dem Staatszirkus der DDR unterwegs. Habe mich damals um die Elefanten und Exoten gekümmert. Diese Zeit zählt zu den schönsten Jahren meines Lebens. Jene Arbeit mit den Tieren hat mir so viel Spaß gemacht. Zudem konnte ich damals alle größeren Städte Ostdeutschlands kennenlernen“, beschreibt er.

Die Entwicklung des Heimattierparks in Grimmen verfolgt der heute 67-Jährige seit 1964. Damals zieht er mit seiner Familie in die Trebelstadt. „Vieles hat sich in den Jahrzehnten im Zoo verändert – eines ist aber gleich geblieben“, sagt er und beschreibt: „Es ist ein wunderschöner Anlaufpunkt für viele Familien – damals wie heute.“

Und eben an jene Familien denkt der Rentner häufig auch im zurückliegenden Jahr. „In Zeiten, in denen der Zoo geschlossen sein musste, fehlte vielen Leuten ein Anlaufpunkt. Dies gilt sowohl für die Kinder als auch für viele Rentner, die regelmäßig eine Runde durch den Tierpark drehen“, berichtet er.

Walter Freese gestaltete den Heimattierpark mit

Rentner Walter Freese ist gelernter Maurer – an vielen Gehegen hat er bereits seine Spuren hinterlassen. Auch diese Mauer hat er hochgezogen. Quelle: Raik Mielke

Inzwischen dürfen die ehrenamtlichen Helfer wieder mit anpacken. Für Walter Freese bedeutet dies einen geregelten Tagesablauf. „Ich habe keine konkrete Aufgabe, packe einfach überall mit an, wo meine Hilfe gebraucht wird“, erzählt er.

So ist er mit den Tierpflegern unterwegs und besorgt das Futter aus den Supermärkten, hilft beim täglichen Ausmisten der Gehege oder wird bei der Gestaltung von den verschiedensten Volieren oder Außenanlagen kreativ. „Ich bin gelernter Maurer und da kann ich mich bei der Verschönerung unseres Zoos oft mit einbringen“, freut sich der Rentner.

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So hat Walter Freese – als gelernter Maurer – schon die eine oder andere dekorative Mauer im Heimattierpark hochgezogen. Und solange es die Gesundheit zulässt, will der Trebelstädter auch weiterhin kräftig mit anpacken. „Dies hat mir die Pandemie im vergangenen Jahr deutlich gezeigt. So ganz ohne Aufgabe nur in den Tag hineinleben – dies kann ich mir einfach nicht vorstellen“, betont er.

Von Raik Mielke