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Grimmen Das Kaiserliche Postamt zu Grimmen: ein historischer Ort
Vorpommern Grimmen Das Kaiserliche Postamt zu Grimmen: ein historischer Ort
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15:25 26.08.2019
Ein Blick auf die Bahnhofstraße um 1900. Damals war das Kaiserliche Postamt frisch eröffnet. Quelle: Carolin Riemer
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Grimmen

Von den Erbauern des Kaiserlichen Postamtes in Grimmen, hätten sich die Planer der A20 bei Tribsee einiges abgucken können. 1897 entstand das Gebäude im Stil der Pommerschen Postgotik auf dem Moor in den Trebelwiesen. Es war eines der ersten Häuser, das vor dem Tribseer Tor, also außerhalb des Stadtkerns, in der heutigen Bahnhofstraße errichtet wurde. „Sie haben das Fundament auf gemauerten Brunnenrändern und Pfählen gebaut. Vor 120 Jahren – und es steht noch heute und hält besser, als die Autobahn“, sagt Stadtführer Sven Thurow, der aus einer Familie von Postbeamten entstammt und mit der Geschichte der Post vertraut ist. In seinen Vorträgen in der Volkshochschule berichtet er regelmäßig über kuriose Geschichten aus der Grimmer Vergangenheit.

1898: Die Postämter in Stralsund und Greifswald wurden im gleichen Pommerschen Postgotischen Stil errichtet, wie das Postamt in Grimmen. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-GMN

Hochmodern: Seit 1899 gab es eine Telefonanlage

Die Geschichte der Post beginnt im Jahr 1898. Der Anspruch war hoch, Gebäude und Technik zum damaligen Zeitpunkt außerordentlich modern. 1899 zog die erste Telefonanlage mit zehn Anschlüssen in das Amt. Eine Besonderheit für die kleine Stadt an der Trebel. Damals wurden nur die wichtigsten städtischen Einrichtungen mit einem Anschluss versorgt. Das Gericht, Rathaus, Pfarramt, der Bahnhof, die Schule, Ziegelei und das Landratsamt gehörten dazu. „Auch Kaufmann Kankel, damals Chef der Feuerwehr, und Kaufmann Lychenheim gehörten zu den Privilegierten“, sagt Thurow.

Kein Strom, dafür der halbe Keller voller Blei-Akkus

Großer Aufwand musste betrieben werden, denn Grimmen war zu dieser Zeit zwar noch nicht ans Stromnetz angeschlossen, im Postamt war das Telefonieren und das Telegrafieren trotzdem möglich. Im Kellergewölbe stand das kleine Kraftwerk der Post: Etliche Blei-Akkus, die wenn sie leer waren, nach Stralsund transportiert wurden. Dort lud man sie per Dampf- und später mit einer Dieselmaschine auf und fuhr sie zurück nach Grimmen. Ein enormer Aufwand.

Der besondere Trick

1931 habe es schon 200 Telefonanschlüsse in Grimmen gegeben. Da das nicht ausreichte, griffen die Verantwortlichen zu einem Trick: Sie vergaben Telefonnummern doppelt. Tagsüber gehörte sie zu einem Geschäft. Zwischen 18 und 6 Uhr war die gleiche Nummer dann an ein privates Wohnhaus vergeben.

Die Post übernahm damals viele Aufgaben: Bis 1960 transportierten die Postautos sogar Personen, weil der Nahverkehr zu dieser Zeit nicht viele Dörfer anfuhr. Die Postautos transportierten also Briefe, Pakete und Menschen, denn damals besaß fast jedes Dorf noch ein eigenes kleines Postamt. „In der heutigen Zeit, in der immer weniger Busse über Land fahren, sollten wir vielleicht wieder auf diese Idee zurückgreifen“, sagt Thurow augenzwinkernd. Heutzutage ebenfalls schier unvorstellbar: Über Lautsprecher vor der Post, auf dem Marktplatz und in Grimmen Südwest verkündete ein Postangestellter zwei Mal täglich, was die OSTSEE-ZEITUNG berichtete.

Die Öffnungszeiten der Post. Auch sonn- und feiertags standen die Türen für die Bevölkerung offen. Quelle: Carolin Riemer

Ein Postraub machte 1982 Schlagzeilen

Die Post als staatliches Unternehmen sorgte gut für seine Angestellten, die mit blauen Uniformen, die ein goldenes Posthorn zierte, ihrem Job mit Stolz und Ehre nachkamen. „Sie erhielten ihren Lohn pünktlich, der Chef wohnte mit seiner Familie im oberen Stockwerk des Hauses und in der Bahnhofstraße gab es zusätzlich noch drei Häuser, die für die Angestellten reserviert waren.“ Noch heute seien sie an den Backsteinen zu erkennen, die in der Grimmer Ziegelei gebrannt wurden.

1982 machte der Grimmer Postraub Schlagzeilen. In einer Nebenstelle, auf dem Hof der Kohlenhandlung Brandenburg in der heutigen Norderhinterstraße, betrieb die Post eine Lottoannahmestelle. „Unbekannte schlugen die Angestellte nieder und flohen mit einer Beute von 20 000 Mark“, erfuhr Thurow während seiner Recherchen. Kurz darauf wurde die Nebenstelle geschlossen. Genau wie die Post in der Bahnhofstraße. 1998, kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum, schlossen sich die Türen des historischen Gebäudes. Heute befinden sich nur noch Funktions- und Aufenthaltsräume in dem Gebäude.

Heute befinden sich im Postgebäude Aufenthalts- und Arbeitsräume für die Angestellten. Die Öffentlichkeit ist seit 1998 ausgeschlossen. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-GMN

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Von Carolin Riemer

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