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Grimmen Eine verödete Innenstadt, keine Restaurants und schlechte Versorgung
Vorpommern Grimmen Eine verödete Innenstadt, keine Restaurants und schlechte Versorgung
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08:30 06.06.2019
So schön ist Grimmen aus der Luft: Aber aus der Nähe betrachtet, gibt es viele Problem. Quelle: Alexander Müller
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Grimmen

Was wünschen sich die Menschen aus Grimmen knapp zwei Wochen nach der Wahl von ihren Stadtvertretern? Der Sozialverband lud, stellvertretend für die Abgeordneten, Marco Jahns von der CDU zu einem sogenannten „Männerfrühstück“ ein. Und dort ging es in sachlichen aber ernsthaften Gesprächen zur Sache. Jahns rauchte nach dem Treffen zur Entspannung zwar gleich mehrere Zigaretten hintereinander, er freute sich aber über den regen Gedankenaustausch und stand Rede und Antwort.

Die Versorgung in Südwest

Seitdem der Edeka-Markt und auch der Aldi schlossen und sich der Neubau aufgrund einer insolventen Baufirma verzögerte, sprach Anwohner Peter Sund deutliche Worte: „Die Versorgung in dem Wohngebiet ist gleich null. Und das sorgt für Unruhe in der Bevölkerung.“ Jahns betonte noch einmal, dass es einen Dringlichkeitsbeschluss gegeben habe, der während der Bauzeit des Discounters mit mobilen Händlern den Versorgungsengpass überbrücken soll. Derzeit laufen auch Gespräche mit dem Markt „ Markant“. Doch ob der Supermarkt den ehemaligen Edeka übernehmen werde, stehe noch in den Sternen. „Wir haben alle gehofft, dass es schneller funktioniert. Aber es ist schwierig, große Ketten für unsere Stadt zu gewinnen. Unter 800 Quadratmeter Verkaufsfläche lohnt sich ein Markt aus wirtschaftlicher Sicht nicht und der Edeka bietet kleinere Räumlichkeiten.“

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Das Veröden der Innenstadt

Der Vorsitzende des Sozialverbandes Jürgen Steffen vermisste in der Zeit des Wahlkampfs, dass sich anscheinend keine Partei auf die Fahnen geschrieben habe, wie dem Veröden der Innenstadt Einhalt geboten werden kann. „Der Leerstand erhöht sich von Woche zu Woche. Dieses Problem sollten die Stadtvertreter auf die Tagesordnung setzen. Ich habe das Gefühl es herrscht ein Stillstand.“ Nicht nur für die Einheimischen seien die leeren Geschäfte schlimm, auch das touristische Angebot leide. „Und welcher junge Mensch möchte in einer Stadt leben, in der es kaum noch Geschäfte gibt?“ Er schlug vor, dass die Stadt einen Ideenwettbewerb ausrufen soll, bei dem Bürger ihre Vorschläge einreichen können. Außerdem sollte das Stadtmanagement überarbeitet werden und die Webseite der Stadt Grimmen überarbeitet und moderner gestaltet werden.

Marco Jahns teilte diese Ansichten. Junge Leute könnten seiner Meinung nach nur durch zwei Möglichkeiten in der Stadt gehalten werden. „Erstens: Arbeitsplätze. Und zweitens durch die Erschließung und Schaffung von Baugrundstücken. Die Stadt darf nicht auf private Investoren hoffen, sondern muss als Erschließungsträger voranschreiten.“ Das sei im Wohngebiet „Am Tierpark“ bereits geglückt. Innerhalb von einem Jahr und vier Monaten wurden dort Baugrundstücke erschlossen und die Grundstücke bebaut. „Der nächste Abschnitt beinhaltet 18 Grundstücke für die sich aktuell 16 Käufer angemeldet haben.

Jürgen Steffen (l.) Vorsitzender des Sozialverbandes und Marco Jahns von der CDU (2. v. l.) beim Männerfrühstück. Quelle: Carolin Riemer

Kein Restaurant in der Stadt

Außer dem Griechen gebe es keine Gaststätte in Grimmen seitdem „Markt 7“ geschlossen habe, beklagten die Männer. Marco Jahns fand ehrliche Worte: „Daran sind die Grimmener selbst Schuld. Sie nutzen die Angebote nicht und dann gehen nicht nur Händler pleite, sondern eben auch Gastronomen.“ Anwohner Ulrich Nehls gab ihm recht. „Manch' einer kann sich kaum noch erinnern, wann er zuletzt eine Gaststätte in Grimmen besucht hat. Wir haben so viele Mitmacher in der Stadt, aber keine Macher.“ Etwas drastischer beschrieb es Marco Jahns: „Die Menschen kaufen sich lieber eine Kiste Bier für 8.88 Euro und trinken sie in der heimischen Garage. Und dann wundern sie sich, dass ein Restaurant oder eine Kneipe schließt.“ Ein weiteres Problem sieht er in der Bequemlichkeit der Menschen: „Am liebsten möchten sie direkt vor den Geschäftstüren parken.“ Doch diese Antwort reichte auch Jürgen Steffen nicht: „Die Gewerbetreibenden machen zu wenig Reklame. Wir wollen doch die Jugend und die braucht Ramba-Zamba!“

Der eventuelle Verkauf der Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG)

Ein Teilnehmer des Männerfrühstücks brachte das Gespräch auf die GWG. „Während der Diskussionsrunde im Kulturhaustreff hat sich die CDU am wenigsten zu den Plänen geäußert. Nur Die Linken haben Stellung bezogen. Und das, obwohl die CDU stärkste Partei in der Stadt ist. Die Bevölkerung muss informiert und nicht nur die Mieten erhöht werden.“ Die Diskussion im Kulturhaus bezeichnete Marco Jahns als „unsachlich, aufgeheizt und laut“. Aus diesem Grund hätten sich die Mitglieder der CDU zurückgehalten. „Aus meiner Sicht gab es zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit in der Stadtvertretung, die für einen eventuellen Verkauf war. Die finanzielle Lage sieht zurzeit gut aus.“ Die Stadt finanziere die GWG zwar jährlich mit 200 000 Euro und es konnten keine großen Investitionen ausgeführt werden aber wir haben einen Ausschuss gebildet, um die GWG in kommunaler Hand zu erhalten. Das wird jedoch nicht ohne Veränderungen passieren. Die einzige Einnahme ist die Kalt-Miete, die bei vielen seit Jahren nicht stieg. Und das, obwohl ein Handwerker heutzutage das Vierfache in Rechnung stellt.“

Carolin Riemer

05.06.2019
05.06.2019
05.06.2019