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Grimmen Als das Putbusser Schloss brannte
Vorpommern Grimmen Als das Putbusser Schloss brannte
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07:00 25.12.2018
Aufnahmen des Schlosses Putbus von Johann Katter Quelle: Sammlung Jutta Neuper
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Putbus

Der 23. Dezember des Jahres 1865 verlor Putbus das erste Mal sein Schloss. Es wurde ein Raub der Flammen. Aus dem Tagebuch des Tischer- und Bademeisters Johann Katter (1811bis 1894) erfahren wir Genaueres. Der Uhrmacher Karl Hintze, Katters Schwiegersohn, hatte als Zweiter am 23. Dezember am frühen Nachmittag den Brand bemerkt. Er war an jenem sehr nebeligen Tage wie an jedem Tag im Schlosse gewesen, um dort die Uhren aufzuziehen. Eine Frau, die auf dem Dachboden Wäsche abnehmen wollte, war ihm entgegengestürmt gekommen und hatte ihm zugerufen: „Oben ist Feuer!“ Sogleich hätte er „Lärm gemacht“, wie sein Schwiegervater, der Tagebuchschreiber, ausführt. Als Katter ankam schlugen die Flammen bereits oberhalb der Kapelle zum Dache hinaus.

Zahlreiche Putbusser waren nach dem Feuersignal zum Retten und Helfen erschienen. Fürst Wilhelm Malte II. selbst gab das Kommando, „kaltblütig und mit großer Umsicht“ wie in einem Zeitungsbericht steht. Katter war in das Büro-Zimmer des Fürsten geeilt, und schüttete dort den Holzkasten mit dem Kaminholz aus. Er füllte diesen mit ihm wertvoll Erscheinendem und übergab ihn dann an andere Helfer an der Treppe. Gemeinsam mit seinem Sohn, dem Fotografen und Maler Christoph Katter, trug er noch manches aus dem Raum. Sein Sohn Christoph kämpfte beharrlich um die Gemälde der Kronprinzessin Victoria und ihres Gemahls Friedrich III., welche der Fürst von beiden als Geschenk erhalten hatte. Besonders das Bildnis der Kronprinzessin lag dem Maler am Herzen. Aber das schwere Bild blieb lange am Haken unverrückbar fest. Erst gemeinsam mit zwei weiteren Helfern schafften es Vater und Sohn durch einen gleichzeitigen Ruck es von der Wand zu ziehen, es dann von der Aufhängung herunter zu holen und zu retten.

In diesen Momenten verbrannte auch Etliches von Johann Christian Katter Geschaffene wie ein kleiner Tisch für die Fürstin Wanda, den er gerade erst geliefert hatte. Besonders bedauerte er den Verlust der allgemein bewunderten Holztreppe, die er gemeinsam mit anderen Putbusser Handwerkern noch als Geselle für Fürst Malte I. gefertigt hatte.

Bald war das völlig abgebrannte Schloss wieder aufgebaut: Prachtvoller und schöner als zuvor, so berichten es Zeitzeugen.

Nach 1945 erwartete das Schloss einen erneuten, nun endgültigen Niedergang. Als der Adelssitz fast einhundert Jahre später abermals zerstört wurde, war der Verlust kein Schicksalsschlag, sondern geplant. Christian Bruhn hat dazu in seiner Schrift „Das verschwundene Schloss“ die Fakten zusammengetragen. Ein Brief des stellvertretenden Ministers für Kultur der DDR, Alexander Abusch, vom 9. April 1957 besiegelte das Schicksal des repräsentativen Baus. Nach Jahren des Verfalles wurde das Gebäude Abschnitt für Abschnitt zerstört. Ein Teil der Putbusser, Alteingesessene und Neubürger, wirkten als „Aufbauhelfer“ mit Hammer, Picken und Schaufel daran mit, das Bauwerk, das sich durch mangelnde Pflege zum „Schandfleck“ entwickelt hatte, zu beseitigen. Zu Ehren des 10. Jahrestag der DDR im Jahr 1959 trugen sich die Helfer zu diesem Zweck in die Verpflichtungsliste „Sputnik der guten Taten“ ein.

Fast einhundert Jahre zuvor, 1865/1866, nach dem zerstörenden Brand des alten Schlosses, habe Putbus ein Bild der Verwüstung und der Trauer geboten, so schreibt ein Berichterstatter. Für das DDR-Regime war der Verlust des einst wiederaufgebauten Schlosses ein Gewinn: Fürsten waren nicht mehr gefragt.

Und als Gegenwert und Ausgleich für die Vernichtung des fürstlichen Schlosses wurde der Stadt Putbus im Jahre 1960 das uneingeschränkte Stadtrecht verliehen, wie Christian Bruhn berichtet.

 

Jutta Neuper

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