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Grimmen Greifswalder Dompastor: Mit Konzerten ein neues Publikum ansprechen
Vorpommern Grimmen Greifswalder Dompastor: Mit Konzerten ein neues Publikum ansprechen
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09:31 27.08.2019
Dompastor Tilman Beyrich hatte die Idee für ein neues Konzertformat in Frankreich. So wie das Straßburger Münster könne auch der Greifswalder Dom in neuen Farben erstrahlen. Beyrich ist seit 2018 Pastor der Gemeinde St. Nikolai. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Drei Abende im Dom, drei Mal andere Farben und neue Klänge: Die Domgemeinde St. Nikolai startet mit „Klangfarben.Jazz im illuminierten Dom“ ein Experiment zwischen Klassik von Johann Sebastian Bach und Jazz. „Wir wollen mit den Konzerten das angestammte aber auch ein neues Publikum ansprechen“, sagt Dompastor Tilman Beyrich. Das erste der Konzerte findet am Samstag, 31.8., statt.

Komponist Torsten Harder spielt beim ersten Konzert

Die Domgemeinde hätte eigene Beleuchtung angeschafft, aber ganz sicher weiß Pastor Beyrich noch nicht, in welchen Farben und an welchen Flächen der Dom im Inneren bestrahlt wird. „Die gotischen Fassaden im Chorbereich geben uns wunderbare Möglichkeiten, weil sie tolle Schatten werfen. Für das erste Konzert werden wir jedoch den Orgelbereich in Szene setzen.“ Frank Dittmer, Domorganist und Landeskirchenmusikdirektor der Nordkirche, spielt mit dem Neustrelitzer Cellisten Torsten Harder. Die Zuhörer sollen erleben, welche Klangfarben das elektrisch verstärkte und modulierte Cello im Zusammenspiel mit der Domorgel erzeugt.

Die Domorgel und Jazz stehen für Beyrich in enger Verbindung. „Beim Orgelspiel gehört dazu, dass ein Motiv weiter entwickelt wird und daraus eine Improvisation entsteht. So ist es auch beim Jazz. Die Musik von Johann Sebastian Bach eignet sich dazu als Ausgangsmaterial. Ich denke, dass das Jazz- und das Klassikpublikum eine ähnliche Vorliebe dafür haben, sich in die Musik rein zu denken und die Entwicklung der Motive mitzuverfolgen.“ Torsten Harder machte sich bereits einen Namen als Komponist: Seine erste Symphonie „Jesu meine Freude“ wurde 2018 in Neubrandenburg uraufgeführt. Der Komponist arbeitete 12 Jahre an dem Stück.

Inspiration in Straßburg gefunden

Der Cellist Torsten Harder an seinem Instrument. Quelle: Domgemeinde

Beyrich fand Inspiration für die neue Konzertreihe im französischen Straßburg. Das Straßburger Münster werde dort im Sommer jeden Abend mit einer Lichtchoreographie bespielt. „Das war manchmal wie ein Feuerwerk für die Sinne.“ Etwas kleiner werde es in Greifswald. Weil eine professionelle Betreuung zu teuer wäre, gestaltet die Domgemeinde die Beleuchtung selbst. Zeitlich passe der Spätsommer und beginnende Herbst, weil der Kulturkalender der Stadt in diesem Zeitraum noch Freiraum hätte und die Studenten nach den Semesterferien wieder zurück in Greifswald sind.

Dompastor hofft auf bis zu 200 Gäste

Für die ersten Konzerte hofft Beyrich auf bis zu 200 Gäste. „Für uns sind diese drei Konzerte ein Testlauf. Ich bin bereit, es im nächsten Jahr wieder aufzulegen, aber wir warten erst einmal ab, wie die ersten Veranstaltungen laufen.“ Die Domgemeinde St. Nikolai veranstaltet die musikalischen Abende mit dem Verein der Greifswalder Bachwoche. Schon jetzt werbe man für das große Festival geistlicher Musik im nächsten Juni. Unter dem Motto „paradiesisch“ wird es vom 14. bis zum 20. Juni stattfinden. Bereits zum ersten Konzert bauen Mitglieder des Bachwochen-Vereins einen Stand mit Wein, belegten Broten und Infomaterial auf.

Domgemeinde plant 2019 zwei weitere Konzerte

Das zweite Konzert ist für den 28. September geplant. Der Berliner Jazz-Kontrabassist und Komponist Jasper Libuda nutzt eine Loopstation, um Klangteppiche zu erzeugen. Bedeutet, dass er sich selbst aufnimmt, das Aufgenommene abspielt und zugleich neue Melodien darüber spielt. Das entlockt dem Soloinstrument Klangfarben, die an Cello, Schlagzeug und Gitarre erinnern. Die Musik bewege sich zwischen Rock, Jazz, Pop, Minimal Music, Klassik und Wall of Sound, kündigt Beyrich an. Einen Monat später, am 26. Oktober, treten die vier Saxophonisten von „Meier’s Clan“ aus Potsdam auf. Sie werden Klassik, Jazz, Pop und Filmmusik spielen und die Musik von Bach und dem Komponisten Leonard Bernstein gegenüberstellen.

Der beleuchtete Chorbereich im Greifswalder Dom. Quelle: Domgemeinde

Alle KlangFarben-Konzerte beginnen um 20 Uhr. Eintrittskarten sind jeweils an der Abendkasse erhältlich und kosten 8 Euro (5 Euro ermäßigt).

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Von Christopher Gottschalk

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