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Grimmen Erklärt dieses Bruchstück das A-20-Desaster?
Vorpommern Grimmen Erklärt dieses Bruchstück das A-20-Desaster?
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13:11 09.06.2018
Beim Museumstag im Tribseeser Heimatmuseum war ein kleines Teilstück einer Säule zu sehen, die auch unter der eingebrochenen A 20 verbaut wurden Quelle: Alexander Salenko und Harry Lembke
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Tribsees

Ist die Ursache des A-20-Desasters nun endlich gefunden? Besucher einer Ausstellung in Tribsees beantworten diese Frage eindeutig mit Ja. Denn sie haben beim Museumstag im Tribseeser Heimatmuseum etwas Überraschendes gesehen: ein vom Langsdorfer Bürgermeister Hartmut Kolschewski leihweise zur Verfügung gestelltes Exponat.

Ein unscheinbares Exponat sorgte beim Museumstag im Tribseeser Heimatmuseum für Gesprächsstoff: Dort war ein kleines Teilstück einer der plötzlich verschollenen Säulen zu sehen, die möglicherweise Ursache für den gewaltigen A-20-Krater sind.

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Es ist ein zwar unauffälliges, aber in Bezug auf die Ursachen des A-20-Desasters aufschlussreiches Stück – nämlich ein kleines Teilstück einer dieser viel zitierten und plötzlich verschollenen Säulen. 30 Zentimeter lang und mit einem Durchmesser von 18 Zentimetern, dazu leicht gekrümmt – so präsentiert sich das geheimnisvolle Teil in Tribsees.

Abbrüche eindeutig zu erkennen

Und an beiden Enden eindeutig als Abbruch zu erkennen, dokumentierte dieses Exponat eigentlich auch für den Laien die Erkenntnis, dass diese so genannten Trockenmörtelsäulen viel zu schwach waren, bei Bewegungen im moorigen Untergrund verformt wurden und letztendlich in kleine Stücke zerbrachen. Dazu kommt, dass sie mit ihren 15 Metern anscheinend nicht weit genug in die Tiefe reichten, denn bei neuesten Bohrungen stieß man erst bei 22 bis 23 Metern auf festen, tragfähigen Boden.

Meinung der Museumsbesucher: Sind das nicht die Ursachen für den Abbruch? Und mit ihrem Standpunkt sahen sie sich von der Meinung des Moor-Experten Hans Joosten von der Uni Greifswald bestätigt, der am 9. Mai in der OZ sagte: „Der Bau der A 20 bei Tribsees auf kleinen Stelzen war viel preiswerter als eine richtige Brücke, hat sich aber in der Praxis nicht bewährt.“

Bürgermeister nahm Säule mit

Ähnlich sieht es Hartmut Kolschewski. „Ich habe dieses Stück damals beim Bau der Autobahn mitgenommen, weil mich das Projekt fasziniert hat. Und ich dachte, das ist eine gute Variante, um das Moor zu schonen. Tja, hinterher ist man immer schlauer.“

Der Bürgermeister der Gemeinde Lindholz, der im umleitungsgebeutelten Langsdorf wohnt, hat das Exponat inzwischen wieder mit nach Hause genommen. „Ich habe das Teil nicht direkt an der A20 ausgegraben, sondern gleich daneben. Da führte nämlich damals der provisorische A-20-Ableiter lang. Wir nannten das Umgehungsstraße, weil der Verkehr nicht mehr durch Langsdorf führte“, sagt der 64-Jährige, der viele Jahre Lehrer für Mathe und Physik war und unter anderem an einer Bau-Schule unterrichtet hat. Daher rührte vielleicht auch damals der Drang, sich auf der A-20-Baustelle umzuschauen.

„Dass das mal so brisant wird, konnte man ja damals nicht wissen.“

Die Säulen, von denen Hartmut Kolschewski – übrigens auch Amtsvorsteher im Recknitz-Trebeltal – ein Stück hat, sahen aber genauso aus wie die an der Autobahn, waren von derselben Firma zur selben Zeit angeliefert und mit denselben Geräten bugsiert worden, berichtet er. Mit nur einem Unterschied: Die so genannte Umgehungsstraße wurde nach der A-20-Einweihung zurückgebaut.

Und Hartmut Kolschewski hat sich eben ein Stück davon beiseite gelegt. „Ich wollte einfach etwas in der Hand haben, wenn über das Thema geredet wird. Dass das mal so brisant wird, konnte man ja damals nicht wissen.“

Bisher keine A-20-Säulen wiedergefunden

Über das abgebrochene Teilstück der A20 bei Tribsees wurde in den vergangenen Monaten viel geschrieben, auch internationale Medien berichteten. Bei der Suche nach den Ursachen gab es bisher nur Vermutungen. Dazu wurde zum Beispiel unter anderem erklärt, dass man trotz intensiver Suche von den tausenden der dünnen, zu 75 Prozent aus Sand und zu 25 Prozent aus Beton bestehenden, 15 Meter langen Säulen mit einem Durchmesser zwischen 15 und 22 Zentimetern, die den aufgeschütteten Damm auf dem Mooruntergrund halten sollten, nichts wiedergefunden habe. In der Presse wurden sie deshalb ironisch, aber treffend auch als Spargel oder Salzstangen bezeichnet.

Neue Informationen erwarten die Betroffenen übrigens am Montag, wenn Verkehrsminister Pegel (SPD) erneut eine Pressekonferenz geben will. „Keine guten Nachrichten“, vermutet Hartmut Kolschewski. „Aber wir sind das gewohnt, wir haben jetzt wieder den Autoverkehr, den wir auch vor der Autobahn-Einweihung hatten. Nervt natürlich trotzdem.“

Harry Lembke und Ines Sommer

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