Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Feuerwehren schlagen Alarm: Wer löscht künftig die Brände?
Vorpommern Grimmen Feuerwehren schlagen Alarm: Wer löscht künftig die Brände?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 27.06.2019
In Gagern auf Rügen ist vor kurzem diese Scheune bis auf die Grundmauern abgebrannt. 68 Einsatzkräfte aus Bergen, Dreschvitz, Gingst, Samtens, Trent, Kluis und Mitglieder der Amtsfeuerwehr West-Rügen waren im Einsatz. Quelle: Feuerwehr
Anzeige
Greifswald

Lodernde Flammen steigen aus dem Dachstuhl empor, die Bewohner stehen fassungslos um das brennende Haus – doch die Feuerwehr kommt und kommt nicht. Schreckensszenarien wie dieses sind in einigen Dörfern Vorpommerns gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Denn die Feuerwehren haben große Nachwuchsprobleme. Vertreter von 15 Feuerwehren aus den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen diskutierten am Dienstagabend in Dersekow, wie man dieses Problem lösen könnte.

Was schnell klar wurde: Es ist besonders tagsüber für die freiwilligen Feuerwehren auf dem Dorf personell schwierig, überhaupt auszurücken. „Die meisten Leute arbeiten in der Stadt. Diese sind dann am Tag nicht für uns einsatzbereit“, erklärt Tobias Lembke, Werksfeuerwehrmann in Stralsund und zudem freiwilliger Feuerwehrmann. Besonders knapp besetzt seien beispielsweise Behrenhoff und Dargelin im Kreis-Vorpommern-Greifswald. Diese beiden Wehren kooperieren seit einem Jahr aufgrund der Personalprobleme. Die Einsatzbereitschaft können sie nicht zu jeder Zeit sichern.

Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Bränden, die sich seit 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und passen Sie auf sich auf.

Mitgliederzahlen sinken

Anderswo sieht es kaum besser aus. Die Zahlen der freiwilligen Mitglieder der Feuerwehren sind rückläufig. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald gibt es derzeit 6824 Mitglieder in 145 kommunalen Wehren, einer Werksfeuerwehr und einer Betriebsfeuerwehr. Das sind knapp einhundert weniger als vor vier Jahren, wie Peggy Manthey vom Kreisfeuerwehrverband berichtet. Noch drastischer ist die Entwicklung in Vorpommern-Rügen. In 108 Feuerwehren im Landkreis waren Ende letzten Jahres 2873 Ehrenamtliche aktiv, 2017 waren es noch knapp 400 Freiwillige mehr. Auch bei der Berufsfeuerwehr in Greifswald sehe die Lage schwieriger aus als früher. „Vor einigen Jahren hatten wir auf zwei freie Stellen etwa 75 Bewerber“, berichtet Abteilungsleiter Mathias Herenz. „Auf die heutigen fünf freien Stellen bekamen wir etwa 20 Bewerbungen.“

Und wie schafft man es nun, neue Mitglieder für die Feuerwehr zu gewinnen? Bei dem Treffen in Dersekow wurden viele Ideen gesammelt. Adressaten aus der Politik, wie Landrat Michael Sack (CDU) oder der Landes-CDU-Chef Vincent Kokert waren eingeladen, ließen sich jedoch kurzfristig entschuldigen. Trotzdem sammelten die Feuerwehrleute Forderungen an die Politik, zum Beispiel eine höhere Aufwandsentschädigung. Einige Wehren auf dem Dorf zahlen ihren Kameraden bei einem Einsatz einen kleinen Obolus. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Stralsund erhalten indes bisher noch keine Entschädigung; freies Parken in der Stadt sei inzwischen in der Diskussion. In Süderholz gebe es fünf Euro für einen Einsatz. „Das ist jedoch nichts, womit man neue Mitglieder geworben bekommt“, meint der Süderholzer Bürgermeister Alexander Benkert (CDU), der auch freiwilliger Feuerwehrmann ist. „Es ist eher ein Ausgleich, damit man durch das Ehrenamt keinen finanziellen Nachteil hat“, sagt er. In Greifswald bekommen die Freiwilligen 7,50 Euro für einen Einsatz.

Führerschein-Zuschuss kommt gut an

Doch nicht nur die Zahl der Mitglieder sinkt, auch Fahrer für die Feuerwehrautos werden knapp. Um Anreize für Mitglieder zu schaffen, gebe es seit einigen Jahren die Möglichkeit, bei der Feuerwehr den Lkw-Führerschein zu machen. „1000 Euro werden vom Land übernommen, meistens geben die Gemeinden auch etwas dazu, sodass nur ein geringer Eigenanteil bleibt“, erklärt Tobias Lembke. Im Kreis Vorpommern-Rügen hätten in den vergangenen vier Jahren über 100 Freiwillige ihren Lkw-Führerschein erhalten, 20 seien dabei, ihn zu machen, und 37 weitere fangen in diesem Jahr mit der Ausbildung an. In Vorpommern-Greifswald gebe es in diesem Jahr 38 Bewerber auf 31 Führerscheine, die gefördert werden. Weitere Rabatte wären in den Augen der Feuerwehrleute nur insoweit sinnvoll, wie sie auch in anderen Regionen genutzt werden könnten. „Was nützt mir eine Ehrenamtskarte auf dem Dorf nahe Greifswald, wenn ich diese in Stralsund nicht mehr nutzen könnte“, fragt sich Lembke. Ob solche Rabatte junge Erwachsene in die Feuerwehr ziehen würden, sei fraglich.

Briefkästen, Dorffeste, Social-Media-Kanäle

Der Leiter der Berufsfeuerwehr Greifswald, Mathias Herenz, findet, dass das Gesamtkonzept verändert werden müsse, die finanziellen Ausgleiche würden nicht genügen. „Man muss die Rahmenbedingungen verbessern.“ Außerdem müsse dringend in Mitgliederwerbung investiert werden. Wie diese aussehen soll, wurde heftig diskutiert. „Mitgliederwerbung ist nicht einfach. Man muss das Passende für die jeweiligen Gemeinden und Zielgruppen finden“, ist sich Herenz sicher. In einem Punkt waren sich alle einig: Man müsse vielfältig Werbung streuen – sei es durch Flyer in Briefkästen, weiterhin auf Dorffesten präsent sein oder auf den Social-Media-Kanälen die jüngeren Leute ansprechen.

Feuerwehr als Schulfach?

Bei den Jugendfeuerwehren sei indes ein Aufwärtstrend zu beobachten. 1190 Kinder in Vorpommern-Greifswald und 977 in Vorpommern-Rügen gehören derzeit den Jugendfeuerwehren an, jedoch sei es schwierig diese zu halten. Um Kinder und Jugendliche für den Brandschutz zu begeistern, denken die Feuerwehrleute über eine Art Pflichtfach in der Schule nach. In einigen Grundschulen gebe es schon eine Feuerwehr-AG, berichtet Alexander Benkert. Heiko Burgas, Amtswehrführer im Amt Landhagen und Beisitzer im Kreisfeuerwehrverband, erzählt, dass die Schüler in Pasewalk eine Truppmannausbildung durchlaufen und nachdem sie aus der Schule kommen, direkt in der Feuerwehr mitarbeiten können. Das fand viel Zuspruch bei den Diskutierenden, sei jedoch auf Landesebene zu klären.

Stefanie Ploch

Der wiedergewählte Bürgermeister Splietsdorfs, Burghard Rübcke von Veltheim, hat mit Norbert Schuparis und Olaf Ahrens zwei Stellvertreter gefunden. Alle sechs Mitglieder der Gemeindevertretung gehören der Wählergemeinschaft an.

26.06.2019

Schüler des Gymnasiums unterstützen die Initiative „Stolpersteine auch in Grimmen“. Zum Thema entsteht eine Ausstellung.

26.06.2019

In Grimmen, im Wohngebiet Zweendamm, bleibt seit dem 1. Juni der TV-Bildschirm schwarz. Dies betrifft Kunden des Kabel-TV-Anbieters Pÿur. Das Unternehmen lässt seine Kunden auch im Dunkeln, wann die Störung beseitigt wird.

26.06.2019